Daniela Roth: Kanisterkunst

Im Moment erscheinen in Beniner Zeitungen Anzeigen, die dazu auffordern, für eine neue Hilfsorganisation zu spenden: SBOP „Solidarité Béninoise pour Occidentaux en Péril“, Solidarität mit den „Abendländischen“, die in Gefahr sind. Dahinter steckt eine Aktion des Beniner Künstlers Romuald Hazoumé. Ironisch – oder ernst? – will Hazoumé darauf hinweisen, dass auch der vermeintlich reiche Westen seine Probleme hat. „Viele Probleme hat der Westen, zum Beispiel habt ihr so viel Angst.“ Warum also nicht „Entwicklungshilfe“ umkehren? In dem kleinen Land Benin in Westafrika sind mehr als 200 NGOs mit verschiedenen Hilfsprojekten tätig. Die Beobachtung der Beniner ist, dass erst einmal ein blitzblanker, schicker „Quatre-Quatre“, ein allradgetriebener Geländewagen, vor dem Tor jeder dieser Organisationen geparkt ist.

Hazoumè will in einer Kanisterbude (Kanister sind sein bevorzugtes Material) Teile der allradgetriebenen Geländewagen verkaufen, etwa jedes einzelne der vier Räder, und mit dem Erlös die Hilfsorganisation für den Westen befördern. Denn Europa ist in der Krise! Beniner können Europäern helfen, zum Beispiel ihre (Lebens-)Ängste zu überwinden. SBOP, Solidarité Béninoise pour Occidentaux en Péril, Solidarität mit den Gefahren für Europäer, heißt für Afrikaner: Wir sind viel starker, viel mutiger als ihr! (…)

Daniela Roth, geb. 1970, studierte Kunstgeschichte, Soziologie, Komparatistik und Rechtswissenschaften in Würzburg, Bonn und München. Promotion mit einer Arbeit über das Werk Romuald Hazoumés.

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