Ulf Poschardt – Der lange Marsch in die Normalität

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Von den Ruhesehnsüchten der Babyboomer und dem Glanz ihres aufgeklärten Opportunismus

Am Ende war es die Zeit für ein wenig Antiheroismus. Der Zweite Weltkrieg war gerade mal 19 Jahre vorüber: In den Städten standen noch ausgebombte Häuser, Baulücken als Resultat von Luftangriffen waren nur zwei Ecken weiter anzutreffen. Die Bundesrepublik war als Bonner Republik ein junges Provisorium, zu Israel gab es offiziell noch keine diplomatischen Beziehungen, Heimatfilme und Schlager idyllisierten gegen die Erinnerung an zwölf Jahre Barbarei an. Nicht nur unter den Talaren dampfte der Muff von tausend Jahren. Deutschland war verzweifelt erfolgreich.

Die Trümmerfrauen hatten das Vorwärts neu definiert als Augen­zu­und­durch. Der Fleiß war Therapie: Er sollte beim Vergessen und Verdrängen helfen, er sollte die Schmach kompensieren. 1964 wurden so viele Kinder geboren wie seither im Nachkriegsdeutschland nicht mehr. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 178)

Ulf Poschardt, geb. 1967, ist stellvertretender Chefredakteur der WELT­Gruppe. Zuletzt erschien von ihm „911“.

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