Eduardo Maura: Vertrauen verspielt

Gehören wir jungen Spanier zu einer verlorenen Generation? Über 55 Prozent der jungen Menschen haben keine Arbeit. In den vergangenen fünf Jahren haben mehr als 700 000 Spanier das Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Die meisten Auswanderer stehen erst am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn. Sie sind jung, sie sind gut ausgebildet, sie sind motiviert, und doch sehen sie in Spanien keine Chance mehr. Das Land scheint ihnen keine Zukunft mehr zu bieten.

Dabei ist Spanien ja eigentlich ökonomisch stark, die viertstärkste Wirtschaftskraft des Euroraums. Aber das Land wird von einer korrupten und unfähigen politischen und wirtschaftlichen Elite beherrscht. Die Regierung spart. Die Renten werden gekürzt, ebenfalls die Arbeitslosenhilfen, viele Sozialleistungen ersatzlos gestrichen. Aber diese Maßnahmen sind völlig ungeeignet, um die strukturellen und konjunkturellen Probleme des Landes zu lösen und die Wirtschaft anzukurbeln. Gerade wegen der hohen Arbeitslosigkeit nimmt der Staat etwa über die Einkommenssteuer viel zu wenig Geld ein. Weil die Einnahmen fehlen, steigt die Staatsverschuldung immer weiter an. Gleichzeitig steigt auch die private Verschuldung. Die Mittelschicht verarmt. (…)

Eduardo Maura, geb. 1981, ist Professor für Philosophie an der Universidad Complutense de Madrid.

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