Kursbuch 189 – Der Inhalt

Sabine am Orde Brief einer Leserin (17) • Matthias Hansl Lüge, Bluff & Co. • Gerhard Waldherr Deutschkunde • Armin Nassehi Po:Pu:Lis:Mus • Barbara Zehnpfennig Keine Lüge ohne Wahrheit • Fritz Breithaupt, Martin Kolmar Fakten oder Faketen? • Cord Riechelmann Können Tiere lügen? • Walter Schels Schönheitswettbewerb • Jan-Werner Müller Fake Volk? • Peter Felixberger Achtung: Wahrheit! • Ludger Heidbrink, Alexander Lorch Post-Truth-Management • André Kieserling Grenzschutz • Claudia Pichler Der Polt

Er lügt wie gedruckt« – das Urteil, das sich in diesem Sprichwort ausdrückt, ist erst auf den zweiten Blick plausibel. Mündlich zu lügen, müsste viel einfacher sein, weil der Sprechakt in dem Moment verschwindet, in dem er ausgesprochen wurde. Der mündliche Alltag ist ja geprägt davon, dass wir uns irgendwie durch Bewährungsräume hindurchlavieren, in denen es darauf ankommt, mit möglichst wenigen sozialen und physikalischen Kollisionen durchs Leben zu kommen. Dabei das Gesagte an Erwartungen, an Situationen, an Erfolgsbedingungen, auch an taktvolle Unwahrheiten anzupassen, ist unvermeidlich. Sollte es also heißen: »Er lügt wie gesprochen«?

Dass die Lüge eher in gedruckter Form auftaucht, liegt wohl daran, dass es erst die Schrift ist, die so etwas wie Wahrheitsansprüche formulieren kann – Wahrheitsansprüche, die kontextübergreifend auch für andere Situationen gelten als die, während derer der Satz geschrieben wurde. Wahrheit ist ein Schriftkorrelat – weil man eben auf das festgelegt werden kann, was man geschrieben hat. Beim Sprechen bedarf es der Erinnerung, die sich ihre Wahrheit bekanntlich performativ so zurechtlegen kann, dass die Dinge dann doch passen. Und mündliche Kommunikation kann sich zunutze machen, dass es unpräzise bleibt. Das Schriftliche wird zur Präzision gezwungen – wenigstens prinzipiell. Und deshalb fällt die Lüge – oder das, was wir dafür halten – auch an der schriftlichen Form eher auf. Und vielleicht hat es der politische Populismus deshalb auch so leicht, im konkreten Moment mündlich zu lügen und damit durchzukommen, zugleich aber auf das Geschriebene zu verweisen, dem die Lüge schon dadurch anhaftet, dass es Wahrheitsansprüche formuliert. Die Lügenpresse hat es schwerer als der Lügensprecher. (…)

Weiterlesen auf der Seite des Editorials von Armin Nassehi.

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