Zufrieden jauchzet Groß und Klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

Heimat Internet

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ruft anlässlich des heutigen „Safer Internet Day“ zur Verbesserung der Medienbildung an Schulen auf: Meinung und Fakten seien im Netz nicht immer auf den ersten Blick zu trennen, gerade InfluencerInnen könnten Meinungen von Heranwachsenden lenken, ohne dass diese auf die Idee kämen, die Ansichten ihrer Idole kritisch zu hinterfragen. Das Apriori dieser Botschaft: Das Internet als Gegenüber, als anderer Raum, als Ferne, die sich erst als das definiert, was sie ist, wenn sie einem „normalen“ Analogen gegenübersteht und erst dadurch einen Ort erschließt, in den sich begeben kann, wer Abwechslung, Ablenkung, einen anderen Alltag sucht. Was aber, wenn das Netz längst zum daseinsgestaltenden Element geworden ist, das für den Großteil der Jugendlichen bereits Heimat genannt werden dürfte. Profane Heimat, in der man auch nicht öfter als sonst und schon gar nicht jährlich über mehr Sicherheit spricht… Heimat, die alle haben und zu der alle ein Verhältnis aufbauen und verändern… Wirklich Heimat?

Genau darüber streiten in Kursbuch 198 die Journalisten Dirk von Gehlen und Adrian Lobe. Taugt das Internet wirklich als Heimat-Konzept? Trägt es das Potenzial in sich, die Begriffssoftware dieses alten, eingeengt-dörflichen Konstruktes umzuschreiben oder bewirkt nicht gerade seine grenzenlose Rastlosigkeit das Gefühl des modernen Heimatverlustes? Dirk von Gehlen schreibt in „Heimat hacken. Wie das Internet eine neue Begriffssoftware schreibt“ darüber, wie es wäre, wenn wir alle – nicht nur die Digital Natives – zulassen würden, dass das Internet als Netz der Netze die Definition der Heimat in unseren Köpfen umcodiert: Als Paradigma der basisdemokratischen Teilhabe stünde es für die Utopie einer Form, die keine Ausgrenzung kennt. Dagegen traut sich Adrian Lobe in „Neue Heimat Internet. Heimweh nach dem Netz“ die Gegenthese zu formulieren: Während Internetpioniere und Digital Natives das Word Wide Web als grenzenloses Konzept der Heimat feiern, begreift er die Vorstellung des Internets als Ort, das keine Fremden mehr kennt, gerade als die Ursache des Gefühls der Heimatlosigkeit, an dem heute – vor allem junge – Menschen leiden. Das „Überall-zu-Hause“ wird gleichsam zum „Nirgendwo-zu-Hause“.

Die Artikel von Dirk von Gehlen und Adrian Lobe finden Sie in Kursbuch 198: Heimatt.

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