Thorsten Baensch: Araucaria araucana

Es sind die schrägen Themen. Alles, mit dem man erstmal nichts anfangen kann. Oder sich fragt, was das denn jetzt soll. Reibung entsteht. Das ist der Punkt, an dem Thorsten Baenschs Neugier entflammt. »Gerade bei solchen Themen lohnt ein genauerer Blick. Da muss man reingehen und darf sich nicht mit der ersten Sache zufriedengeben, die man liest.«

Kein Wunder also, dass die Araukarie – der Baum, dessen Fotografien Eingang in die Kunststrecke in Kursbuch 197 gefunden haben – den Künstler und Verleger fasziniert. Aber nicht so sehr der Baum an sich, in seinem Pflanzendasein. Was der 54-Jährige erzählen will, seien die Geschichten, die dahinterstecken. So auch in diesem Fall, weshalb sich Baensch gemeinsam mit seinem Partner Norbert Schöbel auf die Spuren der Araukarie begeben hat, um zuerst einmal zu dokumentieren, welches die Umgebungen sind, in denen der Baum heute auftaucht: Zuerst nebenbei in der Nachbarschaft in Brüssel, aber »auf einmal«, erinnert sich Baensch, »haben wir den Baum plötzlich überall gesehen und es kam der sportliche Anreiz dazu. Wann immer wir mit dem Fahrrad unterwegs waren, wandern oder spazieren oder sonst wie verreist sind, haben wir die Kamera eingepackt und Araukarien fotografiert.« Nicht erst bei der Durchsicht fiel ihm dann auf, wie vielgestaltig und somit auch vieldeutig dieser Baum ist. »Ich meine, das ist doch faszinierend! Dieser Baum gehört zu den ältesten Pflanzen auf der Welt.«

Zuerst lebt er gemeinsam mit den Dinosauriern auf dem Urkontinent, dann driften die Erdplatten auseinander und er wird durch seine Früchte – die Piñones – zum Lebensspender für die indigenen Völker in Südamerika. »Dann findet er erst vor 200 Jahren durch einen britischen Kapitän den Weg zurück nach Europa und steht dort jetzt in spießigen Vorgärten – wie eine Trophäe.« Clean, aber gleichzeitig exotisch, immergrün und pflegeleicht, uralt und doch umweht von einem futuristischen Aussehen. Und genau das will der studierte Maler Thorsten Baensch transportieren. In seinem Eigenverlag Bartleby & Co. gibt er heute Kunstbucheditionen heraus. Die dann als Ausstellungsstücke in renommierten Museen liegen. Wie auch im Fall der Edition Araukaria Araucana, die etwa in der Französischen Nationalbibliothek ausliegt und zur Entdeckung dessen einlädt, was changiert, sich entzieht, was überall zu finden ist, aber unablässig flüstert: »I´d prefer not to«.

Entdecken Sie die Araukarien von Thorsten Baensch in Kursbuch 197 »Das Grün«.

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