Kursbuch MONTAGSBLOCK

MONTAGSBLOCK /66
24.09.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Reden wir übers Wetter. Jetzt, wo der Mega-Sommer vorbei ist. Zum Wochenende kam schlagartig die Wetterwende. Es wird wieder kühler. In der Klimaforschung herrscht indes weiter Hitzewelle: Polschmelze, Hitzerekorde, Dürren, Feinstaub und weitere ausweglose Krisen bilden eine große, kaum mehr beherrschbare Megarealität. In dieser Situation fällt mir Hartmut Graßl ein. Ich lernte ihn vor 20 Jahren kennen, er war damals Direktor des UN-Weltklimaforschungsprogramms in Genf. Zu jener Zeit suchte ich internationale Autoren für die EXPO-2000-Buchreihe, in diesem Fall zum Thema: globaler Klimaschutz. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /65
03.09.18, von Hrsg. Armin Nassehi

„Sie sind perfide, haben eine Doppelmoral und können nicht anders. Und sie täuschen uns, wo es nur geht. Nun muss man zu ihrer Ehrenrettung sagen, dass sie es nicht anders kennen – aus einer Mischung aus jahrhundertelanger Inzucht und kulturellem Expansionismus ist ihnen das Perfide und die Doppelmoral so sehr zur zweiten Natur geworden, dass man fast Mitleid mit ihnen haben muss. (…)
So, nun ist Schluss damit. Ich will damit Folgendes zeigen: Wer sich auf die Argumente von Thilo Sarrazins neuem Buch einlässt, stößt auf einen Text, der methodisch ungefähr so funktioniert, wie meine Karikatur über das Christentum.

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /64
20.08.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Im Schatten urbaner Feinstaubmania und aggressiver Klimatribunale klopft hinter den Bergen bei den sieben Zwergen ein kleines Thema am großen Aufmerksamkeitstor. Noch ist es winzig und unbedeutend, denn der große Bruder, die Urbanisierung, regiert die Welt. Mit bekanntem Storyboard: Weltweit zieht es Milliarden von Menschen in Städte und Siedlungen. In der Verdichtung von Mensch und Materie erhofft sich der moderne Sinnsucher eindeutige Effizienz-, Inspirations- und Konsumgewinne. The Urban Place to Be and to Work entscheidet über Lebens- und Karrierepläne. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /63a
03.08.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Add-on zu Montagsblock 63: Same shit, different day! Oder warum es mittlerweile egal ist, welchen Inhalt wir in die Waschtrommel werfen? Im Jahr 1985 kam Coca-Cola auf die glorreiche Idee, Rezeptur und Geschmack der Coke zu ändern. Ein riesiger Werbe- und Presserummel machte das Ereignis landesweit bekannt. Binnen 24 Stunden hatten geschätzte 150 Millionen Menschen das neue Getränk probiert. Man hatte alles genau vorausberechnet, allein vier Millionen Dollar für Geschmackstests ausgegeben. Doch es kam zum Desaster. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /63
30.07.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Es ist alles gesagt worden zur Özil-Affäre – dass das Foto mit Erdogan eine Eselei gewesen ist, dass die Nationalmannschaft nicht wegen Özil ausgeschieden ist, dass Integration beim DFB vor allem eine schöne Image-Kampagne ist, dass Bierhoff zu viel und Löw zu wenig gesagt hat, dass Özil sich früher hätte äußern müssen, dass der Einwanderer mehr leisten müsse, um etwas zu gelten, als der Autochthone, dass es (auch in der Nationalmannschaft) eine Hierarchie der unterschiedlichen Herkunftsregionen von Migrationshintergründlern gibt usw. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /62
16.07.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Zwei Bücher und ein Text, die mich kürzlich um ein wichtiges Argument bereichert haben?
*** Vulgärökonomie: Alles beim Alten *** Donut-Ökonomie: Neues Wirtschaftsmodell *** Interview mit Obermayer/Obermaier (Panama Papers): Das Handwerker-Dilemma *** Schwarzarbeit in Oberbayern. Einiges gelernt haben Armin Nassehi und ich während eines Interviews mit Bastian Obermayer und Frederik Obermaier letzte Woche in München. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /61
02.07.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Ist Reden immer besser als Schweigen? Wir haben in München ein neues DFG-Forschungsprojekt begonnen, das sich mit der Frage nach dem „guten Sterben“ beschäftigt. Es geht nicht um das Sterben selbst, sondern um die Vorstellungen darüber, was gutes Sterben sei und sein soll. Wir – das sind neben unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Theologe Christof Breitsameter, die Soziologin Irmhild Saake und ich – untersuchen empirisch, welche Vorstellungen, Ziele, normativen Muster und Bilder des Gelingens im Umfeld von palliative care, also in Palliativstationen  Krankenhäusern und in Hospizen, gepflegt werden. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /60
18.06.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Fast unversöhnlich stehen sie sich zum Showdown gegenüber: Angela Merkel und Horst Seehofer. Zwei Semantikschränke, die vollgestopft sind mit überlieferten Zeichen, Symbolen und Bedeutungen, tausendmal gehört und gelesen. Irgendwie olle Klamotten. Muffig und leicht vergilbt. Darum herum die Medien und das politische Berlin. Resonanzschreine, die das Oberflächliche und Naheliegende hochjazzen. Die am Ende ihrer Titel & Thesen, aber berechenbar wie Leitungswasser sind. Kleine Auswahl: Die CSU vernationalisiere die Flüchtlingsdebatte und nehme skrupellos alles, was ihre begrenzten Landtagswahl-Alleinregierungsaussichten verbessern könnte.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /59
04.06.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Wenn man nur alles falsch machen kann, hilft es nichts, nichts zu tun, denn das wäre auch falsch, ist es doch auch unter „alles“ zu subsummieren. Vor wenigen Tagen hat der unaussprechliche G., Fraktionsvorsitzender der AfD im Deutschen Bundestag, wiederholt eine kontrollierte Grenzüberschreitung begangen, indem er Hitler und den Nationalsozialismus zu einem Fliegenschiss relativierte – und zwar wiederum so, dass die Grenzüberschreitung wiederum doppeldeutig war und wohl haarscharf an möglicher Strafverfolgung vorbeischrammte.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /58
21.05.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Der, der in Bayern gerade aus allen Nähten platzt, ist der Söder Markus. Und damit meinen wir nicht nur sein unstraff wachsendes Körpervolumen. Nein, nimmermüde mimt er auch den neuen, übermächtigen Landesvater, Beschützer und Hüter bayerischer Werte und Kultur. Gewählt wurde er vom Volke zwar nicht direkt, aber so genau nimmt das hier eh keiner. Die CSU regiert sowieso durch, und der Markus Söder sticht, wenn es sein muss, breitbeinig durch alle Lebens- und Alltagswelten hindurch: Wer in Bayern leben will, soll sich gefälligst der bayerischen Kultur und „unseren Werten“ unterordnen. Wer nicht, soll sich schleichen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /57
07.05.18, von Hrsg. Armin Nassehi

In wenigen Wochen beginnt die phil.cologne in, okay, leicht zu erraten, Köln. Der eigentlichen Konferenz wird eine „Fachtagung“ vorgeschaltet, bei der ich den Eröffnungsvortrag halten werde. Die Fachtagung hat den Titel „Was ist Identität?“ – was kurioserweise selbst eine Identitätsfrage ist. Die Veranstalter wissen also schon, dass es Identitäten gibt bzw. dass man Identitätsfragen stellen kann. Vielleicht ist es auch nur ein sprachlicher Effekt, dass in Sätzen neben dem Prädikat auch Subjekte und Objekte vorkommen, die begriffliche Bezeichnungen oder Namen tragen. Wie auch immer, darum wird es auf jeden Fall gehen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /56
23.04.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Neulich im Roten Salon in der Volksbühne Berlin. Großer Aufgalopp der Berliner Altlinken zu unserer Buchpremiere mit Gretchen Dutschke. Bei meiner Anmoderation kommt ein älterer Herr mit Schild auf die Bühne. „Rudi, der Kampf geht weiter!“ Ich merke, dass ich mir jetzt keine ideologische Aberration leisten darf und kontere mit dem Clint Eastwood-Evergreen: „Wir reiten in die Stadt. Der Rest ergibt sich.“ Ein Satz, den Eastwood mal auf einer Pressekonferenz auf die Frage geantwortet hatte, was das Dauermotiv in allen seinen Filmen sei. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /55
09.04.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Am Samstag kam es in Münster zu einem „Zwischenfall“, wie man so sagt. Ich saß zu der Zeit in einem Restaurant in München-Neuhausen, draußen in der Sonne, habe um 15.50 Uhr auf mein iPhone geschaut, um die Bundesliga-Zwischenstände abzurufen und nahm nicht ohne eine gewisse Genugtuung zur Kenntnis, dass der FC Bayern zurücklag (1:0 in Augsburg, am Ende stand es dann 1:4, sechste Meisterschaft in Folge). Während ich das las, kam die erste Meldung über ein News-Banner, dass es in Münster einen Anschlag gegeben habe, vor einem Restaurant, das ich gut kenne. Ich habe in den 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre in Münster gelebt. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /54
26.03.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Pressegrosso im Frankfurter Hauptbahnhof. Mein Zug hat Verspätung. Ich stromere lustlos herum. Plötzlich fällt mir ein junger Mann vor einem Regal auf, der sich immer wieder verstohlen umschaut. Bei näherem Hinsehen erkenne ich, dass er „politisch korrekte“ Magazine herauszieht und sie frontal vor den „bösen“ Mainstream-Magazinen wieder einordnet. So verdeckt das Greenpeace Magazin schnell die Wirtschaftswoche, die natur das Manager Magazin. Innerhalb weniger Minuten sind die Cover einer ganzen Wand zwangskorrigiert. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /53
12.03.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Mein vorletzter Montagsblock präsentierte ein Buch, der letzte gemalte Kunst, jetzt empfehle ich eine Gewissensprüfung.
Ignatius von Loyola, im 16. Jahrhundert Begründer des Jesuiten-Ordens, empfiehlt in seinen Exerzitien eine allgemeine Prüfung des Gewissens „um sich zu reinigen und besser zu beichten“. Gewissen, das ist so etwas wie der Abgleich zwischen dem Sollen und dem Tun oder die Prüfung, woher jener Willen kommt, dem ich mich unterwerfe – bezogen auf die Gedanken.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /52
26.02.18, von Hrsg. Peter Felixberger

In dieser Woche erscheint das neue Kursbuch mit dem Thema „301 Gramm Bildung“. Einer der Autoren wird der Philosoph, Biologe und Gehirnforscher Gerhard Roth sein. Ich habe ihn vor mehr als zehn Jahren kennengelernt und damals unter anderem für das Magazin „brand eins“ interviewt. Der Titel: „Schlaue denken wenig nach“. Darin ging es vorrangig um den Zusammenhang von Intelligenz, Motivation und Höchstleistung. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /51
12.02.18, von Hrsg. Armin Nassehi

In meinem letzten Montagsblock habe ich eine Relektüre eines meiner Lieblingsbücher angeboten. Heute wechsle ich das Medium. Es wird eine „Revisite“ sein (nennt man das so?). Es gibt ein Bild von Gerhard Richter, das mich schon immer fasziniert hat – Zwei Fiat aus dem Jahr 1965 nämlich, hier zu sehen. Es ist eines von Richters Foto-Bildern, Öl auf Leinwand mit der Anmutung einer Fotografie, die selbst mit dem Fotografischen spielt, also nicht die Illusion der naturalistischen Abbildung nährt, sondern das Medium der Fotografie selbst sichtbar macht. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /50
29.01.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Letzten Freitag war ich eingeladen, über die Zukunft von Buchverlagen zu sprechen. „future!publish“ hieß die zweitägige Konferenz in Berlin. Die anderen Speaker sprachen vor allem über Big Data und Künstliche Intelligenz. In der Regel so, dass sie mehr oder weniger zukunftsergeben von künftigen Wunderwelten erzählten. Es war die Lobpreisung des kollektiven Datenauspressens jedes Einzelnen. Mit lustiger Empirie – beispielsweise: Wer heute ein Fitnessbuch bestellt, kauft morgen eines über gesunde Ernährung. Oder: Frauen kaufen mehr Bücher als Männer. Schön zu wissen! Da braucht es dann nur noch Hampelmann-Lektoren in Verlagen, die brav exekutieren, was Big Data von oben befehligt. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /49
15.01.18, von Hrsg. Armin Nassehi

Eines meiner absoluten Lieblingsbücher seit Studienzeiten ist Helmut Plessners „Kritik des sozialen Radikalismus“, so der Untertitel des Werkes „Die Grenzen der Gemeinschaft“ (Frankfurt/Main 2002). Zuerst ist der Text 1924 erschienen. Wenn man (wie der Autor dieses Block-Beitrages) älter wird, häufen sich Gelegenheiten und Anlässe zur Relektüre und damit Déja-vú-Erlebnisse, die sich bei solchen Relektüren einstellen. Würde es mir nicht widerstreben und wollte ich deshalb uns Deutschen ein einziges Buch als unbedingte Pflichtlektüre anempfehlen, es wäre dieses kaum 150 Seiten starke Büchlein. Aber eine solche Verpflichtung zur unbedingten Lektüre wäre bereits das, wogegen Plessner sich wendet. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /48
01.01.18, von Hrsg. Peter Felixberger

Alles wieder auf 0 – und los geht’s. Eine wilde Achterbahnfahrt steht uns 2018 bevor. Der 1. Januar ist der einzige Tag im Jahr, an dem Prognosen erlaubt sind. Deshalb haben wir uns das kommende Jahr einmal näher angesehen: Ereignisse, Sensationen, Augenblicke und Haltepunkte. Hier in ungeordneter Reihenfolge, aber umso einschneidender. Donald Trump stürzt von der großen Mauer an der mexikanischen Grenze. Beim Einweihungstermin klettert der US-Präsident auf einer Leiter hoch, stellt sich breitbeinig hin, breitet die Arme in Richtung Mexiko aus und beginnt mit den Worten: „Ihr seid Mexikaner, wir nicht.“ Ein Wüstenbussard, der gerade des Weges fliegt, will sich das Rotgesicht unter blondem Haarfell näher anschauen. Trump sieht ein dunkles Objekt im Sturzflug und möchte schnell den roten Knopf drücken. Leider aber ist der Spielekoffer im Lincoln. Die Welt atmet auf. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /47
18.12.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Dieses 50. Wochenende des Jahres war bemerkenswert und von Wagnerianischer Dramatik. Es wurden zwei politische Opern gegeben. In Nürnberg hat die CSU ihren Parteitag abgehalten und eine merkwürdige Versöhnungsinszenierung aufgeführt. Die Oper heißt: „Die Kleistersinger von Nürnberg“. Und Sigmar Gabriel, geschäftsführender Außenminister, lässt sich im SPIEGEL mit einem Grundsatztext vernehmen. Diese Oper heißt: „Sigmar“. Was verbindet die beiden Ereignisse? Die CSU-Inszenierung ist ähnlich wie Wagners Vorlage voller Intrigen und Ränke, aber es wird nicht einmal der Versuch gemacht, so etwas wie ein wenigstens ansatzweise zufriedenstellendes Wettspiel zu inszenieren. Anders als die „Meistersinger“ biedern sich die „Kleistersinger“ eher feige jener Stimmung an, die sie vorgeblich bekämpfen wollen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /46
04.12.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Nicht wenige sagen, wir würden in Zeiten der ewigen Wiederholung des laufenden Schwachsinns leben. Klingt vorlaut, meint aber nur, dass jeder Mensch fortgesetzt all das behaupten darf, was andere argumentativ bisher wenig bis nie durchdrungen haben. Ein beredtes Beispiel ist die Steuer als staatliche Okkupationslogik. Das Argument von Trump bis Lindner: Alles, was ökonomisch passiert, wird willkürlich heftig mit einer Prämie belegt. Der Staat nimmt sich zu viel von dem, was Bürger und Unternehmer erwirtschaften. In der drastischen Steigerungsformel: Der Staat plündert und beraubt seine Untertanen. In diesem semantischen Dunstkreis entstanden nicht nur steuerberatende Berufe, bei denen Honorare bis heute mit effizienter und bisweilen fantasievoller Steuerminimierung verknüpft werden. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /45
20.11.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor zwei Wochen hat das German Historical Institute Washington, D.C., eine Dependance an der UC Berkeley eröffnet. Mir wurde die Ehre zuteil, den Festvortrag zur Eröffnung in der Magnes Collection of Jewish Art and Life zu halten. Das Thema der GHI-Dependance in Kalifornien sollte auf Migration and Knowledge liegen, also auf dem Verhältnis von Migrationsprozessen und den divergierenden Wissensformen, die über Migration, zwischen migrantischen Gruppen untereinander, aber auch zwischen Einwanderern und der Aufnahmegesellschaft herrschen. Für uns Deutsche ist das Thema insofern interessant, als wir in den USA etwas studieren wollen, was uns noch bevorsteht: nämlich explizit anzuerkennen, ein Einwanderungsland zu sein. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /44
06.11.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Rechts ist, wo der Daumen links ist. 100 Jahre Kommunismus, 150 Jahre Das Kapital von Karl Marx und nächstes Jahr feiern Karl, der Meisterdenker, und die 68er Geburtstag! Derzeit werden im ganzen Land zaghaft die alten Heldenlieder angestimmt. Eigentlich gute Zeiten für linke Politik? Die sozialistischen Utopien als Nährboden für ganz andere Gesellschaftsarchitekturen? In einer agilen, digitalisierten Welt plötzlich der diskursgreifende Gegenentwurf kommunistischer Glücksversprechen? Doch von alledem ist leider nichts zu spüren. Wer sich in Europa umsieht, findet eine völlig andere Erzählung vor. Der gesellschaftliche Diskurs wird von Rechts dominiert. Ex-Neonazis ziehen ins Parlament ein. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /43
23.10.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor einer Woche hat das Wintersemester begonnen. Ich halte da immer eine Vorlesung mit dem Titel „Einführung in die Soziologie“ – im Audi Max im Hauptgebäude der LMU, von 10 bis 12 Uhr. Ich habe mit einigem Schrecken festgestellt, dass ich diese Vorlesung nun im 20. Jahr halte – die erste fand im Wintersemester 1997/98 an gleicher Stelle statt, und ich habe die Vorlesung aufgrund von Abwesenheit im Wintersemester nur zweimal in dieser Zeit nicht gehalten. Was ist daran interessant? Sicher nicht, dass ich darüber 20 Jahre älter geworden bin und die Studentinnen und Studenten nochmals um 20 Jahre jünger als ich sind, als sie es ohnehin schon immer waren. Das ist der normale Lauf der Dinge. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /42
09.10.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Was haben Donald Trump, Frauke Petry, die Bundestagswahl und der FC Bayern gemeinsam? Richtig, alle vier sind in Schicksalsfragen unberechenbar und nahezu unbegreiflich geworden. Trump aufgrund schwankender Intelligenz, Petry mit bizarrer Allmachtsfantasie, die Bundestagswahl mit spontan neuen Mehrheiten und der FC Bayern mit abrupter Über-Nacht-Verwandlung in eine Gurkentruppe. Man fragt sich, welcher Keim zu diesen plötzlichen Überraschungen führt. Verbreitet er sich zufällig und aus heiterem Himmel auf die Menschheit stürzend? Stehen dahinter vielleicht perfide diabolische Kräfte? Oder folgt alles einer unausweichlichen, unbekannten Ablauforganisation? (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /41
25.09.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Der Montagsblock erscheint montags in der Frühe – nomen est omen. Geschrieben wird er sonntags. Das fällt üblicherweise nicht auf, diesmal schon. Während dies geschrieben wird, sind die Wahllokale noch fast fünf Stunden geöffnet. Kommentatoren bemerken, dass diese Bundestagswahl eine der wichtigsten seit Bestehen der Bundesrepublik sei. Was auch immer das heißt – mit dem Einzug einer rechtsradikalen, zum Teil offen faschistoiden Partei wird sich in der nächsten Legislaturperiode vieles ändern. Es werden im Parlament Dinge sagbar sein, die es zuvor nicht waren. Und es wird zu schwierigen, womöglich tanzähnlichen Formen des Nähe-/Abstandsmanagements kommen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /40
11.09.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Angela Merkel und Martin Schulz werden nach einem Hurrikan als Schiffbrüchige an eine Insel angeschwemmt. Der Morgen danach: Beide sitzen am Strand, zerzaust vom Sturm in der Nacht, ein bisschen zerbeult, zerkratzt, gestaucht, aber mehr ist ihnen nicht passiert. Eine wunderschöne Insel, denken sie, während sie gemeinsam aufs Meer blicken. Noch wissen sie nicht, dass es auf der Insel zwar alle Ressourcen im Überfluss gibt, aber leider keine einheimische Bevölkerung, über die man regieren kann. Angela und Martin beginnen, die Insel zu erkunden. Die ersten Tage verstreichen wie Schmelzkäse in der Wüste. Nach einiger Zeit wird ihnen klar, dass sie nicht damit rechnen können, in den nächsten Jahren gerettet zu werden. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /39
21.08.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Es ist Sommer, und ich hatte das Vergnügen, zehn Tage mit einem Chor nach Italien in ein ehemaliges Kloster in die Nähe von Lucca zu fahren, um an einigen Stücken zu arbeiten, die im Herbst zur Aufführung kommen werden. Es waren sehr angenehme Leute dabei – manche davon kannte ich vorher, manche nicht. Wir haben nicht nur Musik gemacht, sondern auch, was man sonst so macht: gegessen, gelacht, geschlafen, Ausflüge in die Gegend, Wein getrunken. Vor allem aber: Es wurde kommuniziert. Über alles Mögliche. Über wirklich alles Mögliche. Beim Kochen, beim Ausfliegen – einfach so oder über Themen, die sich ergeben haben. Über uns selbst, über andere. Über Dinge, die wir aus den Medien kennen. Es war also, wie es so ist. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /38
07.08.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Vor einigen Jahren musste der brasilianische Fußballstar Neymar am Münchner Flughafen zwischenlanden. Da er mehrere Stunden zu überbrücken hatte, gleichzeitig aber Hunger und Durst verspürte, fragte er einen Taxifahrer, wo man hier in der Nähe gut essen könnte. Der Taximann fuhr Neymar samt Gefolge in eine Pizzeria, in die er als Anhänger einfacher italienischer Hausmannskost selbst gerne ging. Der Fußballer und seine Entourage verdrückten Pizza, tranken Cola, gaben Autogramme und fuhren irgendwann zum Flughafen zurück, um ihre Reise fortzusetzen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /37
24.07.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Gibt es so etwas wie eine strukturelle, vielleicht sogar habituelle, womöglich, horribile dictu, unvermeidliche Dummheit der Sieger? Gibt es eine Dummheit im Lorbeerkranz? Es sieht fast so aus. Denkt man an die Meldungen dieser Tage, dass die Spitzen der deutschen Automobilindustrie sich womöglich in einem Kartell über gemeinsame illegale Praktiken abgesprochen haben, könnte man das durchaus als eine der Dummheiten ansehen, die es vielleicht nur bei Siegern gibt, oder bei Siegern, denen langsam schwant, dass es sich ausgesiegt hat. In einem Tweet hat Tom Strohschneider, der Chefredakteur des Neuen Deutschland (ausgerechnet!) dieses Gehabe ebenso süffisant wie zutreffend als „Geheimplanwirtschaft“ beschrieben.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /36
10.07.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Der G20-Gipfel in Hamburg war das harte Aufeinanderprallen zweier Narrative über die Globalisierung. Auf der einen Seite der schwarze Block als extreme Söldnervariante gegen den ungezügelten Globalkapitalismus. Auf der anderen Seite Angela Merkel und ihre überwiegend konformen Staatenlenker als extrem bewachte Hüter desselben. So beschwor man in den Messehallen den global freien Austausch von Waren, während hinter brennenden Barrikaden der zerstörerische Kapitalismus bekämpft und abgefackelt werden sollte. Beide Seiten hielten auf bizarre Weise Hof. Im Exzess entluden sich in der Schanze dann unverzeihlich Wut und Verbohrtheit. Gleichzeitig wurde in der Elbphilharmonie eine groteske Form umfassender Sedierung der Weltöffentlichkeit betrieben. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /35
26.06.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Peter Felixberger hat im letzten Montagsblock, in Nummer 34, ziemlich eindrucksvoll von seinem persönlichen 1968 berichtet. Und er hat angekündigt, dass auch das Kursbuch nächstes Jahr unter anderem eine Ausgabe zu 1968 beisteuern wird. „Bloß keine Heldenverehrung“ – ja, das haben wir uns geschworen, zugleich auch: keine Abrechnung, vielmehr den Versuch wagen, an manchen Idealen von damals anzusetzen: „der unbändige Wille zur Freiheit, sein Leben ohne Zwänge und frei führen zu dürfen“, so hat Peter Felixberger es als eine liberale Idee formuliert, die sich damals gegen eine Enge gerichtet hat, deren lebensweltliche Form wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /34
12.06.17, von Hrsg. Peter Felixberger

1968 war ich acht Jahre alt. Besser gesagt: Ich wurde es erst in fünf Tagen, nachdem russische Panzer in der damaligen Tschechoslowakei aufgefahren waren, um den Prager Frühling abzuwürgen. Genau am 21. August 1968. Fast 50 Jahre sind seither vergangen. Schüchterne Rückblicke im Kopf: ein dunkelblauer Fiat 128, drei Kinder samt Mutter auf der Rückbank, starrer Blick in einen verregneten Augustmorgen, Panzer in der tschechischen Provinz. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /33
29.05.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Ein Händedruck ist eine einfache Sache. Stark ritualisiert, funktioniert fast automatisch. Man kann es ausprobieren. Selbst wenn man auf einen wildfremden Menschen zugeht und ihm die Hand ausstreckt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich einem dessen Hand wie von selbst entgegenstreckt, bevor derjenige, der an der Hand hängt, das womöglich weiß. Für uns Soziologen ist das eine schöne Situation, an der man erklären kann, wie Kommunikation und Handlung unter Anwesenden funktioniert. Zum einen nennen wir das „doppelte Kontingenz“ – beide machen ihr Verhalten vom Verhalten des anderen abhängig, (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /32
15.05.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Lieber Martin Schulz, wir werden Sie auch nach diesem NRW-Wahlsonntag nicht so einfach aufgeben. Obwohl wir uns schon fragen, warum und vor allem wie Sie das Thema Steuergerechtigkeit in den Mittelpunkt des aufziehenden Bundestagswahlkampfes stellen. Auf den Schulz gebracht: Es sei nicht gerecht, so der Mann aus Würselen, dass ein Bäcker seine Steuern zahlen müsse, aber ein globaler Kaffeekonzern sein Geld in Steueroasen parke. Es gehe um den Respekt vor der Lebensleistung von Menschen.
Was heißt das genau? (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /31
01.05.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Am 1. Mai etwas über Arbeit? Muss wohl!
Hinter all den Kulturkämpfen und Verunsicherungen der gegenwärtigen Zeit stehen auch Ahnungen darüber, wie sich der Zusammenhang von Arbeit und Einkommen, die Frage nach verfügbarer Arbeit und nicht zuletzt die Frage des Beitrages der Arbeitenden an der Wertschöpfung und der Mehrwertproduktion verändert.
Am 1. Mai etwas über entfremdete Arbeit? Muss wohl auch! (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /30
17.04.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Dankenswerterweise hat sich mal wieder Gunter Dueck zu Wort gemeldet. Früher, in den Anfangszeiten des Internets, hat er spektakuläre Bücher über das Bizarre in der Netzökonomie geschrieben (wie zum Beispiel Supramanie – glänzend, seiner Zeit weit voraus). Seine ersten Werke haben auf Anhieb aber nicht viele verstanden, so dass er im Laufe der Zeit beschloss, banalere Bücher zu schreiben, die jeder schnell kapiert. Die Leser liefen ihm fortan in Scharen zu. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /29
27.03.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Donald Trump ist mit seinem Versuch der Abschaffung von „Obamacare“ schon an der ersten parlamentarischen Hürde gescheitert – die Freude ist groß und der Spott unterhaltsam, die Demokraten feixen auf Twitter, und Trumps Kritiker sehen darin die Inkompetenz des GrePev (Greatest President ever) bestätigt. Im letzten Kursbuch Lauter Lügen habe ich in meinem Beitrag „Po:Pu:Lis:Mus“ am Ende einen kontraintuitiven Gedanken vorgetragen.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /28
13.03.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Es gibt derzeit eine vertrackte öffentliche Erzählung: Ein Möchtegern-Despot eines südlichen europäischen NATO-Landes bezichtigt nördliche Partnerländer der Nazimethoden, weil er und seine Abgesandten dort keine PR-Veranstaltungen für eine Verfassungsreform abhalten dürfen, mit der er ein noch größerer Despot werden will. Da hält es Inner-Circle-Europa nicht mehr auf den Stühlen. Rote Karte. Halt! Keinen Schritt weiter! Bei diesem kalkulierten Rückfall in nationalstaatliche Erregungsnarrative geht es in erster Linie auch um billige Wahlpropaganda. Die Niederländer wollen Wilders verhindern und ergötzen sich als abendländische Siegelbewahrer. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /27
27.02.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Heut mal etwas allzu abstrakt und etwas ganz anderes: Was macht eigentlich eine Theorie plausibel? Warum erscheint uns eine bestimmte Theorie zutreffender als eine andere? Warum finden wir bestimmte Denkungsarten gut, andere nicht? Ich rede jetzt als Wissenschaftler: Der Königsweg ist der, dass Theorien das Ergebnis von empirischer Forschung sind, man also die Güte einer Theorie daran erkennen kann, ob sie zutrifft oder nicht. Forschung soll ja genau das leisten: zu entscheiden, ob eine Hypothese zutrifft oder nicht. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /26
13.02.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Nach Trump und Brexit, inmitten neuer Exits, kurz vor Frexit und AfD-Wahlkrampf, stehen weitere semantische Auseinandersetzungen vor der Tür. Schon in Kürze wird ein Mediengetöse mit Polarisierungen, Demütigungen und gegenseitiger Verachtung losgehen. Zwei Welten, ohne Aussicht auf Versöhnung? Zwei kurze Blicke in die europaweiten „Anleitungen zum Unglücklichsein“ zeigen, wie wichtig jetzt transformative Politik wäre. Mit der Stärke einer Perspektivendifferenz, an der wir uns narrativ abarbeiten und argumentativ ausrichten können. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /25
30.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Seien wir ehrlich: Wir haben fast alle gedacht, dass sich Donald Trump, seit einer guten Woche neuer Präsident der Vereinigten Staaten, im Amt semantisch zügeln wird – nicht in dem Sinne, dass er nicht umzusetzen versuchen würde, womit er den Wahlkampf gewonnen hat. Aber dass er es so direkt umsetzt und zumindest das, was er per Dekret ohne Rücksprache bei anderen politischen Instanzen umsetzen oder wenigstens auf den Weg bringen kann, in so unmittelbarer Kontinuität zu den Wahlkampfsätzen umsetzt, erstaunt auch den kühnsten Beobachter. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /24
16.01.17, von Hrsg. Peter Felixberger

Warum gibt es eigentlich keine sozialen Utopien mehr? Wer verknüpft sein eigenes Dasein noch mit einem utopischen Gesellschaftsideal? Warum herrscht im ganzen Land eine seltsame Uneigentlichkeit im Denken und Tun? Und warum revoltiert niemand dagegen? Wenden wir uns dem Menschen in der Revolte zu. Und blättern zunächst etwas in der Geschichte herum. Ein französischer Schriftsteller meinte in den 1950ern: »Was ist ein Mensch in der Revolte? Ein Mensch, der nein sagt.« Richtig, und mit dem Nein formuliert er die Grenze des Bis-hierher-und-nicht-weiter. Hinter der Grenze wartet als Alternative das Da-haben-wir-ein-Recht-darauf-Land. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /23
02.01.17, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – mit diesen Worten habe ich bereits den Montagsblock /17 am 10. Oktober 2016 begonnen, in dem ich von meiner Reise in die Vereinigten Staaten berichtet habe, wo ich im vergangenen September im Rahmen der vom Kursbuch in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut organisierten „Kritikmaschine“ in Boston und Los Angeles Vorträge gehalten habe. Schon damals habe ich eine weitere Reise angekündigt, nämlich nach Russland. Diese hat inzwischen stattgefunden, nämlich Ende November nach Moskau und St. Petersburg.   (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /22
19.12.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Armin Nassehi hat vor einer Woche mit messerscharfer Logik versucht, meine kleine 6-Kamele-Kompetenztheorie auseinanderzunehmen. Sein Haupteinwand in Kürze: Ich würde mich einer gewissen Romantik hingeben, wenn ich in einer Demokratie von weisen Entscheidungen ausgehen würde. Der Weise sei ein Auslaufmodell, gestrandet auf dem Scheiterhaufen beliebiger Rationalitäten und Erkenntnisse. Unmöglich sei der Weisheit letzter Schluss, retourniert er deshalb, denn es ginge immer um Macht- und Hegemonieinteressen, die das Politische dominieren.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /21
05.12.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Peter Felixberger hat vor zwei Wochen an dieser Stelle eine hübsche Geschichte erzählt, deren Quintessenz ist, dass ein „weiser Richter“ eine Lösung für eine Erbstreitigkeit anbietet, die alle Beteiligen zufriedenstellt. Die Geschichte ist schon deshalb schön, weil sie unsere Sehnsucht nach Lösungen aus einem Guss befriedigt. Peter Felixberger singt hier das Hohelied des kompetenten Experten, der eine Lösung für alle haben und damit ein „Wunschergebnis für alle“ erreichen kann. Wäre die Geschichte hier zu Ende, bliebe sie eine schöne Geschichte. Aber sie fängt hier erst an.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /20
21.11.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ein Beduine möchte auf dem Sterbebett elf Kamele an seine drei Söhne vererben. An den ersten Sohn die Hälfte, an den zweiten ein Viertel und an den dritten ein Sechstel der Kamele. Rein praktisch eine unmögliche Verteilungsaufgabe (5,5+2,75+1,83). Ein weiser Richter schlägt deshalb vor, dass er den Söhnen noch ein Kamel aus seinem Bestand überlässt. Jetzt erhält jeder seinen gerechten Anteil (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /19
07.11.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Wie entstehen eigentlich Kursbücher? Peter Felixberger und ich sind im Gespräch mit unserem Verleger Sven Murmann vor nunmehr zweimal 19 Wochen (das ist der 19. der zweiwöchig erscheinenden Montagsblocks) gemeinsam auf die Idee gekommen, man müsste etwas aus der Werkstatt des Kursbuchs erzählen. Das haben wir bisweilen auch gemacht, aber auch über anderes berichtet. Gerade ist wieder ein Kursbuch in den Druck gegangen, die Nr. 188 mit dem Titel Kalter Frieden. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /18
24.10.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Buchmesse 2016. Wir sind natürlich auch nach Frankfurt gefahren, haben unter anderem das Kursbuch und unsere neue Edition aus- und vorgestellt. Rund um unseren Stand tobte der Bär. Von gegenüber starrten uns FC-Bayern-Kalender an, von rechts streiften uns esoterische Achtsamkeitswellen und etwas weiter links am FAZ-Stand blaffte ein Wirtschaftsjournalist, dass Deutschland die digitale Transformation verschlafe. Wir waren umzingelt. Überall gurgelte der Mainstream seinen Aufmerksamkeitssirup und spuckte ihn auf die Gänge vor die Füße der Besucher. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /17
10.10.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch geht auf Reisen – in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut besuchen Kursbuch-Autorinnen und -Autoren Goethe-Institute in verschiedenen Ländern und halten dort unter dem Titel „Kritikmaschine“ Veranstaltungen ab, stets mit interessanten Gesprächspartnern und interessiertem Publikum. Ich selbst habe in der letzten Woche neben der Brandeis University bei Boston zwei Goethe-Institute in den USA besucht, nämlich in Boston und Los Angeles. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /16
26.09.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Ich mag die Berlin-Mitte der Welt, weil dort eine unserer Töchter mit Mann und Enkelkind lebt und arbeitet. Ich mag Berlin-Mitte aber irgendwie auch nicht, weil dort so viele Selbstüberhöher, Aufspieler, Wichtigtuer und Kulturprotzer herumwuseln. Ihr Gschau mimt immer dasselbe: besser, wichtig, krass cool. Dabei stellen diese Bedeutungsimperialisten ihren Selbstverwirklichungspopanz oft so drastisch zur Schau, dass man von außen kommend sofort von Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsattacken gepeinigt wird. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /15
12.09.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Im Montagsblock /3 haben wir es schon angedeutet: Sieht man sich öffentliche Debatten an, erkennt man einerseits ein schnell getaktetes Gewimmel von Verlautbarungen, Meinungen, Kommunikationspartikeln und Stimmen. Es sieht aus, als habe alles einen hohen Überraschungswert – und die Mediensoziologie bestätigt, dass die Währung der öffentlichen Medien das Neue sei, das Überraschende, das Unbekannte, der besondere Informationswert.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /14
29.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Seien wir ehrlich. Die Intellektuellen werden weniger. Wer braucht schon noch schlaue Köpfe zum Nachdenken? Geht viel einfacher. Selber was aufschnappen, malmen und ausspucken. Mal hier etwas, mal dort. Gefragt sind geistige Schnellwiederkäuer und wiederkäuende Schnellgeister. Das scheint Mut zu machen. In manchen bürgerlichen Kreisen wird mittlerweile wieder einem unverblümten Anti-Intellektualismus gefrönt.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /13
15.08.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, richtig schlau möchte man derzeit nicht sein. In meinem letzten Montagsblock, es war die Nummer 11, habe ich behauptet, Gott wolle man im Moment nicht sein, weil Leute wie Erdogan oder Gauland es geradezu für ein Gottesgeschenk halten, wenn die Dinge nicht gut laufen. Das ermögliche es ihnen, ihr unerfreuliches Geschäft mit noch mehr Verve zu betreiben. Heute möchte ich behaupten, nicht wirklich schlau sein zu wollen. Jedenfalls legt dies eine Studie nahe, (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /12
01.08.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Weniger arbeiten! Eine kleine Entgleisung zu Beginn der Sommerferien    Ein chinesisches Sprichwort sagt, dass ein Fisch niemals weiß, wann er pinkelt. Das wiederum ist eins zu eins auf Intellektuelle übertragbar. Der Intellektuelle ist davon überzeugt, intelligent zu sein, weil er sich seines Kopfes bedient. Der Maurer bedient sich seiner Hände, aber auch er hat einen Kopf, der ihm sagen kann: „Hey, diese Mauer ist nicht gerade, und außerdem hast du vergessen, Mörtel zwischen die Steine zu geben.“ Nun geht es hin und her zwischen Arbeit und Verstand. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /11
18.07.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Also, Gott möchte man derzeit nicht sein. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Putsch in der Türkei als Gottesgeschenk bezeichnet, das ihn in die Lage versetzt, die Armee und nun wohl auch die Justiz zu „säubern“. Der Träger des Al-Gaddafi-Menschenrechtspreises spricht nur besonders deutlich aus, was derzeit öfter zu hören ist. Alexander Gauland, der den besagten Menschenrechtspreis zwar auch verdient hat, ihn aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr bekommen wird, hat die Flüchtlingskrise als „Geschenk“ bezeichnet. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /10
04.07.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Alle reden vom Team und vom Teamgeist. Oben steht, wer zusammenhält. Dort sind wir irgendwie alle gleich. Die Isländer träumen mit ihren Fußballern. Berliner Start-ups kuscheln mit ihren Mitarbeitern. Politbosse umarmen die Bedürfnisse ihrer Wählerschaft. Ein großes „Mia san mir“ ist ausgebrochen. Irgendwo dazugehören, zu den Richtigen, zu den Wirklichen, zu den Wissenden, so lautet die Devise der neuen Communitybuilder. Facebook & Co. stehen als digitaler Werkzeugkasten bereit. Vive la What’s App! Vive la Mannschaft! (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /9
20.06.16, von Hrsg. Armin Nassehi

„Welt verändern“ ist das Thema von Kursbuch 187. Meine erste Assoziation zum Thema war, wenig überraschend, der berühmte Satz aus der 11. Feuerbachthese: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt darauf an, sie zu verändern.“ Dieser vielleicht berühmteste Satz von Karl Marx scheint wenig Probleme zu bereiten, arbeitet er doch mit einer deutlichen und klaren Unterscheidung: interpretieren/verändern – das impliziert so etwas wie die Differenz von Schreibtisch/wirkliche Welt oder Reden/Handeln. Diese These ist so suggestiv und einsichtig, dass sie sogar als ausstellbare Corporate Identity einer Universität taugt – siehe die Inschrift im Hauptfoyer der Berliner Humboldt-Universität, Unter den Linden 6. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /8
06.06.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Blick zurück in meine Kindheit: Als Cassius Clay hat er angefangen. Und um drei Uhr morgens sind wir mit den Eltern aufgestanden und haben seine Boxkämpfe im Fernsehen angeschaut. In der Dunkelheit der Nacht gingen rundherum die Wohnzimmerlichter an. Wir waren nie allein. Muhammad Ali zog die ganze Welt in seinen Bann. Ohne Facebook, Twitter und Google stand man auf der Matte, wenn das Großmaul in den Ring stieg. Jetzt ist er tot. Viele werden sich am Wochenende an ihn erinnert haben.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /7
23.05.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Das Kursbuch 186 – Rechts. Ausgrabungen ist im Druck. Und schon beginnt die Vorbereitung des nächsten Kursbuchs. Nummer 187. Es wird Welt verändern heißen. Bei der Vorbereitung stellt sich zunächst die Frage, was man unter diesem Titel eigentlich verhandeln kann. Wird die Welt verändert? Oder verändert sich die Welt selbst? Ist das Erste vielleicht unmöglich, weil das Zweite gilt? Oder ist es umgekehrt? Ändert sie sich selbst, ohne dass sie sich um unsere Veränderungsbemühungen schert? Oder ist es schon zu groß gedacht, gleich an die Welt zu denken, geht es bei Veränderungen doch meist um eher kleinere Dinge – um Lebensstile oder Routinen, um Überzeugungen oder kleinere Praktiken?   (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /6
09.05.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Was ist eigentlich Respekt? Diese Frage heute zu stellen, scheint bemerkenswert aus der Zeit gefallen zu sein. In einer digitalen Zeit, in der Respekt oft an den Gestaden gegenseitiger Abwertungsrhetorik zerschellt (etwa in zahlreichen infantilen Bewertungsportalen oder YouTube-Channels). Jeder darf offenbar jeden an den Pranger stellen. Arzt, Rechtsanwalt, Buchautor. Stigmatisierung und Denunzierung finden oft im Vorbeigehen statt. Ausgrenzung als Pop. Kein Zweifel: Respekt ist offenbar ein knappes Gut geworden,  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /5
25.04.16, von Hrsg. Armin Nassehi

In den letzten Montagsblocks haben wir, Peter Felixberger und ich, uns stark auf die Frage des Fremden, auf die Folgen des Flüchtlingsdiskurses und auf rechte politische Denkungsarten kapriziert. Dabei wurde deutlich – und all das ist in den letzten Kursbüchern nachzulesen, im nächsten übrigens auch, wie groß der Wunsch danach ist, alles als aus einem Guss bestehend beschreiben zu können.  (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /4
11.04.16, von Hrsg. Peter Felixberger

Die Furien des Nationalismus. Das nächste Kursbuch 186 wird den Titel „Rechts. Ausgrabungen“ tragen. Es erscheint im Juni und wird sich vor allem mit dem Freilegen tiefer Sedimentschichten rechter Ideologien beschäftigen. Zwei dieser Leitbegriffe sind Nation und Nationalismus, die gerade wieder fröhliche Urständ feiern. In den hässlichen Pegida-Demos ebenso wie im anschwellenden Bocksgesang der AfD (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /3
28.03.16, von Hrsg. Armin Nassehi

Vor einer knappen Woche wurde die belgische Hauptstadt von zwei Anschlägen erschüttert – die Erinnerungen an die Ereignisse im November in Paris, aber auch an die in Madrid und London, wurden mit einem Mal aufgefrischt. Es herrschte wieder ein Ausnahmezustand. Erschütterung, Angst, Unsicherheit, Wut, Trauer, Mitgefühl waren die verbreitetsten Vokabeln. News waren „Breaking News“ (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /2
14.03.16, von Hrsg. Peter Felixberger

In Zeiten rechtsradikaler Dorfdeppen und tumber Volksfeudalisten braucht es differenzierte Stimmen, die sich abseits medialer Blockbuster und Weltpolitikpfade zu Wort melden. Das Kursbuch versteht sich als eine dieser Stimmen, die auf mehr als 600 Wörter im nationalen Wortschatz zurückgreifen. (…)

Zum MONTAGSBLOCK


MONTAGSBLOCK /1
29.02.16, von Hrsg. Armin Nassehi
Die Bewohner des Sirius seien uns nicht eigentlich fremd, weil wir zu ihnen keine soziale Beziehung haben können, während die Fremden zu uns gehören. Sie können nur fremd sein, weil sie da sind. Sie sind also stets vertraute Fremde, und wenn das Vertraute nur darin besteht, die Fremden irgendwie fremd zu finden. (…)

Zum MONTAGSBLOCK

Weiterempfehlen mit:
Passwort vergessen?
Sie haben Ihr Passwort vergessen? Tragen Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre Email-Adresse ein. Sie bekommen dann einen Link, um ein neues Passwort anzulegen.
We do not share your personal details with anyone.