Peter Berner – Neues Wohnen

Anders leben als gewohnt – Vom Glück in Stadt und Heim

»Ich würde gern mal versuchen, eine Minute lang nur zu wohnen. Denn Wohnen ist eine sonderbare Tätigkeit«, hat der deutsche Schriftsteller Max Goldt einmal geschrieben: »Man wohnt und wohnt und merkt es nicht. Wohnen ist juristisch das, was biologisch atmen ist, obgleich man seinen Atem doch manchmal zur Kenntnis nimmt, wenn man sich verschluckt oder nach der Bahn rennt. Wohnen müsste ein Geräusch machen, knacken oder leise singen, damit es als Aktion bemerkbar würde.«

La dolce vita, das süße Leben, hat für jeden Menschen einen anderen Geschmack. Allen gemein ist aber, dass zum »guten Leben« das »gute Wohnen« an allererster Stelle dazugehört. »Wohnen« ist ein unübersetzbarer Begriff. Im Englischen gibt es ihn nicht. Zwischen Wohnen und Leben wird dort nicht unterschieden, die Begriffe werden synonym gebraucht. To live meint sowohl »leben« als auch »wohnen«. Wohnen also nur die Deutschen? Durch eine gute Wohnung ein gutes Leben zu ermöglichen, bleibt die fundamentalste Aufgabe der Architektur. Und zum guten Wohnen bedarf es »guter Architektur« – und mit der beschäftigt sich mein Berufsstand –, ohne deswegen zwingend eine Definition parat zu haben, was diese Qualität genau ausmacht. »Eine schlechte Wohnung macht brave Leute verächtlich«, wusste schon Goethe, und dass man »mit einer Wohnung auch einen Menschen erschlagen kann«, war ein Diktum des 19. Jahrhunderts, das der Berliner Maler Heinrich Zille geprägt hat.

Gemünzt war dies auf die menschenunwürdigen Wohn- und Lebensbedingungen in den Berliner Mietskasernen. Wie wichtig das gute Wohnen ist, darüber besteht also mehr Konsens als über die Kriterien für gutes Wohnen.
Wohnvorstellungen sind individuell und Inbegriff subjektiver Lebensqualität. Wer über diese Qualität nachdenkt, kommt schnell zur räumlichen Disziplin, denn der Architekt als Organisator des privaten, aber auch gesellschaftlichen Lebens, schafft Räume. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 172)

Peter Berner, geb. 1963, ist Dipl.-Ing. Architekt BDA. Er studierte Architektur an der RWTH Aachen von 1983 bis 1990. 1990 gründete er zusammen mit Kees Christiaanse, Oliver Hall und Markus Neppl das Büro ASTOC Architects and Planners.

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