Michael Brenner – Der antisemitische Code

Von linken und rechten Antisemiten, guten Juden und bösen Israelis.

Es gehört zu den beliebtesten Selbsttäuschungen der Linken, zu glauben, dass der Antisemitismus ein Phänomen der Rechten sei. Es war zwar die extreme Rechte, die im 20. Jahrhundert die perfideste Form des Judenhasses entwickelt und in die Tat umgesetzt hat. Und es waren zumeist Linke und Liberale, die sich in der Geschichte gegen den Antisemitismus gestellt haben. Doch konnte die Rechte zu keiner Zeit eine Monopolstellung in Bezug auf den Antisemitismus beanspruchen.

Linker Antisemitismus

Der Name selbst stammt übrigens von einem, der sich für einen Linken hielt. 1879 gründete der Journalist Wilhelm Marr in Berlin die Antisemitenliga und setzte damit den neuen Begriff in die Welt. Marr wurde 1843 wegen kommunistischer Aktivitäten aus Zürich ausgewiesen und verstand sich als Anarchist und Atheist. Zitieren konnte Marr auch den aus jüdischer Familie stammenden Begründer der sozialistischen Bewegung. Hatte nicht Karl Marx statt einer Judenemanzipation die Emanzipation der Gesellschaft von den Juden gefordert?  (…)

(weiterlesen im Kursbuch 173)

Michael Brenner, geb. 1964, ist Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschien der von ihm herausgegebene Band Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart: Politik, Kultur und Gesellschaft.

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