Mark Greif: Eine andere Welt

Kritik verstehe ich als einen Prozess. Kritik besteht nicht aus einem festen Gebäude von Meinungen. Kritik beginnt mit einer Haltung und vielleicht mit einer erlernten Methode. Aber Kritik beginnt nicht mit einem bestimmten Inhalt. Dennoch werden manche Ideen oder Haltungen zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten unvermeidbar; sie tauchen immer wieder auf, weil Kritik nun einmal darin besteht, das existierende Gewebe des Menschlichen zu entwirren und neu zu knüpfen. Wo Welten sich ähneln, wird auch die Kritik ähnlich ausfallen.

Ich wurde in einem gesichtslosen Vorort geboren und wuchs dann in einem anderen Vorort auf, der genau gleich aussah. Beide befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft derselben grauen, matten, trägen Stadt. Noch etwas weiter entfernt von der Stadt gab es eine grüne Raute, die mit den beiden Vororten ein Dreieck bildete: eine Alternative. Das Gebiet hatte den optimistischen Namen »Concorde« – ein Wort, das im Englischen die Vereinbarkeit von Unterschieden ausdrückt, ein harmonischer Akkord. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 182)

Mark Greif, geb. 1975, ist Amerikanist und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift n+1. Er lehrt am Eugene Lang College der New School University, New York. Zuletzt erschien »Rappen lernen und Hipster. Eine transatlantische Diskussion.«

Das Kursbuch und auch die Abos können Sie im Shop kaufen.
Den Newsletter des Kursbuchs können Sie hier bestellen:

.

Hinterlassen Sie einen Kommentar (moderierter Bereich)

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind markiert *