„Manifest ohne Grenzen“ – Ai Weiwei in Berlin

Einen Sommer lang ist der Ausnahmekünstler Ai Weiwei durch Berlin flaniert und hat zwischen Autolärm und Cafégebrabbel die Gedanken auf Band aufgenommen, die er sich zu Deutschland, Flucht und Willkommenskultur, aber auch zu seiner persönlichen Geschichte als rastlosem Künstler macht. Ursprünglich sollte daraus ein kompaktes Sachbuch entstehen, aber als das Manuskript bei uns im Lektorat eintraf, warfen wir dieses Konzept über Bord. Zu leidenschaftlich die Thesen, zu persönlich die geschilderten Erfahrungen, zu konkret die Forderungen, zu hoffnungsvoll sein Engagement und: zu wichtig das gesellschaftlich-politische Thema des Buches. Entstanden ist deshalb das Manifest ohne Grenzen, ein aufrührerisches Plädoyer für mehr Menschlichkeit, das sich der Künstler nicht nehmen ließ, in Berlin vor einem breiten Publikum in Berlin vorzustellen.

Bei der Veranstaltung Anfang November in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit stellte sich Ai Weiwei den zum Teil kritischen Fragen von Chinaexpertin Gisela Mahlmann – und antwortete erfrischend persönlich und provokant. Gemeinsam mit Markus Löning, dem ehemaligen Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe entstand ein lebhaftes Gespräch, dem die Zuhörer über 90 Minuten lang aufmerksam lauschten. Fazit: Ai Weiwei verlässt Deutschland nicht im Groll, würde sich aber wünschen, dass wir uns nicht einmauern in unserer Angst vor anderen Perspektiven, anderen Meinungen oder anderen Lebensentwürfen, sondern das vermeintlich Andere als Teil unseres Selbst akzeptieren lernen. Gemeinsam statt einsam – ein Motto, das er nun auch versucht, den britischen Nachbarn zu vermitteln, wenn er ab 2020 seinen Wohnsitz dorthin verlegt.

Das Gespräch mit Ai Weiwei in voller Länge auf YouTube.

Pressenachlese der Deutschen Welle.

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