Thomas C. Boyle – In guten Händen

Eine Erzählung

Ihr gefielen seine Hände. Seine Augen. Wie er sie ansah, als könnte er unter die Haut blicken, als formte er sie aus Lehm, mit seinen Fingern, die an ihrem Kinn, an den Augenhöhlen entlangstrichen, ihre Stirn erforschten. Sie war aus dem reinen, grellen Frühsommerlicht in die Praxis getreten, hatte sich am Empfang gemeldet und kaum Zeit gehabt, eine der Zeitschriften auf dem Ende des Beistelltisches durchzublättern, bis sie hereingebeten worden war in sein Sprechzimmer mit den stillen Schatten und dem großen, mit schwarzem Leder bezogenen Liegesessel, der mitten im Raum stand. Er sah aus wie ein Behandlungsstuhl beim Zahnarzt, das war ihr erster Eindruck, nur ohne all die Apparate. Und das war gut, denn sie ging nur sehr ungern zum Zahnarzt – wer ging schon gern hin? Schmerz, notwendigen Schmerz, Schmerz im Dienst von Verbesserung und Gesundheit, das war es, was der Zahnarzt einem gab, und sie fragte sich, was dies ihr geben würde.

Der Liegesessel sagte ihr nichts, schüchterte sie aber dennoch ein, und so setzte sie sich auf einen Stuhl an dem mit einer Jalousie versehenen Fenster. Und dann kam er herein, lächelnd, mit leiser Stimme, und er nahm sich ebenfalls einen Stuhl, setzte sich zu ihr und studierte ihr Gesicht. »Eigentlich interessiere ich mich für Botox«, hörte sie sich sagen. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 172)

Thomas C. Boyle, geb. 1948, ist Autor zahlreicher Bücher und Kurzgeschichten. Zuletzt erschien der Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist“.

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