Wolfgang Bauer, Philipp Ruch: Die Flüchtlinge und wir

Ich habe den Eindruck, dass Sie sich beide am gleichen Problem abarbeiten: Wie gelingt es, die Deutschen für die Situation der Flüchtlinge zu interessieren? Sie wenden dabei drastische Methoden an. Sie, Wolfgang Bauer, haben sich als Flüchtling ausgegeben und versucht, mit syrischen Flüchtlingen über das Meer von Ägypten nach Europa zu gelangen. Das Ergebnis dieser Recherche ist als Buch bei der edition suhrkamp erschienen: Über das Meer – Mit Syrern auf der Flucht nach Europa. Sie, Philipp Ruch, ziehen viel Aufmerksamkeit mit den Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit auf sich.

Sie haben etwa auf einer gefakten Homepage des Familienministeriums behauptet, der Bund würde im Rahmen eines Soforthilfeprogramms 55 000 syrische Kinder aufnehmen. Das Familienministerium musste dementieren – und war als hartherzig entlarvt. Zuletzt haben Sie die Leichen von Flüchtlingen, die beim Versuch, nach Europa zu gelangen, gestorben sind, wieder ausgegraben und in Berlin neu bestattet. Sie haben auch davon gesprochen, dass man das Herz der Deutschen mit der Brechstange öffnen müsse. Solche starken Mittel braucht man doch nur, wenn man es mit einem Publikum zu tun hat, das entweder wenig Ahnung hat oder sehr gleichgültig ist.

Philipp Ruch: Die Deutschen sind weder dumm noch hartherzig. Ich halte es mit Rupert Neudeck, der seit den 1980er-Jahren wieder und wieder betont hat, dass er auf »sein« deutsches Volk nichts kommen lasse. Wir sind etwas zu satt und selbstbezogen vielleicht, aber alles in allem ist die Bevölkerung sicherlich klug, gebildet, mitfühlend. Viel klüger, gebildeter und mitfühlender, als die Politiker sich »den Stammtisch« imaginieren. Es mag allerdings sein, dass es manchmal an konkretem Wissen fehlt. (…)

(Weiterlesen im Kursbuch 183)

Philipp Ruch, geb. 1981, ist Theatermacher und »Chefunterhändler« des Zentrums für Politische Schönheit. Er lebt in Berlin und promoviert bei Herfried Münkler über »Ehre und Rache. Eine Gefühlsgeschichte des antiken Rechts.«
Wolfgang Bauer
, geb. 1970, ist Reporter für die Zeit und lebt in Reutlingen. Zuletzt erschien »Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach Europa.«

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