MONTAGSBLOCK /57

Geschätzte Lesezeit: 5 Min. / 1.353 Wörter In wenigen Wochen beginnt die phil.cologne in, okay, leicht zu erraten, Köln. Der eigentlichen Konferenz wird eine „Fachtagung“ vorgeschaltet, bei der ich den Eröffnungsvortrag halten werde. Die Fachtagung hat den Titel „Was ist Identität?“ – was kurioserweise selbst eine Identitätsfrage ist. Die Veranstalter wissen also schon, dass es…

Kursbuch 193 – Der Inhalt

Armin Nassehi Editorial • Konrad Paul Liessmann Die Bundesbildungsrepublik • Georg von Wallwitz Wie viel Mathematik braucht die Bildung? • Intermezzi 1 – Barbara Vinken • Intermezzi 1 – Georg M. Oswald • Intermezzi 1 – Peter Felixberger • Intermezzi 1 – Daniela Roth • Heinz-Elmar Tenorth Neu wird der Mensch! • Heinz Barz Montessori & Co • Intermezzi 2 – Regina Schmeken • Intermezzi…

Kursbuch 193 – Editorial

Der Joker sticht immer. Er ist im Kartenspiel die Karte, die immer passt. Etymologisch stammt er vom iocus ab, dem Scherz, er ist der Jolly Joker, im Englischen auch lange der jester, also der Hofnarr. Zumindest im deutschsprachigen Bereich ist Bildung der Joker schlechthin – Bildung ist die Strategie, die immer passt: zur Stärkung des…

Konrad Paul Liessmann – Die Bundesbildungsrepublik

Ein Streifzug durch (ver)blühende Landschaften Es ist nun auch schon wieder zehn Jahre her, dass die Bundeskanzlerin die deutsche Bildungsrepublik ausgerufen hat. Dass Republiken von ganz oben ausgerufen werden, ist zwar eher selten, aber in Fragen der Bildung auf eine Initiative von unten zu warten, ist wahrscheinlich wirklich müßig. Bildung wird heute gewährt, nicht erkämpft.…

Georg von Wallwitz – Wie viel Mathematik braucht die Bildung?

Ein Versöhnungsversuch Die Enigma, so der Name der Verschlüsselungsmaschine der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, galt in ihrer Zeit als ein unüberwindliches System. Ihre variabel konfigurierbare Tastatur und die dahinterliegenden Rotoren erlaubten, wie sich auf einem Bierdeckel nachrechnen ließ, 15 354 393 600 mögliche Verschlüsselungen, die täglich geändert wurden. Ihr vertraute das Oberkommando in Berlin alle kriegswichtigen Informationen an.…

Intermezzi 1 – Barbara Vinken

Ein Schulkonzert, ich spielte Walzer von Chopin. Irgendwie war ich glücklich, denn ich konnte nicht richtig Klavier spielen, aber gerade war alles gut gegangen. Davor vierhändig mit meiner kleinen Schwester, schöner und sicherer, sie spielte sehr gut. Auf der Bühne unserer Aula mit samtrotem Vorhang, wo ich sonst nur im Schultheater im Schatten des frühen…

Intermezzi 1 – Georg M. Oswald

Meine Kindheit als Bildungseinrichtung betrachtet, war von modellhafter Ordnung. Das Haus, in dem wir wohnten, stand der Kirche gegenüber. Die Straße dazwischen war die Schulstraße, sie reichte, höchst sinnhaft, vom Schulgebäude bis zum Friedhof. Mein täglicher Schulweg betrug etwa 300 Meter, von der Kirche zur Schule und wieder zurück. Die Kirche war mir nicht nur…

Intermezzi 1 – Peter Felixberger

Das Klassenfoto stammt aus dem Juli 1968. Da war ich acht Jahre alt. Besser gesagt: Ich wurde es erst im August, nachdem russische Panzer in der damaligen Tschechoslowakei aufgefahren waren, um den Prager Frühling abzuwürgen. Genau am 21. August 1968. Fast 50 Jahre sind seither vergangen. Schüchterne Rückblicke im Kopf: ein ­dunkelblauer Fiat 128, drei…

Intermezzi 1 – Daniela Roth

Eine katholische Jugend auf dem Lande sei so ungefähr das Schlimmste, was einem widerfahren könne, so wollte ich Ralf ­Dahrendorf verstehen. Er konstatierte in den 1960er-Jahren der »katholischen Arbeitertochter vom Land« die schlechtesten ­Bildungsaussichten. Landkind, Mädchen, katholisch stimmte für mich, eine Arbeitertochter war ich nicht. Dass Mädchen nicht studieren müssten, weil sie ohnehin einmal heirateten,…

Heinz-Elmar Tenorth – Neu wird der Mensch!

Der lange Marsch der Bildungsutopien 1. Thema und These Die öffentliche Rede über »Bildung« lebt von dem Versprechen, eine his­­torisch notwendige und zugleich individuell wie gesellschaftlich wün­schens­werte Zukunft herbeiführen zu können, und zwar zielsicher, ge­waltfrei und konsensual – wenn man die Bildungspropheten nur lässt, wie sie wollen: in der aktuellen Gegenwart bessere Welten konstruieren, andere Zeiten…