Kursbuch 197 – Der Inhalt

Armin Nassehi – Editorial • Svenja Flaßpöhler – Brief einer Leserin (24) • Peter Unfried Das große Mißverständnis • Robert Habeck – Das Grüne ist die neue Normalität • Karl Bruckmaier – Aus grüner Städte Mauern • Wolf Lotter – It´s your economy, stupid! • Oliver Jahraus – Der verkannte Vordenker • Cordula Kropp – Urban Gardening • Thorsten Baensch – Araucaria araucana • Irmhild Saake – Die Welt als Zoo • Mareike Vennen – Der grüne Komplex • Stephan Rammler – Mehr Grün wagen • Max Koch – Nachhaltige Wohlfahrt

(Über die Titel können Sie Auszüge aus den Essays abrufen).

Editorial

Der Verleger des neurechten Antaios-Verlages hat vor einigen Tagen eine Feinderklärung abgegeben. Auf seinem Blog heißt es: »Das grüne Kon­zept ist das der offenen Grenzen, der Dekonstruktion des Entstandenen, der Totalemanzipation des Ichs auf Kosten der Allgemeinheit, des Neu­baus der Gesellschaft und der moralistischen Weltordnung.« Es sei das Konzept, das das Gewachsene, das gewissermaßen Natürliche ver­nichte – auch das »Volk« als letzte Kategorie des Natürlichen, des Gewachsenen. Der Autor versteigt sich sogar dazu, an der Dekonstruktion des Volkes, an jener für ihn und seinesgleichen natürlichen Grundlage aller Kultur und Gesellschaft, den Punkt zu sehen, an dem aus dem po­litischen Gegner nicht nur ein Feind, sondern sogar ein »Todfeind« wird. Steht da so.

Aber, das muss man ihm zugutehalten, recht hat er. Das grüne Konzept ist in der Tat eines jenes Milieus, das sich in der postmaterialistischen Generation nach dem Zweiten Weltkrieg von fast allen Institutionen be­freien wollte, sie verflüssigt hat, Alternativen ausprobiert hat, Stehendes und Geltendes infrage gestellt hat. Nicht von den Grünen ist hier nur die Rede, sondern von einer gesellschaftlichen Pluralisierung, die tatsächlich dort Fragen stellt, wo man vorher nicht einmal Antworten brauchte. Es ist der angemessene Feind für diejenigen, die all das im Be­wusstsein einer quasi natürlichen Ordnung nicht wollen. Diese Feind­schaft hat sich das grüne Konzept redlich verdient. Es gibt nichts Schlim­meres, als von den Falschen zum Feind erklärt zu werden.

Aber ganz stimmt das mit dem Gewachsenen und der Natur nicht. Denn bei aller Verflüssigung klarer Bedeutungen und Zugehörigkeiten ist es gerade das Gewachsene, ist es die Natur, die dem grünen Konzept sogar seinen Namen gibt. Da geht es um Erhaltung der natürlichen Le­bensgrundlagen, um den Boden aller Horizonte, um die Frage des Bewahrens, auch einer gewissen Modernitätskritik. Nur das Volk und die Lebensformen, die haben sich nicht nur im grünen Konzept aus der Na­türlichkeit der Natur emanzipiert – und was das angeht, ist das Grüne tatsächlich zu einer neuen Normalität geworden –, so die Formulierung von einer der beiden Parteispitzen der Grünen, Robert Habeck, im Ge­spräch, das Peter Felixberger und ich mit ihm geführt haben. (…)

Weiterlesen auf der Seite des Editorials von Armin Nassehi.

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