Niels Pfläging – Kaputtoptimieren

Eine kurze Geschichte des Managements als Scharlatanerie.

Stellen Sie sich vor, Sie lebten im westeuropäischen Mittelalter. Sagen wir innerhalb jener Geografie, die heute Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst. Die Zeit: irgendwann zwischen dem sechsten und 15. Jahrhundert, also nach dem Untergang des Römischen Reiches und vor Beginn der Renaissance. Nehmen wir außerdem an, Sie hätten ein körperliches Leiden. Dann hätten Sie ein richtiges Problem: Denn während die byzantinischen und arabischen Mediziner das medizinwissenschaftliche Erbe der Antike bewahrten, blieb die Medizin des westlichen Mittelalters von allen Erkenntnissen unberührt, die es zuvor einmal gegeben hatte.

In jener Zeit existierte keine schulmedizinische Tradition in Mitteleuropa: Erfahrungserwerb und -weitergabe gingen Hand in Hand mit spirituellen Einflüssen und religiöser Ideologie. Nur wenige lateinische Schriften aus dem Altertum hatten überlebt, das Griechische ging verloren. Die verbliebenen medizinischen Theorien konzentrierten sich mehr auf religiöse als auf wissenschaftliche Erklärungen. Ansichten über die Entstehung und Heilung von Krankheiten waren dementsprechend nicht säkular geprägt, sie waren vielmehr Teil der christlich geprägten Weltanschauung – und in der spielten Faktoren wie Schicksal, Sünde und astrale Einflüsse eine mindestens ebenso zentrale Rolle wie körperliche Ursachen. (…)

Niels Pfläging, geb. 1971, ist Unternehmensberater und Gründer des BetaCodex Network, einer internationalen Open-Source-Vereinigung. Zuletzt erschien „Die 12 neuen Gesetze der Führung. Der Kodex: Warum Management verzichtbar ist.“

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