Grönland ist zu knapp 99 Prozent unbewohnbar, nur in den beiden Fjordsystemen an der Südwestküste gibt es grüne Abschnitte. Ein paar Wiesen hinter steilen Ufern. Von 984 bis ins 15. Jahrhundert bauten hier versprengte Norweger Kirchen, schmiedeten Werkzeuge aus Eisen, hielten einige Kühe und Schweine und gingen schließlich hoffnungslos zugrunde. Das Grönland der Wikinger war untergegangen! Erst viel später, im Jahr 1721 übernahmen die Dänen die politische Herrschaft. Bis heute.
Denn eine neue Gefahr dräut am Horizont. Donald der Orangene reklamiert das Land für sich. Als unwissender Nachfolger von Erik dem Roten, der das Weideland hinter den Fjorden als Erster im Jahre 978 entdeckte. Jener Erik, der als Teilzeitverbrecher und Totschläger über Island nach Grönland schiffte. „Dieses Land, das ich das grüne Land nenne, wird eines Tages uns gehören. Dort wird es uns an nichts fehlen. Ich weiß, wie man dorthin kommt. Also, wer von euch will mich begleiten?“, hieß es damals in einer Anwerbemaßnahme.
Es folgten ihm etwa 5000 Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Viehhaltung und der Jagd auf wilde Tiere bestritten. Erik der Rote hatte fast an alles gedacht und selbst Enten und Gänse aus Island mitgebracht. Den Wikingern ging es im neuen Land anfänglich gut. Die Heuproduktion im Sommer reichte aus für den Winter, das Klima war gemäßigt, die Seewege nach Europa waren eisfrei. Und das Walross-Elfenbein war sowieso der Exportschlager auf den europäischen Kontinent.
Wir wissen heute, dass zwischen 800 und 1300 in Grönland ein relativ mildes Klima herrschte, das sogar wärmer als heutzutage war. Die sogenannte mittelalterliche Wärmeperiode. Erik der Rote und seine Wikinger hätten jedoch mehr daraus machen können. Aber in ihm und seinen Anhängern schlummerte bereits das erst jüngst entdeckte Donald-Gen (mit der aktuell verrückten Deformation der Abholzung der Regenwälder Alaskas oder des Rohstoffüberfalls auf Grönland).
Das Paradies lockte. Die Wikinger begannen schnell, Wälder abzubrennen, um mehr Weideland zu gewinnen. Gleichzeitig fällten sie zahlreiche Bäume, um mehr Brennholz zu erzeugen. Den Rest zertrampelte das Vieh. Brandrodung zerstörte Böden und Landschaft. Weiden und Eschen verschwanden, Bodenerosion tat ihr übriges und spülte Erdkrume und Sand ins Meer. Parallel entwickelte sich ein großer Mangel an Eisen. Denn zugängliches Eisenerz war Mangelware auf Grönland. Selbst ihre Schiffe bauten die Wikinger mit Holzzapfen und es wurde durch die Barten (Hornplatten im Oberkiefer) von Walen zusammengehalten. Und die meisten Waffen wurden aus Walknochen hergestellt.
Das Ende vom Lied: zu wenig Bauholz, Brennstoffe und Eisen. Überdies war die Regenerationsquote von organischem Humus auf den Wiesen sehr gering, wodurch wenig Wasser gebunden werden konnte. Trockene Böden waren die Folge, die bei dem häufig starken Wind noch trockener wurden. Es kam, wie es kommen musste. Die Wikinger in Grönland zogen wieder ab. Ohne zu wissen, dass über tausend Jahre zuvor bereits von der kanadischen Arktis einige Ureinwohner (Dorset-Menschen) nach Grönland gezogen waren, dort (übrigens aus unbekannten Gründen) um 300 n.Chr. wieder abwanderten und 400 Jahre später zurückkehrten. Unwirtlich blieb es trotzdem.
Etwa 1300 setzt dann eine Abkühlung in der gesamten Nordatlantikregion ein. Die Folge: Wetterschwankungen bis ins 19. Jahrhundert. Um 1200 n.Chr. trat indes eine dritte Einwanderergruppe, die Inuit, auf den Plan. Sie waren von allen die besten Grönlandprofis und wussten das kalte Wetter etwa für die Jagd auf Ringelrobben zu nutzen. Als perfekte Jäger und Seefahrer folgten sie außerdem den Grönlandwalen, ihren bevorzugten Beutetieren. Sie bauten Iglus aus Schnee (anstatt Holzhäuser), für Heizung und Beleuchtung verwendeten sie Wal- und Robbentran (statt Brennholz) und stellten große Boote und Kajaks aus Fellen her (statt Holz), die für den Walfang in unbekannten Gewässern ausgelegt waren. Sie waren Meister des Harpunenfangs auf offener See. Und im Gegensatz zu den Dorset-Menschen und Wikingern blieben die Inuit sehr gut angepasst an die Lebensbedingungen, übrigens bis heute. Die Wikinger hingegen betrieben Raubbau an den ökologischen Ressourcen. Weshalb die grönländische Wikingergesellschaft – kein Wunder – wie ein Kartenhaus zusammenfiel.
Der US-Anthropologe Jared Diamond fasst zusammen: „Die Geschichte der Arktis einschließlich Grönlands ist eine Geschichte von Menschen, die kamen, Jahrhunderte lang große Gebiete besiedelten und dann einen Niedergang erlebten, verschwanden oder ihre Lebensweise ändern mussten.“ Das gilt bis heute. Womit wir wieder bei Donald dem Orangenen sind. Er erhofft sich, dass mit dem schmelzenden Eis der Zugang zu den Bodenschätzen in der Arktis erleichtert werden würde. Seltene Erden, Uran, Gold, Öl, Gas, Eisen, Kupfer, Lithium und Diamanten. Eine neue Invasion steht bevor. Donald der Orangene möchte die Schmach der Wikinger tilgen.
„Vom Inland hat man zwar eine Idee, wie die geologischen Schichten verteilt sind, aber wo genau Rohstoffvorkommen lagern, weiß keiner.“ Maximilian Korges, Lagerstättenforscher an der Universität Potsdam, Süddeutsche Zeitung vom 13.1.2026
Dabei hat sich bis heute eines nicht verändert. Die gewaltige Rohstoffförderung, die dem Orangenen vorschwebt, könnte vorwiegend nur in küstennahen Gebieten betrieben werden. Der Eisschild Grönlands bräuchte, so Geochemiker Volker Rachold, Leiter des Deutschen Arktisbüros am Alfred-Wegener-Institut, „etliche Jahrhunderte bis Jahrtausende, um komplett abzuschmelzen“. Das juckt den Orangenen allerdings nicht. Er will bald übersetzen, die schlummernden Rohstoffe ausbeuten und die Natur zwingen, ihm Untertan zu sein.
Wie einst Erik der Rote und seine Wikinger, die partout nicht einsehen wollten, dass der Untergang von Imperien fast immer mit Selbstüberschätzung, Selbstverherrlichung und Selbstgefälligkeit beginnt und in peinlicher Demütigung endet. Die historische, globale Schleifspur ist jahrtausendelang und unübersehbar. Wer kennt sie nicht? Die überwucherten Tempelruinen von Angkor Wat, die rätselhaften Moai-Statuen der Osterinsel oder die kurze Blütezeit der Wikinger in Grönland! Ein neues Kapitel in dieser Verfallsgeschichte steht jetzt bevor.
„Aus einer rein wirtschaftlichen Perspektive ergibt das momentan keinen Sinn. Da kann man kein Geld machen.“ Maximilian Korges, Lagerstättenforscher an der Universität Potsdam, Süddeutsche Zeitung vom 13.1.2026
Peter Felixberger, Montagsblock /358
19. Januar 2026