Irmhild Saake – Sterben vor Publikum

Optimierungsstrategien einer Konsumgesellschaft.

Eigentlich ist es gar nicht verwunderlich, dass auch Sterbeprozesse evaluiert werden. Auf modernen palliativmedizinischen Stationen werden Menschen beim Sterben nicht nur begleitet, sondern auch beforscht. Da sich eine professionelle Perspektive immer dafür interessiert, wie man einen Ablauf optimieren kann, gibt es auch das Konzept des »Guten Sterbens«. Pflegekräfte schauen zu, wie das Sterben abläuft, und füllen danach einen entsprechenden Fragebogen aus. Die Auswertung dazu klingt so:

»Eine Befragung von Pflegenden über den Sterbeprozess von terminal kranken nicht dementen Menschen, die willentlich jegliche Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verweigerten, zeigte, dass 85 Prozent der Patienten innerhalb von zwei Wochen verstarben. Auf einer Skala zur Qualität des Sterbens (0 = sehr schlechtes Sterben, 9 = sehr gutes Sterben) wurde der Sterbeprozess von den zuständigen Pflegenden mit einem mittleren Score von 8 bewertet. Diese Beobachtungen unterstützen die Hypothese, dass ein Verzicht auf künstliche Flüssigkeitszufuhr das Sterben in physiologischer Weise erleichtert.«

Ich zitiere hier eine sehr typische Studie aus einem Themenheft der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie aus dem Jahr 2003, um zu zeigen, wie es aussieht, wenn das Sterben verbessert wird. Dabei fallen – neben der Ratingskala – zwei Besonderheiten auf. (…)

Irmhild Saake, geb. 1965, ist Akademische Oberrätin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zuletzt erschien von ihr Moderne Mythen der Medizin. Studien zur organisierten Krankenbehandlung (zusammen mit Werner Vogd).

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen.
Für den kostenlosen Newsletter des Kursbuchs können Sie sich hier eintragen:

[wysija_form id=“4″]

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *