Jakob Schrenk: Heult doch

Eine junge Frau. Ein junger Mann. Vier Wände. Freie Zeit. Da ist Liebe. Schon. Aber da hängt auch eine unangenehme Stille in der Luft wie hartnäckiger Hochnebel. Unsichere Blicke zucken umher und laden den Raum elektrisch auf. Und dann räuspert sich der junge Mann, wie Donner klingt das ganz bestimmt nicht: »Also, das kränkt mich jetzt schon.«

Was ist hier passiert? Hat die junge Frau ihren Partner betrogen? Mit ihren Freundinnen über seine neue Frisur gelacht? Das Passwort seines Computers geknackt und E-Mails, Kontoauszüge und die Browserhistory analysiert? Der junge Mann fährt fort: »Ich hatte mich so auf dieses Wochenende gefreut.« Und: »Ich dachte, du weißt, wie wichtig mir das ist.« Und: »Ich fahre doch jedes Jahr dorthin.« Die junge Frau hat den gemeinsamen Winterurlaub mit ein paar Freunden nicht leichten Herzens abgesagt, es ist nur so, dass im Büro kurzfristig ein paar wichtige Meetings angesetzt wurden und einige Kollegen krank ausfallen (man hat ihr gesagt, man zähle auf sie). Die junge Frau hat versucht, ihrem Partner die Gründe für ihre Entscheidung darzulegen (sie weiß genau, wie gerne er Ski fährt). (…)

Jakob Schrenk, geb. 1977, lebt in München und arbeitet für das Journalistenbüro
Nansen & Piccard. Zuletzt erschien „Die Kunst der Selbstausbeutung“.

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen. Das eBook können Sie hier erwerben. Das Single eBook mit diesem Autorenbeitrag gibt es hier. Weitere Texte/Essays aus dem Kursbuch 181.
Den Newsletter des Kursbuchs können Sie hier bestellen:

[wysija_form id=“4″]

.

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *