Kursbuch 172 – Brief einer Leserin

Brief einer Leserin (2), Ines Pohl

Was für ein Dreisprung, Krisen lieben, Besser optimieren und jetzt auch noch Gut leben. Das klingt aufs Erste fast wie ein weiteres Produkt des Landwirtschaftsverlags Münster, das gut und gerne unter dem Titel Denklust in den Bahnhofskiosken um Aufmerksamkeit heischen könnte. Was soll das bitte mit dem Kursbuch zu tun haben, das doch zumindest meiner Generation der Bildungsaufsteiger eine so gewichtige und ehrwürdige Wegmarkierung auf dem Weg hinauf in die Sphären des befreienden Denkens und Meinens war? Und weil manchmal eben nur der Schritt zurück hilft, um den Blick für die Gegenwart freizukriegen, gestatte ich mir folgendes Zitat.

Hans Magnus Enzensberger schreibt im Vorwort der ersten Ausgabe im suchenden Jahr 1965: »Kursbücher schreiben keine Richtungen vor. Sie geben Verbindungen an, und sie gelten so lange wie diese Verbindungen. So versteht die Zeitschrift ihre Aktualität.« Sie schreiben nicht vor, sondern geben Verbindungen an. Und sie gelten so lange wie diese Verbindungen. Das klingt doch eigentlich auch schon 1965 ganz schön nach Denklust, nur dass es damals eben die Landlust noch nicht gab.
Nun wissen wir: Im Jahr 2012 sind Kursbücher so etwas von aus der Zeit gefallen. Pausenlos aktualisierte Apps geben an, um wie viele Minuten der Zug in einer Stunde Verspätung haben könnte, wenn sich denn nichts Unerwartetes auf den Gleisen abspielt. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 172)

Ines Pohl, geb. 1962, ist Chefredakteurin der taz. Zuletzt erschien Schluss mit Lobbyismus! 50 einfache Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt.

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