Klaus Hofmann – Das Märchen von Kanaan

Eine literarische Utopie für Israel und Palästina

Wieder und wieder, in jeder Nachrichtensendung, ist es heute zu sehen: das Hissen der Fahne der Kanaanitischen Republik. Auf dem Bildschirm das tiefe Rot des Fahnentuchs, das den alten Namen sinnfällig macht: Kanaan, Purpurland. Ziel und Ende des langen Prozesses, der den jüdischen Staat Israel durch Einbürgerung der Palästinenser zu einem »Greater Israel« zwischen Meer und Jordan aufblähte und in einer demokratischen Revolution liquidierte. Für mich ist die Zere­monie Wiederholung, ein Déja-vu aus Aris Roman, Aris Zukunfts­report. Dort, auf den ersten Seiten, ist der Flaggenwechsel aufgeführt als Bild aus der Zukunft, einer Zukunft, an die Ari womöglich selbst nicht glaubte, die er nur als Fiktion wagte. So sollte es unter die Leute kommen. So kam es mir vor die Augen. Als Skript. Auf Englisch. The Canaanite Republic.

Wir kannten uns flüchtig, aus Seminaren, aus der Mensa. Ari kam auf mich zu auf der Suche nach einem Übersetzer seines Buchs. Sicherlich sollte ich auch Testleser sein, dessen Reaktionen er erfahren ­wollte. Ich sollte der Erste eines Publikums sein, das er aus der Erstarrung einer politischen Korrektheit herausreißen wollte, die das Existenzrecht Israels beteuerte und darüber die Unhaltbarkeit der Existenz Israels v­erkannte. Und dieses Publikum war für ihn ein deutsches. In Deutschland wollte er sein Buch gelesen wissen. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 188)

Klaus Hofmann, geb. 1935, war Professor für englische Literatur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuletzt erschien „Die Metaphoreszenz jüngerer Theologie“. In: Neue Zeitschrift für Systematische Theologie und Religionsphilosophie 4 (2015).

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen.
Für den kostenlosen Newsletter des Kursbuchs können Sie sich hier eintragen:

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *