»Ein Pflanzenextrakt ist gigantisch komplex« – Michael Popp

Die 36 Strategeme sind aus dem chinesischen Weisheitsverständnis nicht wegzudenken, die Lehren von Strategem 13 „Auf das Gras schlagen, um die Schlangen aufzuscheuchen“ oder Nummer 15 „Den Tiger vom Berg in die Ebene locken“ sind fester Bestandteil der chinesischen Alltagspraxis. Harro von Senger hat dieses Wissen nicht nur originär in den Westen gebracht, sondern verfolgt auch den öffentlichen Diskurs über die Strategeme über die Jahrzehnte hinweg. Für seinen Beitrag in Kursbuch 199 beleuchtet er die Entwicklung schlaglichtartig und vergleicht die Weisheitsverständnisse der Kulturkreise. 

Harro von Senger, geb. 1944, ist Professor emeritus an der Universität Freiburg im Breisgau und Experte für chinesisches Recht des Schweizerischen Instituts für Rechtsvergleichung in Lausanne. Er ist Autor zahlreicher Bücher und brachte mit seinem Werk das Wissen um die 36 Strategeme in den Westen.

Textauszug

Kursbuch: Heilpflanzenmedizin von früher heißt jetzt Phytoneering. Sie haben diesen Begriff über Ihre Firma Bionorica in die Welt gebracht. Was steckt dahinter? Wissenschaft oder PR-Gag?

Popp: Ich bin bereits um die Jahrtausendwende neue Wege gegangen, die diesen Begriff vom Wesen her integriert hatten. Wir haben eigene Heilpflanzen angebaut, neue Klone gesucht und weiterentwickelt. Wenn Sie bedenken, dass immer noch 90 Prozent aller Heilpflanzen wild gesammelt werden, waren wir echte Pioniere. Anfänglich mussten wir feststellen, dass es überhaupt kein Saatgut gab, weshalb wir in der Natur zunächst die besten Pflanzen gesucht und geklont, aber nicht genetisch verändert haben. Überdies haben wir Stecklingsvermehrung betrieben, wie wir es als Kinder früher gemacht haben: Ast abschneiden und in ein Wassergefäß stecken, abwarten, bis er austreibt. Zu dieser Zeit verfügten wir über erste Patente und neue Fertigungstechnologien. In Neumarkt haben wir moderne großtechnische Anlagen gebaut, mit eigenem Extraktionsverfahren, außerdem haben wir viel in Pharmakologie und Klinik investiert. Mir war damals völlig klar, dass irgendwann meine Arzneimittel nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Deshalb haben wir für Ärzte und Apotheker einen seriösen Begriff gebraucht, der diese Kombination aus wissenschaftlicher Forschung und Herstellung abdecken würde. Mit Martin Stanscheit hatte ich dann einen Kommunikationsexperten, der diesen genialen Begriff auf den Weg gebracht hat. Das Ziel: Bionorica sollte grundlegend anders sein als alle anderen Firmen in diesem Marktsegment. Wir wollten uns wegpositionieren von anderen Phyto- und Homöopathieherstellern, mit denen wir sonst in einen Topf geworfen würden. Substanz, Wirksamkeit und Evidenz sind das Grundgerüst unseres Tuns. In jeder Hinsicht.