Adi Livny: Raketengetrieben

Als ich diese Woche in Tel Aviv den Rothschild Boulevard entlanglief, war ich von seiner Normalität erstaunt. Die üppige Prachtstraße voller plaudernder Passanten und eilender Radfahrer offenbarte nichts über die Ereignisse des Sommers 2011. Damals schlug hier die junge Videoeditorin Daphni Leef ein Zelt auf, nachdem sie ihre Wohnung verlassen musste, ohne eine neue finden zu können. Einer spontanen Facebook Kampagne folgend schloss sich ihr eine Gruppe enttäuschter Mieter an, und Leef löste mit ihrer Aktion eine beispiellose Protestwelle aus – zunächst gegen die Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt, dann allgemein gegen die Lebenshaltungskosten in Israel. Über mehrere Monate hinweg gerieten soziale Fragen in den Vordergrund und verdrängten den Diskurs über die Sicherheit des Landes.
Seit dem Sommer 2011 ist viel Zeit vergangen. Jetzt werden Nachrichtensendungen wieder von Sicherheitsfragen dominiert, denn in der Tat wurden wir in der Zwischenzeit Zeuge zweier Militäroperationen. Die erste, »Pillar of Defense«, ereignete sich im November 2012 – zwei Monate vor den Wahlen. Gerade rechtzeitig, um Sicherheit, nicht wirtschaftliche und soziale Fragen zum bestimmenden Wahlkampfthema zu machen. (…)

Adi Livny, geb. 1985, ist Doktorandin in Jüdischer Geschichte an der Hebrew University of Jerusalem.

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