Joachim Müller-Jung – Der kranke Gesunde

Die Grenzen der Genmedizin

Vielleicht war es einen Hauch zu sehr auf Werbung gebürstet. Vielleicht ist Angelina Jolie als Propaganda- und Sexsymbol wirklich schon zu sehr in dieser hypertrophen Welt des schönen Scheins gefangen (womöglich waren es aber auch die betreuenden Redakteure), dass es gar keine andere Option gab als diesen Auftritt in der New York Times, der meistgelesenen Zeitung der Welt: »My Medical Choice«, meine medizinische Wahl. So lautete der Titel eines persönlichen Bekenntnisses, das die Welt in diesem Frühsommer für ein paar Wochen in Atem hielt und mehr noch, das sie spaltete in Bewunderer auf der einen und Spötter auf der anderen Seite. In solche, die den Mut der Hollywoodschönheit anpriesen, körperliche Defizite und ihr medizinisches Schicksal öffentlich zu machen, einige auch darunter, die sich dankbar äußerten, eine überfällige Debatte über genetische Vorsorge angestoßen zu haben.

Und dann gab es noch die anderen, die sich furchtbar daran störten, dass eine Frau auf der Sonnenseite des Lebens sich selbst entblößte und ihre privatesten Geheimnisse, wie es eine vorsorgliche Mastektomie mit anschließendem Wiederaufbau beider Brüste eigentlich sein sollte, zur Pflege ihres Starkultes nutzte und dazu, einer gut betuchten Minderheit ins medizinische Gewissen zu reden. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 175)

Joachim Müller-Jung, geb. 1964, ist Journalist und arbeitet als Leiter des Ressorts »Natur und Wissenschaft« bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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