MONTAGSBLOCK /24

Warum gibt es eigentlich keine sozialen Utopien mehr? Wer verknüpft sein eigenes Dasein noch mit einem utopischen Gesellschaftsideal? Warum herrscht im ganzen Land eine seltsame Uneigentlichkeit im Denken und Tun? Und warum revoltiert niemand dagegen? Wenden wir uns dem Menschen in der Revolte zu. Und blättern zunächst etwas in der Geschichte herum. Ein französischer Schriftsteller …

Kursbuch 188 – Der Inhalt

Johann Hinrich Claussen Brief eines Lesers • Wolfgang Schmidbauer Der entgrenzte Suizid • Armin Nassehi Gewalt als Normalfall • Karsten Fischer Der Wahnsinn von Jahrtausenden •  Ulrike Guérot  Einmal heißer Krieg – kalter Frieden und zurück • Micha Pawlitzki  Zwentendorf • Bernd Stiegler Bildersturm • Deniz Yücel Und morgen die ganze Türkei • Manon Clasen, …

Micha Pawlitzki – Zwentendorf

Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt. Gesagt hat das der Science-Fiction-Autor William Gibson. Das passt perfekt auf Zwentendorf: das erste österreichische Atomkraftwerk, dessen Inbetriebnahme in einem Volksentscheid abgelehnt wurde. Denn hier materialisierte sich eine Zukunft, die damals, im Jahr 1978, überhaupt nicht absehbar war. Die Massenproteste der Antiatomkraftbewegung standen noch bevor, …

Kursbuch 188 – Editorial

Editorial von Armin Nassehi   Frieden, verstanden als die Abwesenheit von Krieg, von geplanter oder roher Gewalt, von militärischen Auseinandersetzungen, von Tod und Zerstörung seinem Gegenteil vorzuziehen ist, ist trivial. Weniger trivial ist, von welchem Frieden die Rede ist. In der Kriegstheorie von Clausewitz war der Krieg letztlich das Mittel, der Frieden der Zweck, der sich …

Bernd Stiegler – Bildersturm

Ideologische Besetzungen der Fotografie in der Gegenwart   Vor einigen Wochen postete der norwegische Autor Tom Egeland auf seiner Facebook-Seite das berühmte Foto der vor Napalmbomben fliehenden Kim Phúc aus dem Vietnamkrieg. Er stellte es als eines der iko­nischen Kriegsbilder der Gegenwart in eine Reihe mit weiteren Fotos, die die Kriegsberichterstattung geprägt haben. Als Facebook unter …

Karsten Fischer – Der Wahnsinn von Jahrtausenden

Der kalte Frieden als Hoffnungsschimmer   Der Mensch macht es sich nicht leicht mit seiner Geschichte. Sein ­Alleinstellungsmerkmal unter den Lebewesen, dank Sprache und kultureller Überlieferungstechniken noch die fernste Vergangenheit zu ken­nen, bietet ihm die Chance, nicht nur aus eigenen, biografischen Fehlern zu lernen, sondern aus Erfahrungen im ­gattungsgeschichtlichen Maßstab. Dies hat in der hochkulturellen Entwicklung …

Klaus Hofmann – Das Märchen von Kanaan

Eine literarische Utopie für Israel und Palästina   Wieder und wieder, in jeder Nachrichtensendung, ist es heute zu sehen: das Hissen der Fahne der Kanaanitischen Republik. Auf dem Bildschirm das tiefe Rot des Fahnentuchs, das den alten Namen sinnfällig macht: Kanaan, Purpurland. Ziel und Ende des langen Prozesses, der den jüdischen Staat Israel durch Einbürgerung der …

Wolfgang Schmidbauer – Der entgrenzte Suizid

Narzisstische Kränkung im kalten Frieden   Die meisten gewissenhaften Selbstbeobachter werden zugeben, dass ihnen Mordimpulse nicht gänzlich fremd sind. Kaum einer hat das in einer so schönen Mischung von Idylle und Schauder vorgetragen wie Heinrich Heine: »Ich habe die friedlichste Gesinnung. Meine Wünsche sind: eine bescheidene Hütte, ein Strohdach, aber ein gutes Bett, gutes Essen, Milch …