Gian Domenico Borasio – Gut sterben – wie geht das?

Gedanken und Erfahrungen eines Palliativmediziners

„Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.“ Kaum ein Dichter deutscher Zunge hat sich so intensiv und gleichzeitig so einfühlsam und beinahe zärtlich mit dem Tod auseinandergesetzt wie Rainer Maria Rilke. Für Rilke war der Tod ein ständiger Begleiter. Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch sein Gesamtwerk – was ihn nicht daran gehindert hat, heitere, ausgelassene und lebensfrohe Verse zu schreiben; vielleicht ist es ihm sogar gerade deswegen gelungen.

Sie sehen, wir sind schon mitten im Thema: Über das Sterben zu sprechen – ist das etwas ausschließlich Düsteres, Lähmendes? Oder hat die Beschäftigung mit dem Lebensende auch andere Facetten? Lässt sich überhaupt so etwas wie ein »gutes Sterben« postulieren, wo doch die meisten Menschen eine panische Angst vor diesem unvermeidlichen Ereignis haben? Der tibetische Meister und Buchautor Sogyal Rinpoche (Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben) sagte einmal: »If you are afraid of dying, I have good news for you – I can guarantee you that you will all die successfully« (Wenn Sie Angst vor dem Sterben haben, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Ich kann Ihnen garantieren, dass Sie alle erfolgreich sterben werden). In der Tat: Keiner von uns würde ernsthaft seine eigene Sterblichkeit anzweifeln. Und dennoch verhalten wir uns oft so, als ob wir davon nichts wüssten oder vielleicht nichts wissen wollten. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 172)

Gian Domenico Borasio, geb. 1962, studierte Medizin in München und ist Professor an der Universität Lausanne für Palliativmedizin. Zuletzt erschien „Sterben: Dimensionen eines anthropologischen Grundphänomens“.

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