Armin Nassehi: Gab es 1968?

 20,00

Armin Nassehi
Gab es 1968? – Eine Spurensuche
Kontroverse hin oder her: Die Chiffre „68“ steht für eine historische Zäsur. Bleibt zu fragen, ob es sie gab.
ca. 200 Seiten
€ 20,00 (D) / € 20,60 (A)
ISBN 978-3-96196-008-8
Erscheint im Frühjahr 2018
E-Book: € 9,99 (D)
ISBN 978-3-96196-009-5

Artikelnummer: KBE-AN1968 Kategorien: , Schlüsselworte: , ,

Beschreibung

Für die einen ist es der Umbruch in eine moderne Zeit. Für andere der Beginn eines epochalen Werteverlustes. Kontroverse hin oder her: Die Chiffre „68“ steht für eine historische Zäsur. Bleibt zu fragen, ob es sie gab. Das Jahr 1968 hat es gegeben. Aber gab es „1968“? War „1968“ wirklich jener Umschlagpunkt, der eine verkrustete, unbewegliche Welt in eine offene Zukunft geführt hat? Jedenfalls ist der Mythos „1968“ ein beredter Erzählanlass.

Auch für individuelle Biografen gilt, dass sie sich besser erzählen lassen, wenn es ein kritisches Ereignis gegeben hat, das alles ändert. Wenn ein Kairos in das chronologische Nacheinander fährt, wenn es einen Identifikationspunkt gibt, von dem her sich alles erklären lässt. Nun fallen Revolutionen und Plötzlichkeiten – so sie denn welche sind – nicht einfach vom Himmel. In diesem Essay soll es deshalb um folgende Fragen gehen: Welche gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und Veränderungen haben „1968“ möglich gemacht? Ist „1968“ Ursache oder Effekt von Veränderungen? Und was ist davon geblieben?

Die These wird lauten: „1968“ hat vor allem zweierlei unhintergehbar etabliert – zum einen den Siegeszug der kommunikativen Verflüssigung von allem. Nichts blieb sicher vor der kommunikativen Kraft der Problematisierung und einer geradezu protestantischen Entscheidungsgewalt. Zum anderen aber steht „1968“ auch für das Gegenteil davon, für die popkulturelle Negation des tiefen Sinns und des guten Grundes und die Prämiierung der ästhetischen Pose. Beides kann als Befreiung empfunden werden.

Und heute? Vielleicht werden diese beiden Erbschaften von „1968“ amalgamiert: Vielleicht schrumpft das Diskursive zur popkulturellen Pose – und vielleicht wird die Gegenwartsorientierung des Pop zum tiefsinnigsten Ausdruck einer komplexen Gesellschaft.