Miltiadis Oulios: Die Grenzen der Menschlichkeit

Am 15. Juli 2015 machte Angela Merkel etwas richtig. In einer Rostocker Schule traf sie im Rahmen des sogenannten Bürgerdialogs auf Jugendliche, um mit ihnen über das Thema »Gut leben in Deutschland« zu diskutieren. Und sie traf dabei auf die 14-jährige Schülerin Reem Sahwil. Ein Mädchen palästinensischer Herkunft, das vier Jahre zuvor mit seinen Eltern aus dem Libanon geflohen war. Auch sie würde gerne »gut leben in Deutschland«, sie repräsentierte sogar das, was gemeinhin als gut integrierte Ausländerin verhandelt wird. Gutes Deutsch, gut in der Schule.

Aber Reem Sahwil stand schon mal kurz vor der Abschiebung, und auch nach vier Jahren im Land hatte sie kein Bleiberecht. Ihr Leid teilte sie unter Tränen der Kanzlerin im Bürgerdialog mit, ebenso wie ihren Wunsch, es endlich einmal so einfach zu haben wie ihre Mitschüler, studieren, das Leben genießen können, statt in Angst vor der Abschiebung zu leben.
Die Jugendliche hat sich damit faktisch zur Bürgerin dieses Landes gemacht, ohne dies von Rechts wegen zu sein. Sie hat die Rolle, die ihr zugewiesen wird, nämlich die des Flüchtlings und sonst nichts, zurückgewiesen. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 183)

Miltiadis Oulios, geb. 1973, ist freier Journalist und arbeitet unter anderem für den WDR-Hörfunk und den Deutschlandfunk. Zuletzt erschien »Blackbox Abschiebung. Geschichten und Bilder von Leuten, die gerne geblieben wären«.

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