Cora Stephan: Schule des Schreibens

Die These, daß das »Ganze« in der organisierten deutschen Arbeiterbewegung häufig das Halbe-Halbe mit dem Gegner war, kann ohne Zweifel auf viele historische Beispiele zurückgreifen. Aber diese Formel verwischt einen Widerspruch: »Das Ganze« – das »Gesamtinteresse« oder auch »die« Gesellschaft und »der« Staat – hat sowohl das radikale, revolutionäre Moment verbürgt (in der sozialen »Volks«bewegung ebenso wie in der politischen Arbeiterbewegung) wie auch das Motiv verkörpert, auf dessen Grundlage die organisierte deutsche Arbeiterbewegung sich an dem beteiligte, was sie eigentlich bekämpfen. (…)

Aus: Kursbuch 52, »Utopien«, 1978, S. 169 f.

Erst rief Ingrid Karsunke an, mit ihrer wunderbar rauchigen Stimme, und verkündete nichts Geringeres als: Auserwähltsein. Ich sollte die Ehre haben, für die neue Nummer des Kursbuches zu schreiben, über ein Thema, für das ich genau die Richtige sei. Über welches? Das sagte sie nicht, das geschah höheren Orts: Wann Carlos mich denn anrufen dürfe?
Mir schien das immer der reine Luxus zu sein anstelle der sonst üblichen interesselosen Faulheit: Man hatte sich Gedanken gemacht. Auch deshalb kann ich das heute noch nicht leiden, dieses »Das Thema dürfen Sie sich selbst aussuchen« – wie? Das auch noch? Es reicht doch, dass ich schreibe, was und wie ich will!
Der Ritus wurde eingehalten. Zur vereinbarten Zeit hatte ich Karl Markus Michel am Ohr. Ich höre sie noch heute, 14 Jahre nach seinem Tod, die leicht heisere Stimme mit dem spöttischen Unterton und dem kleinen, zögernden »Hm« vor dem nächsten Gedanken. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 182)

Cora Stephan, geb. 1951, promovierte Politikwissenschaftlerin, ist Kolum­nistin und Buchautorin. Zuletzt erschien »Angela Merkel. Ein Irrtum.«

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