Jörg Hackeschmidt – Brief eines Lesers (15)

Das neue Kursbuch verweigere Zeitgenossenschaft. Seine »programmatische Gelassenheit« sei letztlich problematisch, denn: »Wer lediglich auf Komplexität und Kompliziertheit, auf Krisenhaftigkeit und Unregierbarkeit verweist, bezahlt dies mit einem Verlust an Relevanz.« Also: Bitte mutiger, bitte eckiger, bitte mehr Einordnung und Analyse und weniger bloßes Beobachten. Offenbar haben sich die Herausgeber des Kursbuches die Kritik von Jens Bisky zu Herzen genommen, die er im ersten »Brief eines Lesers« geäußert hat – in der Nummer 171 mit dem wunderbaren Titel Besser optimieren, erschienen im Juni 2012. Die letzte Ausgabe, Nummer 186, trägt den schicken Titel Rechts. Ausgrabungen und positioniert sich klar und deutlich. Vermutlich aber nicht unbedingt so, wie es Jens Bisky vorschwebte.

Ton und Flughöhe dieser Ausgabe setzt taz-Redakteur Daniel Bax, der sich seit Jahren zum Thema Islam, Migration und »Rechte« äußert und gegen alle polemisiert, die er der »Islamkritik« für verdächtig hält. Man wird ihm nicht zu nahe treten, wenn man ihn als einen Wortführer des linken Justemilieu bezeichnet. Sein Beitrag mit dem Titel »Feindbild: Islam. Die rechten Retter des Abendlandes« ist eine Art Zusammenfassung eines Buches, das er vor ein paar Monaten publiziert hat. Und damit beginnt das Problem, denn eine »Ausgrabung«, welcher Art auch immer, hat Herr Bax nicht zu bieten. Für ihn ist der Islam lediglich eine Art Lackmustest. Zwischen Muslimen und Islam unterscheidet er nicht. Er erkennt auch keinen Unterschied zwischen deutschen AfD-Politikern, französischen Rechtspopulisten und Intellektuellen wie Hamed Abdel-Samad, Ayaan Hirsi Ali, Necla Kelek oder Leon de Winter. Alle machen sich des »antimuslimischen Rassismus« schuldig, alle sind »vermeintliche Islamexperten«, alle gehören einer großen Verschwörung an: der »Islamkritik-Industrie«. Klappe zu, Affe tot, Diskurs unterbunden.  (…)

(weiterlesen im Kursbuch 187)

Jörg Hackeschmidt, geb. 1961, ist promovierter Historiker und arbeitet als Redenschreiber und Referent für Grundsatzfragen im Bundeskanzleramt, Berlin.

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