Werner Plumpe: Ohne Krisen keine Harmonie

Im April 1815 brach mit einer gewaltigen Explosion der Vulkan Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa aus. Binnen weniger Minuten schrumpfte der Berg von 4000 auf 2800 Meter; der sich neu bildende Gipfelkrater hatte einen Durchmesser von bald sechs Kilometern und eine Tiefe von mehr als 1000 Metern. Die Explosion war noch in 1500 Kilometer Entfernung zu hören und zu spüren. Eine gewaltige Aschesäule stieg auf. In der Folge blieben die Sommer in Nordamerika und Westeuropa teilweise aus.

In Europa wurde die Abkühlung in einem ohnehin überaus kalten Jahrzehnt noch einmal dramatisch verschärft. Die Ernten 1816 und 1817 fielen gering aus und die Nahrungsmittelpreise stiegen auf ein bis dato unbekanntes Niveau. Alles, was die Mehrzahl der Menschen besaß, musste für den Nahrungserwerb verwendet werden. Die Nachfrage nach gewerblichen Gütern ging zurück, die Arbeitslosigkeit in den Städten stieg an, das Elend wurde allgemein. Der Hunger kehrte in die Häuser der einfachen Menschen zurück. Wirtschaft, Handel, Export kamen zum Erliegen. Erst gute Ernten Anfang der 1820er-Jahre brachten wieder eine durchgreifende Besserung. (…)

Werner Plumpe, geb. 1954, ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuletzt erschien „Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart“.

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen. Das eBook können Sie hier erwerben. Das Single eBook mit diesem Autorenbeitrag gibt es hier. Weitere Texte/Essays aus dem Kursbuch 170.
Den Newsletter des Kursbuchs können Sie hier bestellen:

.

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *