Kursbuch 182 – Der Inhalt

Georg von Wallwitz Schlafwandler aus den Kommunen • Peter Schneider Revisited end • Konrad Paul Lissmann  Mensch 2.0 • Armin Nassehi Mehr Kritik, bitte • Hannelore Schlaffer Maximal unverbindlich • Stefan Welzk Der Wald, die Angst und das Geld • Rahel Jaeggi Das Ende der Besserwisser • Barbara Klemm, Herlinde Koelbl, Regina Schmeken (Fotostrecke)  Zweifler, Herausforderer,…

Kursbuch 182 – 50 Jahre – Editorial

Editorial von Armin Nassehi und Peter Felixberger    Das Kursbuch wird 50 Jahre alt. Gegründet im Jahre 1965 von Hans Magnus Enzensberger, weitergeführt von Nachfolgern in wechselnden Verlagen und Formaten, sind bis zum Frühjahr dieses Jahres 181 Aus­gaben erschienen. Dass diese kontinuierliche Zählung womöglich mehr Kontinuität suggeriert, als es die diskontinuierliche Geschichte des Kursbuchs in…

Georg von Wallwitz: Schlafwandler aus den Kommunen

In Frankreich ist das Jahrhundert der Revolutionen bis heute ein offenes Thema, welches bis in die Tagespolitik hineinragt. Die große Revolution von 1789 endet keineswegs mit der Kaiserkrönung Napoleon Bonapartes. Sechzehnmal haben die Bürger von Paris zwischen 1789 und 1871 Barrikaden auf ihren Straßen gebaut, bereit zum Häuserkampf: Royalisten gegen Republikaner, Klerikale gegen Säkulare, Bürger…

Peter Schneider: Revisiting end

»Was nützt das schönste Talent, wenn es sich nicht zum Sprecher derjenigen macht, deren Mangel an Talent dazu benützt wird, ihre elementarsten Bedürfnisse zu unterdrücken. In dem Maße, wie das Kapital sämtliche Fasern der Gesellschaft nach seinen Bedürfnissen durchformuliert, verliert die Phantasie in der Wirklichkeit ihren Existenzboden, findet keine Lücken mehr, in denen die Zukunft…

Konrad Paul Liessmann: MENSCH 2.0

In einer neuen und sehr schicken Kunstzeitschrift findet sich unter der Rubrik »Modestadt Berlin« und der Überschrift »Ästhetische Rivalität zwischen Punk und Techno« das Bild einer selbstbewußt-lasziven jungen Frau, im gestylten Straßencafé in einem Korbstuhl lehnend, malerisch mit Tuchresten und Fetzen drapiert, die Brüste kaum verhüllt, ein Weinglas vor sich. Es handelt sich, so erfährt…

Armin Nassehi: Mehr Kritik, bitte!

Es gibt nichts, was nicht anders sein könnte, als es ist – zumindest nichts, was einen Informationswert hat, also einen Unterschied macht. Und dass etwas anders sein könnte, bildet stets den Horizont von Kommunikationsofferten, die man als kritisch wahrnimmt oder denen eine kritische Attitüde unterstellt werden kann. Kritik ist nur dann Kritik, wenn etwas auch…

Hannelore Schlaffer: Maximal unverbindlich

Die Askese des Philosophen, die in der Körperverneinung die Möglichkeit sah, das Glück zu bannen, hat keinen Sinn mehr, wenn es praktische Mittel zur Pflege des Körpers, zur Beseitigung von Krankheit und Schmerz und zur Sicherung des Alters gibt. Noch John Stuart Mill mußte sich trotz seines utilitaristischen Programms für eine philosophische Askese entscheiden: »It…

Rahel Jaeggi: Das Ende der Besserwisser

Die Kritik ist in der Krise. Das liegt nicht etwa nur daran, dass die Möglichkeiten von Kritik angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse, die sich als alternativlos darstellen und in denen die Entscheidungsspielräume schwinden, beschränkt sind, oder daran, dass sich das Kritisierte als außerordentlich beständig erwiesen hätte. Vielmehr gerät die Kritik als solche ins Visier einer Kritik der…

Cora Stephan: Schule des Schreibens

Die These, daß das »Ganze« in der organisierten deutschen Arbeiterbewegung häufig das Halbe-Halbe mit dem Gegner war, kann ohne Zweifel auf viele historische Beispiele zurückgreifen. Aber diese Formel verwischt einen Widerspruch: »Das Ganze« – das »Gesamtinteresse« oder auch »die« Gesellschaft und »der« Staat – hat sowohl das radikale, revolutionäre Moment verbürgt (in der sozialen »Volks«bewegung…