Hans Pleschinski – München

Franz Herzog von Bayern ist buchstäblich eine der nobelsten Personen Europas. Der Chef des Hauses Wittelsbach steht einer Familie vor, die 800 Jahre lang bis 1918 nicht nur die Geschicke Süddeutschlands bestimmte. Der gegenwärtige Herzog, dem noch dies und jenes in Bayern gehört, gilt als Nachfahr Maria Stuarts den royalistischen Schotten auch als Anwärter auf den Thron Großbritanniens. Der alte, schlanke, in jeder Geste freundlich vornehme Herr macht jedoch keine Anstalten, irgendwann in den Buckingham-Palast einziehen zu wollen.

Herzog Franz, gleichfalls verwandt mit den Habsburgern, den Bourbonen, den Hohenzollern, bewohnt unauffällig seine Räume im Schloss Nymphenburg. Er war zeitlebens ein bedeutender Sammler moderner Kunst, ein eifriger Leser, ein Förderer junger Künstler und soll gelegentlicher Gesprächspartner des französischen Star-Poststrukturalisten Michel Foucault gewesen sein. Wie auch immer, Franz Bonaventura Adalbert Maria von Bayern, der von den Nazis als denkbarer Herrscher Bayerns in den KZs von Dachau und Flossenbürg gefangen gehalten worden war, ist der lebende Abglanz einer Monarchie und ein wachsamer Geist hinter allen Geschehnissen. In München weiß man, dass der Herzog lebt, dass er stets vermittelnd handelt und als Mahner zu Rechtschaffenheit, Stil und Offenheit insgeheim noch ein wenig über Bayern thront. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 190)

Hans Pleschinski, geb. 1956, lebt als Schriftsteller in München und ist Direktor der Abteilung Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Zuletzt erschien „Ich war glücklich, ob es regnete oder nicht. Lebenserinnerungen von Else Sohn-Rethel“.

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