Frederik Obermaier / Bastian Obermayer – »Irgendetwas stimmt da nicht!«

Ein Gespräch mit den investigativen Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (Süddeutsche Zeitung), die im Zusammenhang mit den Panama Papers zu Weltruhm gelangten. Von Peter Felixberger und Armin Nassehi.

Frederik Obermaier

»Ich komme aus der Ecke Mühldorf in Oberbayern und bin in Polling auf dem Dorf aufgewachsen. Da war naturgemäß wenig los. Das Highlight war das Maibaumaufstellen. Geredet hat man über das Wetter und die Ernte. Ich war der Einzige, der Hochdeutsch gesprochen hat. So richtig habe ich zum Dorfleben nicht dazugehört. Weshalb es mich schnell hinausgetrieben hat nach Burghausen, Altötting oder München – nach damaligem Maßstab also in die weite Welt. Nach dem Abitur habe ich Politikwissenschaft studiert und Journalistik noch dazugenommen. Ich bin in den Jemen gegangen, um Arabisch zu lernen, dann nach Südafrika zum ZDF und nach Kolumbien zum Studium. So entstand der Wunsch, Auslandskorrespondent zu werden. Nach einem Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung bin ich in die investigative Recherche reingerutscht. Hans Leyendecker hatte einen Mitarbeiter für eine Hells-Angels-Geschichte gesucht. Nach dieser Recherche hat er mir eine Teilstelle angeboten. Seit fünf Jahren bin ich fest dort.«

Bastian Obermayer

»Ich bin aus Rosenheim, was einem lange in den Knochen steckt. Aus einer Gegend mit einem Medienmonopol, das uns als junge Leute wahnsinnig gemacht hat, weil vieles einfach nie den Weg in die Zeitung gefunden hat, wie zum Beispiel die Abhöranlagen in Bad Aibling. Ich wollte immer Fußballprofi und Schriftsteller werden, war aber für beides nicht gut genug. Dann wollte ich auf Sportjournalist umsatteln, bin aber zum Glück im SZ-Magazin gelandet, wo ich für mich das lange Reportageformat – angefangen bei den Patres im Kloster Ettal bis zu einem SS-Mörder, der an einer Massenerschießung in der Ukraine beteiligt war – entdeckt habe. Daraufhin hat mich Hans Leyendecker gefragt, ob ich nicht in die investigative Recherche wechseln wolle. So war’s.«

Kursbuch: Sie sind beide aus der Provinz in die weite Welt gezogen. Mit dem Impuls, mehr zu sehen, mehr zu erkennen, mehr wahrzunehmen, Grenzen zu überschreiten. Investigativer Journalismus bedeutet Grenzüberschreitung. Steckt dahinter mehr als ein biografischer Impuls?

Frederik Obermaier: Grenzen überschreiten ist vielleicht eine Überinterpretation. Ein Antrieb bei mir waren die Geheimnisse, die es in meiner Familie gab. Offenkundige Anhaltspunkte, über die aber nie gesprochen wurde. Meine Urgroßeltern waren Sudetendeutsche, und ich kann mich noch genau an ein Foto bei meiner Uroma erinnern, auf dem mein schon verstorbener Uropa in einer sehr dunklen Uniform zu sehen war. Niemand hat je über seine Nazivergangenheit geredet. In einem anderen Zweig der Familie wurde nie groß erzählt, wer eigentlich der Vater diverser Kinder ist. Zu wissen, wer wo herkommt, war im bayerischen Hinterland für den Umgang miteinander grundlegend wichtig. Mich hat das alles sehr früh sehr interessiert, und mit meiner Neugier bin ich natürlich ständig an Grenzen gestoßen. Das wurde mein Antrieb: nicht voranzukommen, aber zu spüren, dass da doch irgendetwas ist. Hier würde ich die Parallele zum investigativen Journalismus sehen. Oft ist der Auslöser auch hier ein diffuses Gespür, eben ein Gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmt. Um dem dann nachgehen zu können, braucht man natürlich die Freiheit, über Monate hinweg eine Geschichte zu recherchieren. (…)

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Frederik Obermaier, geb. 1984, ist Redakteur im Ressort Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung. Zuletzt erschien Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung (zusammen mit Bastian Obermayer).

Bastian Obermayer, geb. 1977, ist Redakteur im Ressort Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung. Zuletzt erschien Panama Papers. Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung (zusammen mit Frederik Obermaier).

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