Martin Kornberger: Ist Managen eine Kunst?

Ist Managen eine Kunst? Eine erste Antwort: Kommt ganz darauf an, was man unter Kunst versteht. Zielt man mit dem Begrif auf eine Tätigkeit ab, die man dem rationalen, rechnenden Geist entgegensetzt? Stellt man das Erlernbare dem Talent gegenüber? Dann wird Kunst zu einem Charakteristikum der Person, einer Zuschreibung, die man nun vom Künstler auf den Manager zu übertragen versucht. Damit landet man wohl oder übel in einem altbekannten Dualismus: Steuert man die Dinge mit Gefühl und Geschick, oder aber gibt die kalte Logik des Marktes dem Betrieb sein Gesetz, dem Manager seine Rationalität? Was zählt: Kopf oder Bauch?

Managen, verstanden als das Sichtbarmachen von Unsichtbarem, ist in der Tat eine Kunstform – wenn auch als solche bis heute uner­kannt geblieben. Einer der ersten Managementautoren, Frank Gilbreth, verwendete um 1900 Kameras, um Bewegungsabläufe bei Arbeitsvor­gängen zu studieren. Er zerlegte die Bewegungsmuster in einzelne Bil­der und montierte diese unter Effizienzgesichtspunkten zu einem dann optimierten Gesamtablauf. Es ging Gilbreth und seinem weit be­rühmteren Nachfolger, Frederick Winslow Taylor, darum, eine Realität sichtbar werden zu lassen, die dem menschlichen Auge normalerweise entgeht. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 184)

Martin Kornberger, geb. 1974, ist promovierter Philosoph und lehrt als Professor für Strategie und Organisation an verschiedenen europäischen Universitäten, unter anderem an der Wirtschaftsuniversität Wien, der University of Edinburgh und an der Copenhagen Business School. Zuletzt erschien „Management reloaded: Plan B“

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