Robert Pfaller – Lasst euch nicht verführen!

Über Bevormundungspolitik und die Riten der Unterbrechung

»Me-Ti sagte: Im allgemeinen finde ich, daß die Menschen zu unserer Zeit das unzulängliche Leben zu wenig und den Tod zu sehr fürchten.«
(Bertolt Brecht, Me-Ti. Buch der Wendungen)

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da werden durch eine Finanzkrise, die durch schwerwiegende Fehleinschätzungen neoliberaler Wirtschaftstheoretiker sowie der mit ihnen kollaborierenden Politiker verursacht wurde, in Europa Millionen Menschen arbeitslos, verlieren ihre Wohnungen, wenn nicht ihre gesamten Zukunftsperspektiven. Und was tut die europäische Politik daraufhin? Tut sie alles, um diese Entwicklungen zu stoppen? Besinnt sie sich nun ihrer eigenen Machtmittel? Produziert sie etwa durch internationale Abkommen neue Mechanismen, um solchen Schäden in Zukunft zuvorzukommen und die bestehenden zu reparieren?

Denkt sie vielleicht sogar einmal fantasievoll darüber nach, welche Möglichkeiten Politik besitzt, um sich nicht dauernd vor der »Nervosität der Märkte« zu ängstigen, sondern umgekehrt einmal wieder »den Märkten« (beziehungsweise deren Profiteuren) ein bisschen Angst zu machen – sofern diese keine andere Sprache verstehen? – Nein. Nichts von alledem. Stattdessen hat diese Politik nichts Dringenderes zu tun, als den Bürgerinnen und Bürgern – übrigens durchweg erwachsenen Menschen– zum Beispiel mit ekligen Abbildungen von nikotingeschädigten Lungen auf den Zigarettenpackungen mitzuteilen, dass Rauchen schädlich ist. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 175)

Robert Pfaller, geb. 1962, ist Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien. Zuletzt erschien von ihm „Zweite Welten. Und andere Lebenselixiere“.

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