Wir haben bisher 340 Montagsblocks geschrieben – es war immer Text. Der 341. Montagsblock ist ein tönender Montagsblock. Er besteht aus einer Filmaufnahme der ARD eines Open-Air-Konzertes der Münchner Philharmoniker von Beethovens Violinkonzert (D-Dur, op. 61) mit der georgischen Solistin Lisa Batiashvili. Geleitet wurde das Konzert von dem israelischen Dirigenten Lahav Shani, der ab 2026 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker sein wird.
Das Konzert fand am Münchner Odeonsplatz statt. Das markanteste Bauwerk auf diesem Platz neben der Münchner Residenz in der Innenstadt der bayerischen Landehauptstadt ist die Feldherrnhalle. Sie wurde 1841-1844 nach florentinischem Vorbild von Friedrich von Gärtner gestaltet. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Feldherrnhalle, weil dort der Hitler-Putsch 1923 von der bayerischen Polizei mit Gewalt gestoppt werden konnte. Für die Nazis wurde die Feldherrnhalle danach zu einem Ritualort und zu einer Kultstätte für die eigenen „Märtyrer“ des Aufstandes.
Das Konzert fand direkt vor der (mit einem Baugerüst verhüllten) Feldherrnhalle statt, Orchester und Publikum saßen da, wo der Putsch niedergeschlagen wurde. Das Beethovensche Violinkonzert übrigens war zu Lebzeiten Beethovens nicht erfolgreich, zu virtuos war der Solopart. Erst 17 Jahre nach des Komponisten Tod wurde es wiederentdeckt und mit großem Erfolg wiederaufgeführt, und zwar unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy, dem die Musikwelt nicht nur dies, sondern auch die Wiederentdeckung von Johann Sebastian Bachs Musik verdankt. Richard Wagner hat in seinem Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“ (1850/69) dem getauften Juden Mendelssohn Bartholdy bescheinigt, dessen Musik sei Ausdruck jüdischer Nachkünstelei, die die künstlerischen Dimensionen einer wahren deutschen Kunst eines Johann Sebastian Bach oder eines Ludwig van Beethoven nicht erreichen könnten und symptomatisch seien für einen Niedergang der Kunst überhaupt.
Die Münchner Philharmoniker wurden in der letzten Woche vom belgischen „Flanders Festival Ghent“ ausgeladen, weil der Israeli Lahav Shani dort dirigiert hätte.
Das Konzert vor der Feldherrnhalle lässt sich hier sehen und hören:
Armin Nassehi, Montagsblock /341
15. September 2025