Kursbuch 199 – Autoren und Themen

Armin Nassehi – Editorial • Elin Nesje Vestli – Brief einer Leserin (26) • Sibylle Anderl Kampf der Egos • Armin Nassehi – Die Atkins-Unschärferelation  • Berit Glanz – Sonnenaufgang im Uncanny Valley • Natalie Sontopski – Hey Siri?! • Michael Pilz – Tanz der Elemente • Bettina Thierig und Dorothea Brückner – Superorganismus • Michael Popp – »Ein Pflanzenextrakt ist gigantisch komplex«. • Harro von Senger – Der Tiger vom Berg • Wolfgang Coy – METH – EMETH • André Kieserling – Zettels Raum • Peter Felixberger – FLXX •  

(Über die Titel können Sie Auszüge aus den Essays abrufen).

Editorial

Manchmal helfen alte Weisheiten aus Stammesgesellschaften, um sich einem Thema zu nähern. In Bayern denkt man bei der Frage nach Intelligenz womöglich an das Gscheithaferl. Dazu heißt es in der Süddeutschen Zeitung in der entsprechenden Kolumne »Kratzers Wortschatz« der bayerischen Sprache am 3. Mai 2011:

»Unter einem Tüpferlscheißer versteht man einen Menschen, der sich kleinlich gibt, einen Pedanten und Besserwisser. Im Norden würde man ihn einen Korinthenkacker nennen. Ein Tüpferlscheißer ist meistens auch ein Gscheithaferl, aber nicht jedes Gscheithaferl ist zwingend auch ein Tüpferlscheißer. Im Wörterbuch von Franz Ringseis wird das Gscheithaferl erklärt als ›einer, der vor Gescheitheit überläuft‹. Dies hat zur Folge, dass Gscheithaferl ähnlich nerven wie die Tüpferlscheißer. Nahe beim Gscheithaferl ist der Gschaftlhuber, der sich überall furchtbar wichtig nimmt. Aber das Leben lehrt, dass es bei den Gschaftlhubern mit der Gescheitheit oft nicht weit her ist.«

Wir wissen nicht, ob es auch hanseatische oder schwäbische, sächsische oder westfälische Varianten des Gscheithaferls gibt, von anderen Sprachräumen ganz zu schweigen. Sicher scheint aber zu sein, dass Intelligenz dann, wenn sie allzu ostentativ daherkommt, eher merkwürdig wirkt – vielleicht sogar wenig intelligent, gschaftlhuberisch eben. Dieses Kursbuch ist nicht auf der Suche nach den ostentativen Intelligenzen, sondern nach den eher verborgenen, den unglaublichen, den unerwarteten Intelligenzen. Deshalb machen wir einen großen Bogen um die explizite Intelligenz, und suchen sie dort, wo man sie womöglich nicht vermutet oder wo man noch mal genauer hinsehen muss.

Weiterlesen im Editorial von Armin Nassehi.