Tilo Jung: Hört auf, zu schwafeln

Tilo, nach der Rede »Zur Lage der Nation« empfing Präsident Obama ein paar prominente YouTuber zu einem Interview. Das erste Mal saßen sie leibhaftig im gleichen Raum mit Obama. Manche amerikanische Medien fanden das nicht so witzig. Kam dir das bekannt vor? Neid, Missgunst, üble Nachrede gehören zur Hackordnung der Medien.

In dem Fall ist das witzig, weil die großen amerikanischen Medien so angestochen reagierten. Sie betrachten den Zugang zum Präsidenten als ihr exklusives Vorrecht und schienen fassungslos darüber, dass da ein paar junge Onlineaktivisten Vortritt erhielten. Wenn ich mir das genauer ansehe, steckt mehr dahinter. Die etablierten Medien kommen nicht klar damit, dass es neue Talente gibt, die von ihren Zuschauern verehrt werden. Völlig irre: Einige fühlten sich auf dem falschen Fuß erwischt, weil sie nichts Nachteiliges an den YouTube‐Interviews entdecken konnten.

Ich fand das gut, dass Kollegen von mir in einem Set auftauchen, den ich aus The West Wing und House of Cards kenne. Okay, C. J. Cregg, die Pressesprecherin von Präsident Josiah Bartlet in The West Wing, hat natürlich ihre Spezis. Und Zoe Barnes, die ehrgeizige junge Reporterin in House of Cards, verdankt ihre Informationen einem sehr direkten Draht zum demokratischen Mehrheitsführer Frank Underwood. Die Fernsehserien vermitteln ein ziemlich realistisches Bild des amerikanischen Medienbetriebs. (…)

Tilo Jung, geb. 1985, ist Erfinder der YouTube-Show »Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte«. Im Jahr 2014 erhielt er dafür den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten sowie den Grimme Online Award.

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