Kursbuch MONTAGSBLOCK

MONTAGSBLOCK /26
13.02.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Nach Trump und Brexit, inmitten neuer Exits, kurz vor Frexit und AfD-Wahlkrampf, stehen weitere semantische Auseinandersetzungen vor der Tür. Schon in Kürze wird ein Mediengetöse mit Polarisierungen, Demütigungen und gegenseitiger Verachtung losgehen. Zwei Welten, ohne Aussicht auf Versöhnung? Zwei kurze Blicke in die europaweiten „Anleitungen zum Unglücklichsein“ zeigen, wie wichtig jetzt transformative Politik wäre. Mit der Stärke einer Perspektivendifferenz, an der wir uns narrativ abarbeiten und argumentativ ausrichten können. (…)

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MONTAGSBLOCK /25
30.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Seien wir ehrlich: Wir haben fast alle gedacht, dass sich Donald Trump, seit einer guten Woche neuer Präsident der Vereinigten Staaten, im Amt semantisch zügeln wird – nicht in dem Sinne, dass er nicht umzusetzen versuchen würde, womit er den Wahlkampf gewonnen hat. Aber dass er es so direkt umsetzt und zumindest das, was er per Dekret ohne Rücksprache bei anderen politischen Instanzen umsetzen oder wenigstens auf den Weg bringen kann, in so unmittelbarer Kontinuität zu den Wahlkampfsätzen umsetzt, erstaunt auch den kühnsten Beobachter. (…)

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MONTAGSBLOCK /24
16.01.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Warum gibt es eigentlich keine sozialen Utopien mehr? Wer verknüpft sein eigenes Dasein noch mit einem utopischen Gesellschaftsideal? Warum herrscht im ganzen Land eine seltsame Uneigentlichkeit im Denken und Tun? Und warum revoltiert niemand dagegen? Wenden wir uns dem Menschen in der Revolte zu. Und blättern zunächst etwas in der Geschichte herum. Ein französischer Schriftsteller meinte in den 1950ern: »Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der nein sagt.« Richtig, und mit dem Nein formuliert er die Grenze des Bis-hierher-und-nicht-weiter. Hinter der Grenze wartet als Alternative das Da-haben-wir-ein-Recht-darauf-Land. (…)

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MONTAGSBLOCK /23
02.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – mit diesen Worten habe ich bereits den Montagsblock /17 am 10. Oktober 2016 begonnen, in dem ich von meiner Reise in die Vereinigten Staaten berichtet habe, wo ich im vergangenen September im Rahmen der vom Kursbuch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut organisierten „Kritikmaschine“ in Boston und Los Angeles Vorträge gehalten habe. Schon damals habe ich eine weitere Reise angekündigt, nämlich nach Russland. Diese hat inzwischen stattgefunden, nämlich Ende November nach Moskau und St. Petersburg.   (…)

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MONTAGSBLOCK /22
19.12.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Armin Nassehi hat vor einer Woche mit messerscharfer Logik versucht, meine kleine 6-Kamele-Kompetenztheorie auseinanderzunehmen. Sein Haupteinwand in Kürze: Ich würde mich einer gewissen Romantik hingeben, wenn ich in einer Demokratie von weisen Entscheidungen ausgehen würde. Der Weise sei ein Auslaufmodell, gestrandet auf dem Scheiterhaufen beliebiger Rationalitäten und Erkenntnisse. Unmöglich sei der Weisheit letzter Schluss, retourniert er deshalb, denn es ginge immer um Macht- und Hegemonieinteressen, die das Politische dominieren.  (…)

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MONTAGSBLOCK /21
05.12.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Peter Felixberger hat vor zwei Wochen an dieser Stelle eine hübsche Geschichte erzählt, deren Quintessenz ist, dass ein „weiser Richter“ eine Lösung für eine Erbstreitigkeit anbietet, die alle Beteiligen zufriedenstellt. Die Geschichte ist schon deshalb schön, weil sie unsere Sehnsucht nach Lösungen aus einem Guss befriedigt. Peter Felixberger singt hier das Hohelied des kompetenten Experten, der eine Lösung für alle haben und damit ein „Wunschergebnis für alle“ erreichen kann. Wäre die Geschichte hier zu Ende, bliebe sie eine schöne Geschichte. Aber sie fängt hier erst an.  (…)

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MONTAGSBLOCK /20
21.11.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ein Beduine möchte auf dem Sterbebett elf Kamele an seine drei Söhne vererben. An den ersten Sohn die Hälfte, an den zweiten ein Viertel und an den dritten ein Sechstel der Kamele. Rein praktisch eine unmögliche Verteilungsaufgabe (5,5+2,75+1,83). Ein weiser Richter schlägt deshalb vor, dass er den Söhnen noch ein Kamel aus seinem Bestand überlässt. Jetzt erhält jeder seinen gerechten Anteil (…)

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MONTAGSBLOCK /19
07.11.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Wie entstehen eigentlich Kursbücher? Peter Felixberger und ich sind im Gespräch mit unserem Verleger Sven Murmann vor nunmehr zweimal 19 Wochen (das ist der 19. der zweiwöchig erscheinenden Montagsblocks) gemeinsam auf die Idee gekommen, man müsste etwas aus der Werkstatt des Kursbuchs erzählen. Das haben wir bisweilen auch gemacht, aber auch über anderes berichtet. Gerade ist wieder ein Kursbuch in den Druck gegangen, die Nr. 188 mit dem Titel Kalter Frieden. (…)

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MONTAGSBLOCK /18
24.10.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Buchmesse 2016. Wir sind natürlich auch nach Frankfurt gefahren, haben unter anderem das Kursbuch und unsere neue Edition aus- und vorgestellt. Rund um unseren Stand tobte der Bär. Von gegenüber starrten uns FC-Bayern-Kalender an, von rechts streiften uns esoterische Achtsamkeitswellen und etwas weiter links am FAZ-Stand blaffte ein Wirtschaftsjournalist, dass Deutschland die digitale Transformation verschlafe. Wir waren umzingelt. Überall gurgelte der Mainstream seinen Aufmerksamkeitssirup und spuckte ihn auf die Gänge vor die Füße der Besucher. (…)

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MONTAGSBLOCK /17
10.10.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut besuchen Kursbuch-Autorinnen und -Autoren Goethe-Institute in verschiedenen Ländern und halten dort unter dem Titel „Kritikmaschine“ Veranstaltungen ab, stets mit interessanten Gesprächspartnern und interessiertem Publikum. Ich selbst habe in der letzten Woche neben der Brandeis University bei Boston zwei Goethe-Institute in den USA besucht, nämlich in Boston und Los Angeles. (…)

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MONTAGSBLOCK /16
26.09.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ich mag die Berlin-Mitte der Welt, weil dort eine unserer Töchter mit Mann und Enkelkind lebt und arbeitet. Ich mag Berlin-Mitte aber irgendwie auch nicht, weil dort so viele Selbstüberhöher, Aufspieler, Wichtigtuer und Kulturprotzer herumwuseln. Ihr Gschau mimt immer dasselbe: besser, wichtig, krass cool. Dabei stellen diese Bedeutungsimperialisten ihren Selbstverwirklichungspopanz oft so drastisch zur Schau, dass man von außen kommend sofort von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsattacken gepeinigt wird. (…)

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MONTAGSBLOCK /15
12.09.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Im Montagsblock /3 haben wir es schon angedeutet: Sieht man sich öffentliche Debatten an, erkennt man einerseits ein schnell getaktetes Gewimmel von Verlautbarungen, Meinungen, Kommunikationspartikeln und Stimmen. Es sieht aus, als habe alles einen hohen Überraschungswert – und die Mediensoziologie bestätigt, dass die Währung der öffentlichen Medien das Neue sei, das Überraschende, das Unbekannte, der besondere Informationswert.  (…)

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MONTAGSBLOCK /14
29.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Seien wir ehrlich. Die Intellektuellen werden weniger. Wer braucht schon noch schlaue Köpfe zum Nachdenken? Geht viel einfacher. Selber was aufschnappen, malmen und ausspucken. Mal hier etwas, mal dort. Gefragt sind geistige Schnellwiederkäuer und wiederkäuende Schnellgeister. Das scheint Mut zu machen. In manchen bürgerlichen Kreisen wird mittlerweile wieder einem unverblümten Anti-Intellektualismus gefrönt.  (…)

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MONTAGSBLOCK /13
15.08.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, richtig schlau möchte man derzeit nicht sein. In meinem letzten Montagsblock, es war die Nummer 11, habe ich behauptet, Gott wolle man im Moment nicht sein, weil Leute wie Erdogan oder Gauland es geradezu für ein Gottesgeschenk halten, wenn die Dinge nicht gut laufen. Das ermögliche es ihnen, ihr unerfreuliches Geschäft mit noch mehr Verve zu betreiben. Heute möchte ich behaupten, nicht wirklich schlau sein zu wollen. Jedenfalls legt dies eine Studie nahe, (…)

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MONTAGSBLOCK /12
01.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Weniger arbeiten! Eine kleine Entgleisung zu Beginn der Sommerferien    Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass ein Fisch niemals weiß, wann er pinkelt. Das wiederum ist eins zu eins auf Intellektuelle übertragbar. Der Intellektuelle ist davon überzeugt, intelligent zu sein, weil er sich seines Kopfes bedient. Der Maurer bedient sich seiner Hände, aber auch er hat einen Kopf, der ihm sagen kann: „Hey, diese Mauer ist nicht gerade, und außerdem hast du vergessen, Mörtel zwischen die Steine zu geben.“ Nun geht es hin und her zwischen Arbeit und Verstand. (…)

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MONTAGSBLOCK /11
18.07.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, Gott möchte man derzeit nicht sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Putsch in der Türkei als Gottesgeschenk bezeichnet, das ihn in die Lage versetzt, die Armee und nun wohl auch die Justiz zu „säubern“. Der Träger des Al-Gaddafi-Menschenrechtspreises spricht nur besonders deutlich aus, was derzeit öfter zu hören ist. Alexander Gauland, der den besagten Menschenrechtspreis zwar auch verdient hat, ihn aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr bekommen wird, hat die Flüchtlingskrise als „Geschenk“ bezeichnet. (…)

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MONTAGSBLOCK /10
04.07.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Alle reden vom Team und vom Teamgeist. Oben steht, wer zusammenhält. Dort sind wir irgendwie alle gleich. Die Isländer träumen mit ihren Fußballern. Berliner Start-ups kuscheln mit ihren Mitarbeitern. Politbosse umarmen die Bedürfnisse ihrer Wählerschaft. Ein großes „Mia san mir“ ist ausgebrochen. Irgendwo dazugehören, zu den Richtigen, zu den Wirklichen, zu den Wissenden, so lautet die Devise der neuen Communitybuilder. Facebook & Co. stehen als digitaler Werkzeugkasten bereit. Vive la What’s App! Vive la Mannschaft! (…)

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MONTAGSBLOCK /9
20.06.16, von Hrsg. Armin Nassehi

„Welt verändern“ ist das Thema von Kursbuch 187. Meine erste Assoziation zum Thema war, wenig überraschend, der berühmte Satz aus der 11. Feuerbachthese: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern.“ Dieser vielleicht berühmteste Satz von Karl Marx scheint wenig Probleme zu bereiten, arbeitet er doch mit einer deutlichen und klaren Unterscheidung: interpretieren/verändern – das impliziert so etwas wie die Differenz von Schreibtisch/wirkliche Welt oder Reden/Handeln. Diese These ist so suggestiv und einsichtig, dass sie sogar als ausstellbare Corporate Identity einer Universität taugt – siehe die Inschrift im Hauptfoyer der Berliner Humboldt-Universität, Unter den Linden 6. (…)

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MONTAGSBLOCK /8
06.06.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Blick zurück in meine Kindheit: Als Cassius Clay hat er angefangen. Und um drei Uhr morgens sind wir mit den Eltern aufgestanden und haben seine Boxkämpfe im Fernsehen angeschaut. In der Dunkelheit der Nacht gingen rundherum die Wohnzimmerlichter an. Wir waren nie allein. Muhammad Ali zog die ganze Welt in seinen Bann. Ohne Facebook, Twitter und Google stand man auf der Matte, wenn das Großmaul in den Ring stieg. Jetzt ist er tot. Viele werden sich am Wochenende an ihn erinnert haben.  (…)

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MONTAGSBLOCK /7
23.05.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch 186 – Rechts. Ausgrabungen ist im Druck. Und schon beginnt die Vorbereitung des nächsten Kursbuchs. Nummer 187. Es wird Welt verändern heißen. Bei der Vorbereitung stellt sich zunächst die Frage, was man unter diesem Titel eigentlich verhandeln kann. Wird die Welt verändert? Oder verändert sich die Welt selbst? Ist das Erste vielleicht unmöglich, weil das Zweite gilt? Oder ist es umgekehrt? Ändert sie sich selbst, ohne dass sie sich um unsere Veränderungsbemühungen schert? Oder ist es schon zu groß gedacht, gleich an die Welt zu denken, geht es bei Veränderungen doch meist um eher kleinere Dinge – um Lebensstile oder Routinen, um Überzeugungen oder kleinere Praktiken?   (…)

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MONTAGSBLOCK /6
09.05.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Was ist eigentlich Respekt? Diese Frage heute zu stellen, scheint bemerkenswert aus der Zeit gefallen zu sein. In einer digitalen Zeit, in der Respekt oft an den Gestaden gegenseitiger Abwertungsrhetorik zerschellt (etwa in zahlreichen infantilen Bewertungsportalen oder YouTube-Channels). Jeder darf offenbar jeden an den Pranger stellen. Arzt, Rechtsanwalt, Buchautor. Stigmatisierung und Denunzierung finden oft im Vorbeigehen statt. Ausgrenzung als Pop. Kein Zweifel: Respekt ist offenbar ein knappes Gut geworden,  (…)

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MONTAGSBLOCK /5
25.04.16, von Hrsg. Armin Nassehi

In den letzten Montagsblocks haben wir, Peter Felixberger und ich, uns stark auf die Frage des Fremden, auf die Folgen des Flüchtlingsdiskurses und auf rechte politische Denkungsarten kapriziert. Dabei wurde deutlich – und all das ist in den letzten Kursbüchern nachzulesen, im nächsten übrigens auch, wie groß der Wunsch danach ist, alles als aus einem Guss bestehend beschreiben zu können.  (…)

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MONTAGSBLOCK /4
11.04.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Die Furien des Nationalismus. Das nächste Kursbuch 186 wird den Titel „Rechts. Ausgrabungen“ tragen. Es erscheint im Juni und wird sich vor allem mit dem Freilegen tiefer Sedimentschichten rechter Ideologien beschäftigen. Zwei dieser Leitbegriffe sind Nation und Nationalismus, die gerade wieder fröhliche Urständ feiern. In den hässlichen Pegida-Demos ebenso wie im anschwellenden Bocksgesang der AfD (…)

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MONTAGSBLOCK /3
28.03.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor einer knappen Woche wurde die belgische Hauptstadt von zwei Anschlägen erschüttert – die Erinnerungen an die Ereignisse im November in Paris, aber auch an die in Madrid und London, wurden mit einem Mal aufgefrischt. Es herrschte wieder ein Ausnahmezustand. Erschütterung, Angst, Unsicherheit, Wut, Trauer, Mitgefühl waren die verbreitetsten Vokabeln. News waren „Breaking News“ (…)

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MONTAGSBLOCK /2
14.03.16, von Hrsg. Peter Felixberger

In Zeiten rechtsradikaler Dorfdeppen und tumber Volksfeudalisten braucht es differenzierte Stimmen, die sich abseits medialer Blockbuster und Weltpolitikpfade zu Wort melden. Das Kursbuch versteht sich als eine dieser Stimmen, die auf mehr als 600 Wörter im nationalen Wortschatz zurückgreifen. (…)

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MONTAGSBLOCK /1
29.02.16, von Hrsg. Armin Nassehi
Die Bewohner des Sirius seien uns nicht eigentlich fremd, weil wir zu ihnen keine soziale Beziehung haben können, während die Fremden zu uns gehören. Sie können nur fremd sein, weil sie da sind. Sie sind also stets vertraute Fremde, und wenn das Vertraute nur darin besteht, die Fremden irgendwie fremd zu finden. (…)

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