Gesa Lindemann – Mann und Frau

Warum man Geschlechter unterscheidet.

Mann und Frau? Für viele ist es fraglich, ob die Geschlechterdifferenz überhaupt noch von Bedeutung ist. Geschlecht spiele zwar noch in Interaktionen eine Rolle, aber für die Struktur der Arbeitsteilung etwa ist die Geschlechterunterscheidung unwichtig. Mit Ausnahme der Arbeitsteilung bei der Fortpflanzung gibt es keine gesellschaftlichen Funktionen, die für Frauen oder Männer grundsätzlich unzugänglich oder gar tabu sind. Frauen und Männer können im Prinzip in gleicher Weise Elternurlaub nehmen, können in der Medizin oder im Kindergarten arbeiten, können auch in Wirtschaft oder Politik zunehmend Spitzenpositionen besetzen usw. Im Grunde genommen bräuchten wir nicht dauernd zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden. Die Gesellschaft würde auch funktionieren, wenn wir es nicht täten. In der akademischen Soziologie gilt es daher für viele als ausgemacht, dass Menschen an der Geschlechterdifferenz eher aus Nostalgie festhalten, aus Gewohnheit oder weil sie auf der Suche nach einem/einer Sexualpartner/in sind.

Um zu begreifen, inwiefern die Geschlechterunterscheidung dennoch gesellschaftlich von Bedeutung ist, muss man etwas weiter ausholen. Wenn man die Geschlechtsunterscheidung als Unterscheidung ernst nimmt, geht es um zweierlei: zum einen darum, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden, andererseits darum, den Bereich festzulegen, in dem diese Unterscheidung gültig sein soll. Ich möchte dies anhand einer (erfundenen) Geschichte verdeutlichen. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 173)

Gesa Lindemann, geb. 1956, ist Professorin für Soziologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Zuletzt erschien „Weltzugänge. Die mehrdimensionale Ordnung des Sozialen“.

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