Sabine am Orde – Brief einer Leserin (17)

»Mit der Lügenpresse red ich nicht!«, blaffte der Mann und wandte sich brüsk von mir ab. Mit Block und Stift in der Hand war ich auf einem Landesparteitag der AfD an ihn herangetreten und wollte mich gerade vorstellen, da setzte er unserem Gespräch, noch bevor es begonnen hatte, ein jähes Ende. Der Mann wusste nichts über mich, meine Berichterstattung über die AfD oder die Zeitung, für die ich schreibe. Doch offensichtlich war für ihn klar: Wer nicht für AfD-nahe Medien wie die Junge Freiheit oder das Magazin Compact arbeitet, der verdreht die Wahrheit, der lügt.

Es war bei Weitem nicht das erste und auch nicht das letzte Mal, dass ich bei AfD-Anhängern so aufgelaufen bin. Schön ist das nicht, aber damit lässt sich umgehen. Was mich sorgt: dass ein Teil der Bevölkerung seriös und professionell arbeitenden Medien nicht mehr traut. Dass Rechtspopulisten diese Medien immer weiter diskreditieren. Und damit an einem der Pfeiler der Demokratie sägen. Das ist einer der Gedanken, die mich umtreiben, wenn ich über den neuen Kursbuch-Titel Lauter Lügen nachdenke. Der, das sei hinzugefügt, in mehrfacher Hinsicht ein Treffer ist zum Auftakt eines Jahres, in dem Donald Trump US-Präsident wird, in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland gewählt wird – und in all diesen Ländern der Rechtspopulismus auf dem Vormarsch ist. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 189)

Sabine am Orde, geb. 1966, ist innenpolitische Korrespondentin der taz. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Rechtspopulismus und Islamismus.

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen.
Für den kostenlosen Newsletter des Kursbuchs können Sie sich hier eintragen:

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *