Montagsblock /397

„Wie geht es weiter?“. Diese Frage habe ich meinem Vater früher oft gestellt, wenn er mir vor dem Einschlafen Bücher vorgelesen hat und irgendwann selbst so müde war, dass sein Vorlesen ins Stocken kam. Und manchmal, bei sehr aufregenden oder gruseligen Büchern wie Krabat von Otfried Preußler oder manchen Kinderkrimis, stellte ich die Frage auch in der Variante: „Kannst Du leise weiterlesen und mir dann erzählen, wie es weitergegangen ist?“. Das machte mein Vater dann und lieferte mir die entschärfte Version der Geschehnisse, so dass ich danach gut schlafen konnte.

Manchmal wünsche ich mir so jemanden auch heute noch, der mir eine einschlaftaugliche Variante der Geschehnisse in der Welt liefern kann, wenn es mir mal wieder zu beunruhigend und zu gruselig wird. Leider gibt es in der realen Welt, anders als bei Kinderbüchern, keinen Anlass darauf zu vertrauen, dass die Dinge letztendlich gut ausgehen werden. Aber so wie es bei spannenden Geschichten keine echte Option ist, das Buch einfach abzubrechen (das war es zumindest für mich nie), ist es beim Verfolgen der Weltgeschehnisse keine wirkliche Option, einfach wegzuschauen.

Trotzdem versuchen es viele. In den Medien hört man das als Faustregel: Die Deutschen wollen sich nicht mit der Zukunft befassen. Wer Geschichten schreibt, die sich konkret damit befassen, solle nicht auf hohe Zugriffszahlen hoffen. Umfragen bestätigen das. Der Optimismus ist in Ländern des Globalen Südens deutlich höher als in Westeuropa, wo mindestens Stagnation, wenn nicht die nächste große Katastrophe erwartet wird. Die Bertelsmann Stiftung ermittelte in diesem Sommer, dass 68 Prozent der Deutschen positive Zukunftsbilder fehlen.

Die können aber natürlich nur zustande kommen, wenn man die Zukunft diskutiert. Oft hilft es schon, wenn diffuse Ängste und Befürchtungen eine konkrete Form bekommen. Wenn aus ängstlicher Passivität konkrete Ideen werden, wie man mit verschiedenen Zukunftsszenarien umgehen kann. Wenn man weiß, was auf dem Spiel steht, und welche Wege es gibt, das wahrscheinlicher zu machen, was man sich von der Zukunft wünscht. Wenn man mit Menschen redet, die sich mit solchen Fragen auseinandersetzen und dazu kluge Dinge zu sagen haben, hat das oft einen ähnlichen Effekt, wie ein entschärftes Erzählen zu einschüchternder Krimigeschichten.

Ich freue mich daher sehr, dass wir am kommenden Sonntag, den 25. Oktober 2026, den ersten Kursbuch-Marathon in München veranstalten werden, wo genau solche Zukunftsdiskussionen auf dem Programm stehen. Wir haben dafür neun Experten aus verschiedenen Bereichen eingeladen, mit denen wir jeweils eine Stunde lang darüber reden werden: Wie geht es weiter?

In meinen drei Gesprächen wird es um die Zukunft der Zeitungen und die künftige politische Lage gehen, um unsere Zukunft mit der KI und um die Zukunft im Weltall. Meine sehr geschätzte Kollegin und künftige FAZ-Herausgeberin Helene Bubrowski, der Medienphilosoph Roberto Simanowski – Autor des höchst aufschlussreichen Buches „Sprachmaschinen“, und der ESA-Berater und weltraumpolitische Insider Kai-Uwe Schrogl werden mir dafür Rede und Antwort stehen. Wie und wo man virtuell oder vor Ort dabei sein kann, erfährt man hier. Aus all dem wird dann auch gleich das nächste Kursbuch 228 als Interview-Band entstehen. Aus dem wiederum kann man seinen Liebsten dann abends vorlesen, um daraufhin gemeinsam so lange konstruktiv die Zukunft zu diskutierten, bis man müde ist und von positiven Zukunftsbildern träumen kann.

Sibylle Anderl, Montagsblock /397

19. Oktober 2026

Hinweis in eigener Sache:

Neun Stunden, neun Gesprächspartner*innen, neun Perspektiven: Am 25. Oktober fragt der erste Kursbuch-Interviewmarathon in München: Wie geht’s weiter? Tickets gibt es hier.

Streaming-Link hier.