Kursbuch MONTAGSBLOCK

MONTAGSBLOCK /43
23.10.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor einer Woche hat das Wintersemester begonnen. Ich halte da immer eine Vorlesung mit dem Titel „Einführung in die Soziologie“ – im Audi Max im Hauptgebäude der LMU, von 10 bis 12 Uhr. Ich habe mit einigem Schrecken festgestellt, dass ich diese Vorlesung nun im 20. Jahr halte – die erste fand im Wintersemester 1997/98 an gleicher Stelle statt, und ich habe die Vorlesung aufgrund von Abwesenheit im Wintersemester nur zweimal in dieser Zeit nicht gehalten. Was ist daran interessant? Sicher nicht, dass ich darüber 20 Jahre älter geworden bin und die Studentinnen und Studenten nochmals um 20 Jahre jünger als ich sind, als sie es ohnehin schon immer waren. Das ist der normale Lauf der Dinge. (…)

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MONTAGSBLOCK /42
09.10.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Was haben Donald Trump, Frauke Petry, die Bundestagswahl und der FC Bayern gemeinsam? Richtig, alle vier sind in Schicksalsfragen unberechenbar und nahezu unbegreiflich geworden. Trump aufgrund schwankender Intelligenz, Petry mit bizarrer Allmachtsfantasie, die Bundestagswahl mit spontan neuen Mehrheiten und der FC Bayern mit abrupter Über-Nacht-Verwandlung in eine Gurkentruppe. Man fragt sich, welcher Keim zu diesen plötzlichen Überraschungen führt. Verbreitet er sich zufällig und aus heiterem Himmel auf die Menschheit stürzend? Stehen dahinter vielleicht perfide diabolische Kräfte? Oder folgt alles einer unausweichlichen, unbekannten Ablauforganisation? (…)

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MONTAGSBLOCK /41
25.09.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Der Montagsblock erscheint montags in der Frühe – nomen est omen. Geschrieben wird er sonntags. Das fällt üblicherweise nicht auf, diesmal schon. Während dies geschrieben wird, sind die Wahllokale noch fast fünf Stunden geöffnet. Kommentatoren bemerken, dass diese Bundestagswahl eine der wichtigsten seit Bestehen der Bundesrepublik sei. Was auch immer das heißt – mit dem Einzug einer rechtsradikalen, zum Teil offen faschistoiden Partei wird sich in der nächsten Legislaturperiode vieles ändern. Es werden im Parlament Dinge sagbar sein, die es zuvor nicht waren. Und es wird zu schwierigen, womöglich tanzähnlichen Formen des Nähe-/Abstandsmanagements kommen. (…)

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MONTAGSBLOCK /40
11.09.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Angela Merkel und Martin Schulz werden nach einem Hurrikan als Schiffbrüchige an eine Insel angeschwemmt. Der Morgen danach: Beide sitzen am Strand, zerzaust vom Sturm in der Nacht, ein bisschen zerbeult, zerkratzt, gestaucht, aber mehr ist ihnen nicht passiert. Eine wunderschöne Insel, denken sie, während sie gemeinsam aufs Meer blicken. Noch wissen sie nicht, dass es auf der Insel zwar alle Ressourcen im Überfluss gibt, aber leider keine einheimische Bevölkerung, über die man regieren kann. Angela und Martin beginnen, die Insel zu erkunden. Die ersten Tage verstreichen wie Schmelzkäse in der Wüste. Nach einiger Zeit wird ihnen klar, dass sie nicht damit rechnen können, in den nächsten Jahren gerettet zu werden. (…)

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MONTAGSBLOCK /39
21.08.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Es ist Sommer, und ich hatte das Vergnügen, zehn Tage mit einem Chor nach Italien in ein ehemaliges Kloster in die Nähe von Lucca zu fahren, um an einigen Stücken zu arbeiten, die im Herbst zur Aufführung kommen werden. Es waren sehr angenehme Leute dabei – manche davon kannte ich vorher, manche nicht. Wir haben nicht nur Musik gemacht, sondern auch, was man sonst so macht: gegessen, gelacht, geschlafen, Ausflüge in die Gegend, Wein getrunken. Vor allem aber: Es wurde kommuniziert. Über alles Mögliche. Über wirklich alles Mögliche. Beim Kochen, beim Ausfliegen – einfach so oder über Themen, die sich ergeben haben. Über uns selbst, über andere. Über Dinge, die wir aus den Medien kennen. Es war also, wie es so ist. (…)

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MONTAGSBLOCK /38
07.08.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Vor einigen Jahren musste der brasilianische Fußballstar Neymar am Münchner Flughafen zwischenlanden. Da er mehrere Stunden zu überbrücken hatte, gleichzeitig aber Hunger und Durst verspürte, fragte er einen Taxifahrer, wo man hier in der Nähe gut essen könnte. Der Taximann fuhr Neymar samt Gefolge in eine Pizzeria, in die er als Anhänger einfacher italienischer Hausmannskost selbst gerne ging. Der Fußballer und seine Entourage verdrückten Pizza, tranken Cola, gaben Autogramme und fuhren irgendwann zum Flughafen zurück, um ihre Reise fortzusetzen. (…)

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MONTAGSBLOCK /37
24.07.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Gibt es so etwas wie eine strukturelle, vielleicht sogar habituelle, womöglich, horribile dictu, unvermeidliche Dummheit der Sieger? Gibt es eine Dummheit im Lorbeerkranz? Es sieht fast so aus. Denkt man an die Meldungen dieser Tage, dass die Spitzen der deutschen Automobilindustrie sich womöglich in einem Kartell über gemeinsame illegale Praktiken abgesprochen haben, könnte man das durchaus als eine der Dummheiten ansehen, die es vielleicht nur bei Siegern gibt, oder bei Siegern, denen langsam schwant, dass es sich ausgesiegt hat. In einem Tweet hat Tom Strohschneider, der Chefredakteur des Neuen Deutschland (ausgerechnet!) dieses Gehabe ebenso süffisant wie zutreffend als „Geheimplanwirtschaft“ beschrieben.  (…)

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MONTAGSBLOCK /36
10.07.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Der G20-Gipfel in Hamburg war das harte Aufeinanderprallen zweier Narrative über die Globalisierung. Auf der einen Seite der schwarze Block als extreme Söldnervariante gegen den ungezügelten Globalkapitalismus. Auf der anderen Seite Angela Merkel und ihre überwiegend konformen Staatenlenker als extrem bewachte Hüter desselben. So beschwor man in den Messehallen den global freien Austausch von Waren, während hinter brennenden Barrikaden der zerstörerische Kapitalismus bekämpft und abgefackelt werden sollte. Beide Seiten hielten auf bizarre Weise Hof. Im Exzess entluden sich in der Schanze dann unverzeihlich Wut und Verbohrtheit. Gleichzeitig wurde in der Elbphilharmonie eine groteske Form umfassender Sedierung der Weltöffentlichkeit betrieben. (…)

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MONTAGSBLOCK /35
26.06.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Peter Felixberger hat im letzten Montagsblock, in Nummer 34, ziemlich eindrucksvoll von seinem persönlichen 1968 berichtet. Und er hat angekündigt, dass auch das Kursbuch nächstes Jahr unter anderem eine Ausgabe zu 1968 beisteuern wird. „Bloß keine Heldenverehrung“ – ja, das haben wir uns geschworen, zugleich auch: keine Abrechnung, vielmehr den Versuch wagen, an manchen Idealen von damals anzusetzen: „der unbändige Wille zur Freiheit, sein Leben ohne Zwänge und frei führen zu dürfen“, so hat Peter Felixberger es als eine liberale Idee formuliert, die sich damals gegen eine Enge gerichtet hat, deren lebensweltliche Form wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. (…)

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MONTAGSBLOCK /34
12.06.17, von Hrsg. Peter Felixberger

1968 war ich acht Jahre alt. Besser gesagt: Ich wurde es erst in fünf Tagen, nachdem russische Panzer in der damaligen Tschechoslowakei aufgefahren waren, um den Prager Frühling abzuwürgen. Genau am 21. August 1968. Fast 50 Jahre sind seither vergangen. Schüchterne Rückblicke im Kopf: ein dunkelblauer Fiat 128, drei Kinder samt Mutter auf der Rückbank, starrer Blick in einen verregneten Augustmorgen, Panzer in der tschechischen Provinz. (…)

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MONTAGSBLOCK /33
29.05.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Ein Händedruck ist eine einfache Sache. Stark ritualisiert, funktioniert fast automatisch. Man kann es ausprobieren. Selbst wenn man auf einen wildfremden Menschen zugeht und ihm die Hand ausstreckt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich einem dessen Hand wie von selbst entgegenstreckt, bevor derjenige, der an der Hand hängt, das womöglich weiß. Für uns Soziologen ist das eine schöne Situation, an der man erklären kann, wie Kommunikation und Handlung unter Anwesenden funktioniert. Zum einen nennen wir das „doppelte Kontingenz“ – beide machen ihr Verhalten vom Verhalten des anderen abhängig, (…)

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MONTAGSBLOCK /32
15.05.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Lieber Martin Schulz, wir werden Sie auch nach diesem NRW-Wahlsonntag nicht so einfach aufgeben. Obwohl wir uns schon fragen, warum und vor allem wie Sie das Thema Steuergerechtigkeit in den Mittelpunkt des aufziehenden Bundestagswahlkampfes stellen. Auf den Schulz gebracht: Es sei nicht gerecht, so der Mann aus Würselen, dass ein Bäcker seine Steuern zahlen müsse, aber ein globaler Kaffeekonzern sein Geld in Steueroasen parke. Es gehe um den Respekt vor der Lebensleistung von Menschen.
Was heißt das genau? (…)

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MONTAGSBLOCK /31
01.05.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Am 1. Mai etwas über Arbeit? Muss wohl!
Hinter all den Kulturkämpfen und Verunsicherungen der gegenwärtigen Zeit stehen auch Ahnungen darüber, wie sich der Zusammenhang von Arbeit und Einkommen, die Frage nach verfügbarer Arbeit und nicht zuletzt die Frage des Beitrages der Arbeitenden an der Wertschöpfung und der Mehrwertproduktion verändert.
Am 1. Mai etwas über entfremdete Arbeit? Muss wohl auch! (…)

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MONTAGSBLOCK /30
17.04.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Dankenswerterweise hat sich mal wieder Gunter Dueck zu Wort gemeldet. Früher, in den Anfangszeiten des Internets, hat er spektakuläre Bücher über das Bizarre in der Netzökonomie geschrieben (wie zum Beispiel Supramanie – glänzend, seiner Zeit weit voraus). Seine ersten Werke haben auf Anhieb aber nicht viele verstanden, so dass er im Laufe der Zeit beschloss, banalere Bücher zu schreiben, die jeder schnell kapiert. Die Leser liefen ihm fortan in Scharen zu. (…)

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MONTAGSBLOCK /29
27.03.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Donald Trump ist mit seinem Versuch der Abschaffung von „Obamacare“ schon an der ersten parlamentarischen Hürde gescheitert – die Freude ist groß und der Spott unterhaltsam, die Demokraten feixen auf Twitter, und Trumps Kritiker sehen darin die Inkompetenz des GrePev (Greatest President ever) bestätigt. Im letzten Kursbuch Lauter Lügen habe ich in meinem Beitrag „Po:Pu:Lis:Mus“ am Ende einen kontraintuitiven Gedanken vorgetragen.  (…)

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MONTAGSBLOCK /28
13.03.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Es gibt derzeit eine vertrackte öffentliche Erzählung: Ein Möchtegern-Despot eines südlichen europäischen NATO-Landes bezichtigt nördliche Partnerländer der Nazimethoden, weil er und seine Abgesandten dort keine PR-Veranstaltungen für eine Verfassungsreform abhalten dürfen, mit der er ein noch größerer Despot werden will. Da hält es Inner-Circle-Europa nicht mehr auf den Stühlen. Rote Karte. Halt! Keinen Schritt weiter! Bei diesem kalkulierten Rückfall in nationalstaatliche Erregungsnarrative geht es in erster Linie auch um billige Wahlpropaganda. Die Niederländer wollen Wilders verhindern und ergötzen sich als abendländische Siegelbewahrer. (…)

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MONTAGSBLOCK /27
27.02.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Heut mal etwas allzu abstrakt und etwas ganz anderes: Was macht eigentlich eine Theorie plausibel? Warum erscheint uns eine bestimmte Theorie zutreffender als eine andere? Warum finden wir bestimmte Denkungsarten gut, andere nicht? Ich rede jetzt als Wissenschaftler: Der Königsweg ist der, dass Theorien das Ergebnis von empirischer Forschung sind, man also die Güte einer Theorie daran erkennen kann, ob sie zutrifft oder nicht. Forschung soll ja genau das leisten: zu entscheiden, ob eine Hypothese zutrifft oder nicht. (…)

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MONTAGSBLOCK /26
13.02.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Nach Trump und Brexit, inmitten neuer Exits, kurz vor Frexit und AfD-Wahlkrampf, stehen weitere semantische Auseinandersetzungen vor der Tür. Schon in Kürze wird ein Mediengetöse mit Polarisierungen, Demütigungen und gegenseitiger Verachtung losgehen. Zwei Welten, ohne Aussicht auf Versöhnung? Zwei kurze Blicke in die europaweiten „Anleitungen zum Unglücklichsein“ zeigen, wie wichtig jetzt transformative Politik wäre. Mit der Stärke einer Perspektivendifferenz, an der wir uns narrativ abarbeiten und argumentativ ausrichten können. (…)

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MONTAGSBLOCK /25
30.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Seien wir ehrlich: Wir haben fast alle gedacht, dass sich Donald Trump, seit einer guten Woche neuer Präsident der Vereinigten Staaten, im Amt semantisch zügeln wird – nicht in dem Sinne, dass er nicht umzusetzen versuchen würde, womit er den Wahlkampf gewonnen hat. Aber dass er es so direkt umsetzt und zumindest das, was er per Dekret ohne Rücksprache bei anderen politischen Instanzen umsetzen oder wenigstens auf den Weg bringen kann, in so unmittelbarer Kontinuität zu den Wahlkampfsätzen umsetzt, erstaunt auch den kühnsten Beobachter. (…)

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MONTAGSBLOCK /24
16.01.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Warum gibt es eigentlich keine sozialen Utopien mehr? Wer verknüpft sein eigenes Dasein noch mit einem utopischen Gesellschaftsideal? Warum herrscht im ganzen Land eine seltsame Uneigentlichkeit im Denken und Tun? Und warum revoltiert niemand dagegen? Wenden wir uns dem Menschen in der Revolte zu. Und blättern zunächst etwas in der Geschichte herum. Ein französischer Schriftsteller meinte in den 1950ern: »Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der nein sagt.« Richtig, und mit dem Nein formuliert er die Grenze des Bis-hierher-und-nicht-weiter. Hinter der Grenze wartet als Alternative das Da-haben-wir-ein-Recht-darauf-Land. (…)

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MONTAGSBLOCK /23
02.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – mit diesen Worten habe ich bereits den Montagsblock /17 am 10. Oktober 2016 begonnen, in dem ich von meiner Reise in die Vereinigten Staaten berichtet habe, wo ich im vergangenen September im Rahmen der vom Kursbuch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut organisierten „Kritikmaschine“ in Boston und Los Angeles Vorträge gehalten habe. Schon damals habe ich eine weitere Reise angekündigt, nämlich nach Russland. Diese hat inzwischen stattgefunden, nämlich Ende November nach Moskau und St. Petersburg.   (…)

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MONTAGSBLOCK /22
19.12.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Armin Nassehi hat vor einer Woche mit messerscharfer Logik versucht, meine kleine 6-Kamele-Kompetenztheorie auseinanderzunehmen. Sein Haupteinwand in Kürze: Ich würde mich einer gewissen Romantik hingeben, wenn ich in einer Demokratie von weisen Entscheidungen ausgehen würde. Der Weise sei ein Auslaufmodell, gestrandet auf dem Scheiterhaufen beliebiger Rationalitäten und Erkenntnisse. Unmöglich sei der Weisheit letzter Schluss, retourniert er deshalb, denn es ginge immer um Macht- und Hegemonieinteressen, die das Politische dominieren.  (…)

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MONTAGSBLOCK /21
05.12.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Peter Felixberger hat vor zwei Wochen an dieser Stelle eine hübsche Geschichte erzählt, deren Quintessenz ist, dass ein „weiser Richter“ eine Lösung für eine Erbstreitigkeit anbietet, die alle Beteiligen zufriedenstellt. Die Geschichte ist schon deshalb schön, weil sie unsere Sehnsucht nach Lösungen aus einem Guss befriedigt. Peter Felixberger singt hier das Hohelied des kompetenten Experten, der eine Lösung für alle haben und damit ein „Wunschergebnis für alle“ erreichen kann. Wäre die Geschichte hier zu Ende, bliebe sie eine schöne Geschichte. Aber sie fängt hier erst an.  (…)

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MONTAGSBLOCK /20
21.11.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ein Beduine möchte auf dem Sterbebett elf Kamele an seine drei Söhne vererben. An den ersten Sohn die Hälfte, an den zweiten ein Viertel und an den dritten ein Sechstel der Kamele. Rein praktisch eine unmögliche Verteilungsaufgabe (5,5+2,75+1,83). Ein weiser Richter schlägt deshalb vor, dass er den Söhnen noch ein Kamel aus seinem Bestand überlässt. Jetzt erhält jeder seinen gerechten Anteil (…)

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MONTAGSBLOCK /19
07.11.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Wie entstehen eigentlich Kursbücher? Peter Felixberger und ich sind im Gespräch mit unserem Verleger Sven Murmann vor nunmehr zweimal 19 Wochen (das ist der 19. der zweiwöchig erscheinenden Montagsblocks) gemeinsam auf die Idee gekommen, man müsste etwas aus der Werkstatt des Kursbuchs erzählen. Das haben wir bisweilen auch gemacht, aber auch über anderes berichtet. Gerade ist wieder ein Kursbuch in den Druck gegangen, die Nr. 188 mit dem Titel Kalter Frieden. (…)

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MONTAGSBLOCK /18
24.10.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Buchmesse 2016. Wir sind natürlich auch nach Frankfurt gefahren, haben unter anderem das Kursbuch und unsere neue Edition aus- und vorgestellt. Rund um unseren Stand tobte der Bär. Von gegenüber starrten uns FC-Bayern-Kalender an, von rechts streiften uns esoterische Achtsamkeitswellen und etwas weiter links am FAZ-Stand blaffte ein Wirtschaftsjournalist, dass Deutschland die digitale Transformation verschlafe. Wir waren umzingelt. Überall gurgelte der Mainstream seinen Aufmerksamkeitssirup und spuckte ihn auf die Gänge vor die Füße der Besucher. (…)

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MONTAGSBLOCK /17
10.10.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut besuchen Kursbuch-Autorinnen und -Autoren Goethe-Institute in verschiedenen Ländern und halten dort unter dem Titel „Kritikmaschine“ Veranstaltungen ab, stets mit interessanten Gesprächspartnern und interessiertem Publikum. Ich selbst habe in der letzten Woche neben der Brandeis University bei Boston zwei Goethe-Institute in den USA besucht, nämlich in Boston und Los Angeles. (…)

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MONTAGSBLOCK /16
26.09.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ich mag die Berlin-Mitte der Welt, weil dort eine unserer Töchter mit Mann und Enkelkind lebt und arbeitet. Ich mag Berlin-Mitte aber irgendwie auch nicht, weil dort so viele Selbstüberhöher, Aufspieler, Wichtigtuer und Kulturprotzer herumwuseln. Ihr Gschau mimt immer dasselbe: besser, wichtig, krass cool. Dabei stellen diese Bedeutungsimperialisten ihren Selbstverwirklichungspopanz oft so drastisch zur Schau, dass man von außen kommend sofort von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsattacken gepeinigt wird. (…)

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MONTAGSBLOCK /15
12.09.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Im Montagsblock /3 haben wir es schon angedeutet: Sieht man sich öffentliche Debatten an, erkennt man einerseits ein schnell getaktetes Gewimmel von Verlautbarungen, Meinungen, Kommunikationspartikeln und Stimmen. Es sieht aus, als habe alles einen hohen Überraschungswert – und die Mediensoziologie bestätigt, dass die Währung der öffentlichen Medien das Neue sei, das Überraschende, das Unbekannte, der besondere Informationswert.  (…)

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MONTAGSBLOCK /14
29.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Seien wir ehrlich. Die Intellektuellen werden weniger. Wer braucht schon noch schlaue Köpfe zum Nachdenken? Geht viel einfacher. Selber was aufschnappen, malmen und ausspucken. Mal hier etwas, mal dort. Gefragt sind geistige Schnellwiederkäuer und wiederkäuende Schnellgeister. Das scheint Mut zu machen. In manchen bürgerlichen Kreisen wird mittlerweile wieder einem unverblümten Anti-Intellektualismus gefrönt.  (…)

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MONTAGSBLOCK /13
15.08.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, richtig schlau möchte man derzeit nicht sein. In meinem letzten Montagsblock, es war die Nummer 11, habe ich behauptet, Gott wolle man im Moment nicht sein, weil Leute wie Erdogan oder Gauland es geradezu für ein Gottesgeschenk halten, wenn die Dinge nicht gut laufen. Das ermögliche es ihnen, ihr unerfreuliches Geschäft mit noch mehr Verve zu betreiben. Heute möchte ich behaupten, nicht wirklich schlau sein zu wollen. Jedenfalls legt dies eine Studie nahe, (…)

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MONTAGSBLOCK /12
01.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Weniger arbeiten! Eine kleine Entgleisung zu Beginn der Sommerferien    Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass ein Fisch niemals weiß, wann er pinkelt. Das wiederum ist eins zu eins auf Intellektuelle übertragbar. Der Intellektuelle ist davon überzeugt, intelligent zu sein, weil er sich seines Kopfes bedient. Der Maurer bedient sich seiner Hände, aber auch er hat einen Kopf, der ihm sagen kann: „Hey, diese Mauer ist nicht gerade, und außerdem hast du vergessen, Mörtel zwischen die Steine zu geben.“ Nun geht es hin und her zwischen Arbeit und Verstand. (…)

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MONTAGSBLOCK /11
18.07.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, Gott möchte man derzeit nicht sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Putsch in der Türkei als Gottesgeschenk bezeichnet, das ihn in die Lage versetzt, die Armee und nun wohl auch die Justiz zu „säubern“. Der Träger des Al-Gaddafi-Menschenrechtspreises spricht nur besonders deutlich aus, was derzeit öfter zu hören ist. Alexander Gauland, der den besagten Menschenrechtspreis zwar auch verdient hat, ihn aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr bekommen wird, hat die Flüchtlingskrise als „Geschenk“ bezeichnet. (…)

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MONTAGSBLOCK /10
04.07.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Alle reden vom Team und vom Teamgeist. Oben steht, wer zusammenhält. Dort sind wir irgendwie alle gleich. Die Isländer träumen mit ihren Fußballern. Berliner Start-ups kuscheln mit ihren Mitarbeitern. Politbosse umarmen die Bedürfnisse ihrer Wählerschaft. Ein großes „Mia san mir“ ist ausgebrochen. Irgendwo dazugehören, zu den Richtigen, zu den Wirklichen, zu den Wissenden, so lautet die Devise der neuen Communitybuilder. Facebook & Co. stehen als digitaler Werkzeugkasten bereit. Vive la What’s App! Vive la Mannschaft! (…)

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MONTAGSBLOCK /9
20.06.16, von Hrsg. Armin Nassehi

„Welt verändern“ ist das Thema von Kursbuch 187. Meine erste Assoziation zum Thema war, wenig überraschend, der berühmte Satz aus der 11. Feuerbachthese: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern.“ Dieser vielleicht berühmteste Satz von Karl Marx scheint wenig Probleme zu bereiten, arbeitet er doch mit einer deutlichen und klaren Unterscheidung: interpretieren/verändern – das impliziert so etwas wie die Differenz von Schreibtisch/wirkliche Welt oder Reden/Handeln. Diese These ist so suggestiv und einsichtig, dass sie sogar als ausstellbare Corporate Identity einer Universität taugt – siehe die Inschrift im Hauptfoyer der Berliner Humboldt-Universität, Unter den Linden 6. (…)

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MONTAGSBLOCK /8
06.06.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Blick zurück in meine Kindheit: Als Cassius Clay hat er angefangen. Und um drei Uhr morgens sind wir mit den Eltern aufgestanden und haben seine Boxkämpfe im Fernsehen angeschaut. In der Dunkelheit der Nacht gingen rundherum die Wohnzimmerlichter an. Wir waren nie allein. Muhammad Ali zog die ganze Welt in seinen Bann. Ohne Facebook, Twitter und Google stand man auf der Matte, wenn das Großmaul in den Ring stieg. Jetzt ist er tot. Viele werden sich am Wochenende an ihn erinnert haben.  (…)

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MONTAGSBLOCK /7
23.05.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch 186 – Rechts. Ausgrabungen ist im Druck. Und schon beginnt die Vorbereitung des nächsten Kursbuchs. Nummer 187. Es wird Welt verändern heißen. Bei der Vorbereitung stellt sich zunächst die Frage, was man unter diesem Titel eigentlich verhandeln kann. Wird die Welt verändert? Oder verändert sich die Welt selbst? Ist das Erste vielleicht unmöglich, weil das Zweite gilt? Oder ist es umgekehrt? Ändert sie sich selbst, ohne dass sie sich um unsere Veränderungsbemühungen schert? Oder ist es schon zu groß gedacht, gleich an die Welt zu denken, geht es bei Veränderungen doch meist um eher kleinere Dinge – um Lebensstile oder Routinen, um Überzeugungen oder kleinere Praktiken?   (…)

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MONTAGSBLOCK /6
09.05.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Was ist eigentlich Respekt? Diese Frage heute zu stellen, scheint bemerkenswert aus der Zeit gefallen zu sein. In einer digitalen Zeit, in der Respekt oft an den Gestaden gegenseitiger Abwertungsrhetorik zerschellt (etwa in zahlreichen infantilen Bewertungsportalen oder YouTube-Channels). Jeder darf offenbar jeden an den Pranger stellen. Arzt, Rechtsanwalt, Buchautor. Stigmatisierung und Denunzierung finden oft im Vorbeigehen statt. Ausgrenzung als Pop. Kein Zweifel: Respekt ist offenbar ein knappes Gut geworden,  (…)

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MONTAGSBLOCK /5
25.04.16, von Hrsg. Armin Nassehi

In den letzten Montagsblocks haben wir, Peter Felixberger und ich, uns stark auf die Frage des Fremden, auf die Folgen des Flüchtlingsdiskurses und auf rechte politische Denkungsarten kapriziert. Dabei wurde deutlich – und all das ist in den letzten Kursbüchern nachzulesen, im nächsten übrigens auch, wie groß der Wunsch danach ist, alles als aus einem Guss bestehend beschreiben zu können.  (…)

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MONTAGSBLOCK /4
11.04.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Die Furien des Nationalismus. Das nächste Kursbuch 186 wird den Titel „Rechts. Ausgrabungen“ tragen. Es erscheint im Juni und wird sich vor allem mit dem Freilegen tiefer Sedimentschichten rechter Ideologien beschäftigen. Zwei dieser Leitbegriffe sind Nation und Nationalismus, die gerade wieder fröhliche Urständ feiern. In den hässlichen Pegida-Demos ebenso wie im anschwellenden Bocksgesang der AfD (…)

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MONTAGSBLOCK /3
28.03.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor einer knappen Woche wurde die belgische Hauptstadt von zwei Anschlägen erschüttert – die Erinnerungen an die Ereignisse im November in Paris, aber auch an die in Madrid und London, wurden mit einem Mal aufgefrischt. Es herrschte wieder ein Ausnahmezustand. Erschütterung, Angst, Unsicherheit, Wut, Trauer, Mitgefühl waren die verbreitetsten Vokabeln. News waren „Breaking News“ (…)

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MONTAGSBLOCK /2
14.03.16, von Hrsg. Peter Felixberger

In Zeiten rechtsradikaler Dorfdeppen und tumber Volksfeudalisten braucht es differenzierte Stimmen, die sich abseits medialer Blockbuster und Weltpolitikpfade zu Wort melden. Das Kursbuch versteht sich als eine dieser Stimmen, die auf mehr als 600 Wörter im nationalen Wortschatz zurückgreifen. (…)

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MONTAGSBLOCK /1
29.02.16, von Hrsg. Armin Nassehi
Die Bewohner des Sirius seien uns nicht eigentlich fremd, weil wir zu ihnen keine soziale Beziehung haben können, während die Fremden zu uns gehören. Sie können nur fremd sein, weil sie da sind. Sie sind also stets vertraute Fremde, und wenn das Vertraute nur darin besteht, die Fremden irgendwie fremd zu finden. (…)

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