Peter Wagner – Dreck macht Speck

Über die Unmöglichkeit, vom Essen nicht zu sterben

Kann es Zufall sein, dass Engländer »Gott segne dich« sagen und wir »Gesundheit«, wenn der Mensch gegenüber niest? Egal, solange sie uns dabei nicht in die Suppe spucken. Wer weiß schon, was man sich dabei so alles holen kann. In kaum einem Volksstamm der Erde gehen bei der Günther-Jauch-Frage: »Woran denken Sie als Erstes beim Thema Essen? a) Satt werden, b) Genuss, c) Gesundheit« so viele Lämpchen bei Letzterem an wie bei den Deutschen. Unsere Fixiertheit auf Inhaltsstoffe und ihre möglichen Wirkungen im Organismus gleicht einem fast schon erotisch konnotierten Fetisch. Essen ist längst nicht mehr nur der Sex des Alters, es verspricht, wenn es »gesund« genug ist, ewige Jugend, Potenz und begehrt zu werden.
Die schöne neue Ernährungswelt mit allen ihren perfekten Geistern in perfektionierten Körpern, in traumwandlerischer metabolischer Balance um sich selbst und um die nächste Dosis Nährstoff kreisend, die dunkle Seite dieser einstigen Allesfresserbestie zum Notventil retardiert, wenn sich einmal im Jahr zwei saubere Seelen verabreden zum schmutzigen Spiel, zum Ablassen des dionysischen Druckes, spät nachts in der Unterstadt, beim letzten Imbisswagen der Metropole. Pommes-Schranke, die Münder verschmiert von Fett. Mayo und Ketchup als Spritzer im Gesicht wie bei einem SM-Facial-Cumshot. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 175)

Peter Wagner, geb.1960, ist Chefredakteur des Männer-Kochportals »kochmonster.de« und veröffentlicht jeden Sonntag auf Spiegel Online seine Kolumne »Tageskarte«.

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