Florian Rötzer – Sind Google und die Piraten links?

Radikale Gesellschaftsveränderung: Fehlanzeige.

Erst im letzten Oktober hatte sich der Suchmaschinenkonzern Google mal wieder an die Spitze des Internets gesetzt und eine massive Kampagne gegen das von der Bundesregierung geplante Leistungsschutzrecht gestartet. Google, so gab der Konzern die Losung aus, kämpft mit allen Internetnutzern für die Freiheit des Internet vor den Interessen der alten Industrie, in diesem Fall der Zeitungsbranche, und um uns vor staatlichen Regulierungen zu schützen. »Verteidige dein Netz«, so propagierte es der Konzern, weil es mit dem Leistungsschutzrecht »deutlich schwerer« würde, »im Internet die Informationen zu finden, die du suchst«.

Nun ist es zwar im Internet, aber auch offline gebräuchlich geworden, sich zu duzen, auch wenn überhaupt keine Nähe besteht und weiterhin ein hierarchisches Verhältnis herrscht, symptomatisch ist aber doch, dass der Konzern für sich in Anspruch nimmt, auf der Seite und auf der Augenhöhe der Nutzer gegen den Kommerz und die Macht zu stehen und gleichzeitig für den freien Informationszugang aufzutreten. Dass Google, der Suchmaschinenmonopolist nicht nur in Deutschland, auch selbst den Zugang zu manchen Inhalten zensiert und selbstverständlich keinen Einblick in die Algorithmen der Suchmaschine und in die riesigen Datenbanken mit persönlichen Informationen der Benutzer gewährt, wird selbstredend nicht gesagt. Die Presseverlage suchen ein neues Mittel, Einkünfte zu erzielen, wollen aber gleichzeitig von Google weiter gelistet werden, damit der Content auch gefunden wird. Denn wer oder was nicht in Google – und dort möglichst weit oben – gefunden wird, den oder das gibt es nicht. (…)

(weiterlesen im Kursbuch 173)

Florian Rötzer, geb. 1953, ist Journalist. Er studierte Philosophie, Pädagogik und Psychologie in München und ist seit 1996 Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis. Zuletzt erschien Vom Wildwerden der Städte.

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