Karl Bruckmaier – Werch ein Illtum

Über links und rechts in der Popmusik

Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. (1) Es sei also, meint der Dichter, nicht ganz so einfach, die Welt anhand der Sitzordnung in der Versammlung der Generalstände von 1789 erklären zu wollen: rechts vom Parlamentspräsidenten der Adel, links von ihm – ja, wer? Links waren jene, die das sich richtig Anfühlende mit den Mitteln der Vernunft zu Ende bringen wollten. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Guillotine. »Baby, why don’t we feel guilty? Why does it seem we’re doing right?« (2) Alexander Kluge dazu: »Die Gefühle sind die wahren Einwohner der menschlichen Lebensläufe.« (3) Entgegen dem rational abgesicherten Wissen über die Beschaffenheit der Welt sowie der Dinge und Vorgänge in ihr fühlen wir, dass wir als Individuum diese Dinge zum Besseren wenden können. Wir hoffen – und handeln – gegen jede Vernunft, und sobald unsere Körper satt sind, hungert unser Ich »nach einem Stückchen Gerechtigkeit auf Erden« (4).

Das Streben nach Glück, auch das Streben nach dem Glück aller, ist evolutionäres Programm, der »Egoismus der Gene« (Richard Dawkins)(5) tendiert zur Verbesserung dieser von Demiurgen hingeschluderten Welt. Und da laut Lenin die Ethik die Ästhetik der Zukunft sein wird (6) – ein Satz, aus dem Laurie Anderson 1977 ein Tape-Experiment konstruiert hat: danach könnte Ethik einst auch die Ästhetik der wenigen sein (few/future) –, sind wir schon mittendrin in den im Jahre 2019 anstehenden Feierlichkeiten zu 200 Jahren Popmusik. Doch halt, die Frage an den Autor war eigentlich, ob es überhaupt linke oder rechte Popmusik (noch) gibt. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 173)

Karl Bruckmaier, geb. 1956, ist Kolumnist im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung sowie Hörspielregisseur und Rundfunkmoderator auf Bayern 2. Zuletzt erschien von ihm The Story of Pop.

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