Wilhelm Schmid – Was macht ein Philosoph im Krankenhaus?

Lebenskunst an lebendigen Orten

Der Philosophie ist alles zuzutrauen, nur eines nicht: Lebenshilfe. Davon sind die meisten professionellen Philosophen und vermutlich viele Menschen überzeugt, welche die Philosophie in einem Turm aus Elfenbein vermuten. Als ich Philosophie zu studieren begann, war die Klärung von Lebensfragen für mich durchaus eine leitende Idee. Wiederholt gescheiterte Liebesbeziehungen hatten mich in große Unruhe versetzt. Der Philosophie traute ich zu, besser zu durchschauen, was Liebe ist und wie mit ihr umzugehen sei. Die ersten beiden Studienjahre erbrachten das Ergebnis, dass die Philosophie sich um manches bemüht, aber nicht um die trivialen Fragen des Lebens. Erst Jahre später lernte ich Platons Symposion kennen, das von nichts anderem als von der Frage handelt, was Liebe ist und wie mit den »Dingen der Liebe« umzugehen sei.

Hier wie auch sonst bei Platon und seinem Lehrer Sokrates ist die Frage »Ti estin?« von entscheidender Bedeutung: Was ist das, die Liebe? Was liegt ihr zugrunde? Was steckt dahinter? Philosophie ist zunächst nichts anderes als ein Innehalten und Nachdenken – das ist eine bescheidene Definition, aber Philosophie beginnt seit jeher mit diesem sokratischen Moment. Der Raum der »Was ist«-Frage ist der besondere Raum der Philosophie. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 175)

Wilhelm Schmid, geb. 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin, lehrt Philosophie an der Universität Erfurt und betätigte sich lange als philosophischer Seelsorger in einem Krankenhaus. Zuletzt erschien von ihm Dem Leben Sinn geben: Von der Lebenskunst im Umgang mit Anderen und der Welt.

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