Matthias Lilienthal, Armin Nassehi – Ich will ja gar nicht provokativ sein

AN: Wir wollen über Alternativen reden, also über Abweichung. Du bist als Intendant der Kammerspiele in München der ideale Gesprächspartner für das Thema, weil von dir Alternativen erwartet wurden, die nun manchen in der Stadt zu alternativ wirken. Doch fangen wir zunächst etwas grundsätzlicher an: In unserer Generation war alternativ die gute Seite, die den Bürgerlichen einen Spiegel vorgehalten hat. 

ML: Es kommt darauf an, wie man den Begriff »bürgerlich« verwendet, ob pejorativ oder positiv aufgeladen. Komischerweise wird darüber diskutiert, dass der Mittelstand in der Krise ist, aber der Begriff der Bürgerlichkeit wird nicht hinterfragt. Für mich ist das merkwürdig, weil ich in München erstmals so richtig mit Bürgerlichkeit konfrontiert wurde. In Berlin gibt es diese Formation des Bürgertums nicht. Ich habe immer gesagt, dass in Berlin das Bürgertum 50 subkulturelle studentische Formen umfasst. Das hat nicht nur mit dem Mauerbau zu tun, sondern auch mit dem Weggang und mit der Zerschlagung des Bürgertums in Ostberlin. Bis zum heutigen Tage hat sich das Bürgertum nicht wieder etabliert. Zu diesem nicht vorhandenen Bürgertum wurde eine Alternative formuliert. (…)

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Matthias Lilienthalgeb. 1959, ist seit der Spielzeit 2015/2016 Intendant der Münchner Kammerspiele.
Armin Nassehigeb. 1960, ist Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschienGab es 1968? Eine Spurensuche.“

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