Ingo Rechenberg – Optimierbarkeit optimieren

Vom Torkeln der Evolution als Spiel ohne Grenzen.

Ein Begriff erzeugt durch seinen unaufhörlichen Gebrauch Überdruss. So geschehen nach der Bundestagswahl 2005: Gerhard Schröder hat die Wahl verloren und macht in der anschließenden Elefantenrunde seinem Ärger Luft. Am folgenden Tag entschuldigt er sich mit den Worten, es sei wohl suboptimal gewesen.

Von suboptimal (unteroptimal) ist es nicht weit zu überoptimal. Wer alle Kniffe verwendet (von der AdSense- bis zur Offpage-Optimierung), um seine Internetseite im Google-Ranking nach oben zu bringen, und es dennoch nicht schafft, dem wird gesagt, er habe überoptimiert. Weitere Funde aus den knapp 20 Millionen Google-Treffern zum Stichwort »Optimierung« sind:

Optimierung der Rezeptstrukturen von Kochbüchern; Optimierung der Mensch-Hund-Beziehung; Optimierung des Glücks; Optimierung der Schlafrichtung; Optimierung der Geldwäscheprävention; Optimierung des Gehirns; Optimierung der Schlechtigkeit; Optimierung der eigenen Persönlichkeit; Optimierung des Griechenland-Pakets; Optimierung der Behaglichkeit; Optimierung der militärischen Fitness; Optimierung der Verdauungsvorgänge; Optimierung der Bauch-Beine-Po-Region.

Die Beispiele, ergänzt durch den Titel meines Beitrags, erscheinen seltsam, unpassend und überzogen. Die Optimierung der Bauch-Beine-Po-Region amüsiert. Optimierung ist eine ernste, trockene Angelegenheit, weshalb ich mir diesen lästernden Beginn erlaubt habe. (…)

Ingo Rechenberg, geb. 1934, ist Professor für Bionik an der Technischen Universität Berlin, derzeit kommissarischer Leiter des Lehrstuhls fur Bionik und Evolutionstechnik. Er gilt als Erfinder der Evolutionsstrategie zur Optimierung technischer Systeme.

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