Kursbuch 194 – Editorial

Alternatives Editorial  In Alternativen zu denken ist alternativlos. Das hört sich wie eine wohlfeile Parole an, ist es aber nicht. Selbst wenn wir nicht in Alternativen denken, so ist schon die Festlegung auf etwas Bestimmtes von möglichen Alternativen geprägt. Wenn wir jemandem eine Handlung zuschreiben, also meinen, dass er oder sie gehandelt hat, dann besteht…

Kursbuch 193 – Editorial

Der Joker sticht immer. Er ist im Kartenspiel die Karte, die immer passt. Etymologisch stammt er vom iocus ab, dem Scherz, er ist der Jolly Joker, im Englischen auch lange der jester, also der Hofnarr. Zumindest im deutschsprachigen Bereich ist Bildung der Joker schlechthin – Bildung ist die Strategie, die immer passt: zur Stärkung des…

Kursbuch 192 – Editorial

Es ist dies das 145. Kursbuch seit dem Kursbuch 47 mit dem Titel „Frauen“, das 1977 erschienen ist. Ob die damaligen Autorinnen – es waren tatsächlich ausschließlich Autorinnen – damals gedacht haben, dass es nach 40 Jahren erneut ein Frauen-Kursbuch geben würde? Wir wissen es nicht, haben uns die Frage aber selbst gestellt. Ein Frauen-Kursbuch…

Kursbuch 191 – Editorial

Harry G. Frankfurt, Philosoph an der Princeton University, hat einen Essay mit dem Titel Bullshit veröffentlicht.[1] Er startet mit einer lapidaren Diagnose: Es gehöre zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur, dass es viel Bullshit gebe. Wir wüssten zwar nicht genau, was das ist, aber jeder kenne es. Frankfurts Analyse selbst changiert zwischen Bullshit, der einfach…

Kursbuch 190 – Kein Editorial

Urbanität als Anerkennungsmedium Hier steht üblicherweise das Editorial. Dies ist kein Editorial. Das Editorial hat etwas Zentralistisches, es ist eine Textsorte, die so tut, als kontrolliere sie den Rest des Kursbuchs – auch wenn alle Welt weiß, dass es erst geschrieben wird, wenn es nichts mehr zu kontrollieren gibt, also zum Schluss, damit es am…

Kursbuch 189 – Editorial

Geschätzte Lesezeit: 3,5 Min. Von Armin Nassehi    »Er lügt wie gedruckt« – das Urteil, das sich in diesem Sprichwort ausdrückt, ist erst auf den zweiten Blick plausibel. Mündlich zu lügen, müsste viel einfacher sein, weil der Sprechakt in dem Moment verschwindet, in dem er ausgesprochen wurde. Der mündliche Alltag ist ja geprägt davon, dass wir…

Kursbuch 188 – Editorial

Editorial von Armin Nassehi Frieden, verstanden als die Abwesenheit von Krieg, von geplanter oder roher Gewalt, von militärischen Auseinandersetzungen, von Tod und Zerstörung seinem Gegenteil vorzuziehen ist, ist trivial. Weniger trivial ist, von welchem Frieden die Rede ist. In der Kriegstheorie von Clausewitz war der Krieg letztlich das Mittel, der Frieden der Zweck, der sich…

Kursbuch 187 – Editorial

Editorial von Armin Nassehi Verändern ist ein transitives Verb, das heißt, es braucht ein Subjekt und ein Akkusativobjekt. Es muss also jemand verändern, und jemand muss etwas verändern. Ich verändere geht nicht. Ich verändere die Welt geht – oder besser: Es geht grammatikalisch, in echt geht’s eher nicht, weil die Welt schon deshalb nicht wirklich…

Kursbuch 186 – Editorial

Editorial von Armin Nassehi Warum wir ein Heft über »Rechts« machen, muss nun wirklich nicht weiter begründet werden. Es liegt auf der Hand. Deshalb einige Erläuterungen zur Ausgrabungsmethode: »Die Archäologie versucht, nicht die Gedanken, die Vorstellungen, die Bilder, die Themen, die Heimsuchungen zu definieren, die sich in den Diskursen verbergen oder manifestieren; sondern jene Diskurse…

Kursbuch 185 – Editorial

Editorial von Armin Nassehi Von Georg Simmel stammt der schöne Satz, die »Bewohner des Sirius« seien uns »nicht eigentlich fremd«. In diesem Satz aus einem der klassischen Texte über den Fremden drückt sich die ganze Paradoxie des Fremden und des Fremdseins aus. Fremd zu sein heißt nicht, wirklich fremd zu sein – wenigstens nicht in…