Kursbuch 198 – Autoren und Themen

Armin Nassehi – Editorial • Katja Gasser – Brief einer Leserin (25) • Georg Seeßlen Dahoam is Dahoamnis • Maxim Biller – Max in Palästina • Michael Haas – „Wenn ich komponiere, bin ich wieder in Wien“ • Dirk von Gehlen – Heimat hacken • Adrian Lobe – Neue Heimat Internet • Eran Shakine – A Muslim, a Christian and a Jew • Naika Foroutan – Heimat. Erde. Migration. • Michael Brenner – Ein Zuhause, aber keine Heimat • Levi Israel Ufferfilge – Wenn ich dich vergäße, Jerusalem • Robert Misik – Woher kommst du? • Armin Nassehi – Woher kommst du nicht? •  Jürgen DollaseSchweinshaxe im 3-Sterne Restaurant

(Über die Titel können Sie Auszüge aus den Essays abrufen).


Editorial

Es heimatet sehr. Alle entdecken die Heimat – als Wunschvorstellung, als Projektionsfläche, als Feind und Albtraum, sogar als ministrables politisches Thema. Kurz vor dem Verfassen dieses Editorials habe ich in einem Bioladen am Münchner Rotkreuzplatz fettige Kartoffelchips gesehen – der Markenname hieß »Heimatgut«. Deutsche Kartoffeln. Da fehlte nur noch ein alter weißer Mann, der sie sich gekauft hätte. Unter uns: Das ganze Gerede um Heimat ermattet uns langsam – deshalb heißt dieses Kursbuch Heimatt. Das hat sich Peter Felixberger ausgedacht, und er hat es damit wirklich gut getroffen.

Und doch lohnt es sich, über Heimat nachzudenken – nicht, was sie wirklich ist, sondern warum sich die Frage stellt und was die Leute mit der Frage anstellen. So unterschiedlich die Beiträge dieses Kursbuchs auch sind – es eint sie alle eine Distanznahme zum Thema. Es wird nicht für oder gegen den Heimatbegriff gestritten, es wird nicht die eine durch eine andere Heimat ersetzt, es wird nicht das eine richtige Ver­ständnis von Heimat propagiert, sondern alle sind in dem Erstaunen darüber verfasst, wie Regionales zu Heimatlichem aufgerundet wird, um es in den Worten von Jürgen Dollase zu sagen, der sich dem Thema von der Kulinarik her nähert. Alle Beiträge weisen je für sich darauf hin, dass der Begriff Heimat zugleich Lösung und Problem ist und ganz offensichtlich auf eine Leerstelle in modernen Gesellschaften verweist, die sehr unterschiedlich gefüllt werden kann. Robert Misik weist darauf hin, dass diese Leerstelle durch jenen »Elefant im Raum« mit Namen Migration derzeit besonders sichtbar wird. Naika Foroutan thematisiert diese Leerstelle, indem sie auf die schwierigen Mehrfachcodierungen verweist. Georg Seeßlen spielt dies am Beispiel Bayerns durch. Mein eigener Beitrag identifiziert die Rede von der Heimat als eine Ersatzhandlung, bei der aber nicht ganz klar ist, wofür eigentlich.

Weiterlesen im Editorial von Armin Nassehi.