Hermann Sottong – Stadt. Bürger. Sinn

Glanz und Elend von Stadtpolitik – der Fall Regensburg

Dass die Polis die Wiege des Politischen, des Bürgersinns, der demokratischen Teilhabe ist, gilt als Binsenweisheit. Dass Demokratie in den Kommunen beginne, dort in ihrer Funktionsweise unmittelbar beobachtet und sozusagen eingeübt werden könne, gilt als quasi selbstverständlich und wird gerne in Sonntagsreden über die Bedeutung der Kommunalpolitik wiederholt. Gleichzeitig gilt das politische Geschehen in den Städten – von den turbulenten Metropolen einmal abgesehen – als unsexy, langweilig, provinziell.

Die schwache Aufmerksamkeit, die den Äußerungsformen des Politischen in den Städten zuteilwird, steht dabei im Kontrast zu den energetischen und innovativen urbanen Potenzialen. Kommt sie in Ausnahmefällen doch zustande, etwa wenn irgendwo in tiefer Provinz ein Kandidat reüssiert, der die gewohnten Kriterien für den lokalen politischen Erfolg gerade nicht erfüllt – etwa nach dem Modell: 19-jährige lesbische Protestantin wird Bürgermeisterin in oberbayrischer Kleinstadt –, dann gilt das Interesse durchweg der Person, welche das politische Amt erringen konnte, nicht aber dem Zustandekommen eines solchen für unwahrscheinlich geltenden Erfolgs und erst recht nicht den Bürgern, die ihn letztlich erst ermöglicht haben. Gebetsmühlenhaft wird in solchen Fällen dann darauf verwiesen, dass man an solchen Ausrutschern sehen könne, dass »Kommunalpolitik« eben nach anderen Regeln funktioniere als die »große« Politik. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 190)

Hermann Sottong, geb. 1959, ist Kommunikationsberater, Semiotiker und Autor. Zuletzt erschien „Storytelling. Das Praxisbuch“ (zusammen mit Karolina Frenzel und Michael Müller).

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